In der Prävention und Behandlung von Bluthochdruck ist Sport neben Medikation und Ernährungsumstellung eine unverzichtbare Säule. Aus gutem Grund: Übergewicht und ein mangelhaftes Bewegungspensum begünstigen die Entstehung von Hypertonie, die europaweit für etwa ein Viertel aller Herzinfarkte verantwortlich ist, signifikant. Begegnet man diesen Risikofaktoren mit gezielten Lebensstil-Interventionen, sinkt der arterielle Blutdruck meist so weit, dass die Medikation reduziert oder sogar ausgesetzt werden kann.

Doch welche Sportarten eignen sich hierfür am besten? Welche Art von Training soll der Sportmediziner oder Kardiologe Bluthochdruck-Patienten empfehlen? Dieser Frage sind europäische Präventionsmediziner nachgegangen und haben ihre Erkenntnisse in einem Konsenspapier zusammengefasst (1).

Ausdauertraining, dynamisches oder isometrisches Krafttraining?

Insgesamt 34 Reviews und Metaanalysen sind in das Papier eingeflossen, das als Kooperation des multidisziplinären Netzwerks EACP (European Association of Preventice Cardiology) und des ESC Council on Hypertension entstand. Inkludiert wurden ausschließlich hochwertige randomisierte kontrollierte Interventionsstudien an Erwachsenen, deren primäres oder sekundäres Ziel in der Veränderung von Blutdruckwerten bestand. Ausgeschlossen wurden z. B. Arbeiten, die sich auf chronische Krankheitsbilder wie Typ-2-Diabetes und Nierenschäden konzentrierten, neuromotorische Bewegungsprogramme wie Tai Chi oder Yoga mit einbezogen oder gezielt nur Akuteffekte von Bewegung untersuchten.

Nach einer informativen Darstellung der aktuell gültigen internationalen Behandlungsleitlinien geht der Review ins Detail und beleuchtet drei verschiedene Arten von Bewegungsprogrammen, die typischerweise zur Beeinflussung hypertoner Veranlagung oder manifester Hypertonie verordnet werden: Aerobes Ausdauertraining sowie bewegtes Krafttraining mit Gewichten (dynamisch) und unbewegtes Krafttraining ohne Gewichte mit reiner Muskelanspannung (isometrisch). Außerdem wurde unterschieden zwischen drei Gruppen: Patienten mit bestehender arterieller Hypertonie, Patienten mit hochnormalem Blutdruck und Personen, deren Blutdruck zwar normal ist, die aber Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hypertonie aufweisen.

Patienten mit bestehender Hypertonie profitieren von aerobem Ausdauertraining

Als hyperton wurden Personen mit einem Blutdruck von ≥140/90 mmHg definiert. 21 Metaanalysen hatten sich mit den Effekten von Ausdauertraining (150 Minuten mindestens moderate Bewegung pro Woche) auf den Blutdruck beschäftigt. Insgesamt ergab sich das Bild, dass diese Patientengruppe am ehesten von regelmäßiger aerober Bewegung wie Joggen, Radfahren, Walking oder Schwimmen profitiert. Über alle Studien hinweg gerechnet ist dabei mit einer Reduktion um 4,9 bis 12 mmHg systolisch und 3,4 bis 5,6 mmHg diastolisch zu rechnen. Vor allem bei sehr hohen Hypertonieklassen kann ergänzend Krafttraining vom dynamischen oder isotonischen Typ erwogen werden, wobei auch individuelle Vorlieben berücksichtigt werden sollten. Interessant: Für nicht-weiße Personen scheint dynamisches Krafttrainig die besten blutdrucksenkenden Effekte zu besitzen.

Hochnormaler Blutdruck spricht am besten auf dynamisches Krafttraining an

Als “hochnormal” setzten die Autoren des Konsenspapiers Blutdruckwerte zwischen 130 bis 139 systolisch und 85 bis 89 diastolisch an. Patienten dieser Gruppe konnten ihren Blutdruck mit regelmäßigem dynamischem Krafttraining um 3,0 bis 4,7 mmHg systolisch und 3,2 bis 3,8 mmHg diastolisch senken. Ähnlich gute Werte zeigten sich für isometrische Kraftübungen, jedoch war hier die Evidenz der vorliegenden Daten gering. Ausdauertraining bietet sich als Ergänzung an, vor allem bei Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren.

Mit isometrischem Krafttraining sinkt das Hypertonie-Risiko bei (noch) normalem Blutdruck

Personen mit normalem Blutdruck – d. h. unter 130/84 mmHg – können laut Analyse ihr Hypertonie-Risiko (etwa bei familiärer Vorbelastung) am besten mit einfachem isometrischem Krafttraining reduzieren. Bei regelmäßiger Anwendung ist eine Senkung des Blutdrucks um 5,4 bis 8,3 mmHg systolisch und um 1,9 bis 3,1 mmHg diastolisch möglich. Aerobes Training ist zur Förderung der kardiovaskulären Gesundheit eine sinnvolle Ergänzung, allein jedoch nicht ganz so wirksam auf den Blutdruck. Übergewichtige Menschen oder (Prä-)Diabetiker tun gut daran, in Hinblick auf eine bessere metabolische Adaptation auch größere Muskelgruppen per dynamischem Krafttraining zu involvieren.

Quelle: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin / Originalstudie

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