Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge übergewichtig und haben damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19. Insbesondere starkes Übergewicht, also Fettleibigkeit, kann das Risiko eines Krankenhausaufenthalts aufgrund der Krankheit verdreifachen.

Während durch Fettleibigkeit mit verursachte Krankheiten wie Diabetes und Herzkrankheiten unabhängig voneinander das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung erhöhen können, haben Wissenschaftler jetzt außerdem Hinweise darauf gefunden, dass auch das Körperfett selbst ein bestimmender Faktor sein könnte.

Eine Studie der Universität Stanford vom Oktober, die noch nicht von Fachkollegen geprüft wurde, ergab, dass das Coronavirus Fettzellen direkt infizieren kann. Dieser Prozess wiederum kann eine schädliche Entzündungskaskade auslösen, die andere Organe wie das Herz oder die Lunge schädigt.

„Dies ist ein Aspekt von Covid, dem bisher nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde“, sagte William Schaffner, Professor für Infektionskrankheiten an der Vanderbilt University School of Medicine, zu Business Insider. „Das Fett selbst könnte tatsächlich zu einem Reservoir für das Virus werden und in irgendeiner Weise an seiner Entzündungsreaktion beteiligt sein.“

Die Forscher haben erkannt, dass Körperfett ein aktives Gewebe und keine träge Masse ist. Die Wissenschaftler benötigen jedoch weitere Daten, um festzustellen, ob zusätzliches Körperfett Menschen mit Covid-19 tatsächlich zu Krankenhausaufenthalten oder gar zum Tod verurteilen könnte.

Forscher untersuchten das Fettgewebe von Menschen, die an Covid-19 starben

Die Stanford-Forscher führten zwei Experimente durch, um herauszufinden, wie das Coronavirus mit Körperfett interagiert. Im ersten Experiment entnahmen sie Fettgewebeproben von Menschen, die sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen wollten, und setzten dieses Gewebe dann dem Coronavirus aus. Diese Fettzellen wurden nicht nur mit dem Coronavirus infiziert, sondern das Virus infizierte auch Makrophagen – Zellen des Immunsystems, die Entzündungen auslösen können – in und um das Fettgewebe. Die Forscher stellten kurz nach der Infektion eine dramatische Entzündungsreaktion fest, einschließlich eines Anstiegs mehrerer Entzündungsmoleküle, die mit schwerem Covid-19 in Verbindung gebracht werden.

Ein zweites Experiment bestätigte diese Ergebnisse: Die Forscher untersuchten dazu Gewebeproben von Menschen in Europa, die an Covid-19 gestorben waren. Sie stellten fest, dass das Virus in das Fettgewebe der Patienten eingedrungen war. Bemerkenswert dabei: Die Viruskonzentration in den Fettgewebeproben war dabei in etwa so hoch wie die Konzentrationen in Herz- und Nierenproben, jedoch niedriger als die Konzentrationen in Lungenproben. Die Ergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, die zeigen, dass Erreger wie HIV und Influenza-Viren Fettzellen infizieren können, schreiben die Forscher.

Da fettleibige und übergewichtige Menschen tendenziell mehr Körperfett haben als Menschen mit geringerem Gewicht, könnten ihre Fettzellen dem Coronavirus mehr Möglichkeiten bieten, sich zu vermehren oder Entzündungen zu fördern. „Wenn Sie wirklich sehr fettleibig sind, ist Fett das größte einzelne Organ in Ihrem Körper“, erklärte David Kass, Professor für Kardiologie am Johns Hopkins, gegenüber der „New York Times“.

Die Forscher stellten auch die Theorie auf, dass Fettleibigkeit zu Long Covid beitragen könnte, das durch anhaltende Symptome wie Müdigkeit, Körperschmerzen, Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit gekennzeichnet ist und Wochen oder Monate nach einer Infektion anhalten kann.

Schaffner sagte, die Studie könnte sogar Hinweise darauf liefern, warum fettleibige Menschen eher Komplikationen bei anderen Virusinfektionen, wie zum Beispiel der Grippe, haben. „Es sind eindeutig mehr Studien erforderlich“, sagte er. „Aber es ist ein sehr interessanter Untersuchungsansatz“.

Quelle: Business Insider / Studie Universität Stanford

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