Vitamin Schlaf: Ein lebensnotwendiges Mittel.

Schlaf ist wichtig. Verbessert, wirkt er sich das auf alle Lebensbereiche aus: die Leistungen des Gehirns, der Muskeln, Hunger, Libido und vieles mehr. Die Schlafqualität sei laut Arzt, Performance Coach und Autor Gerrit Keferstein aber essenzieller als die Schlafdauer. In seinem Buch „Praxishandbuch Schlafoptimierung“ bringt er die große Relevanz des Themas auf den Punkt.

Wie viel Schlaf braucht ein Mensch?

Wir haben darauf noch keine definitive Antwort. Aus evolutionsbiologischen Untersuchungen wissen wir, dass erwachsene Menschen etwa neun Stunden Schlaf benötigen. Internationale Schlafgesellschaften empfehlen 14 bis 17 Stunden für Neugeborene, neun bis elf Stunden für Kinder und sieben bis neun Stunden für Erwachsene. Das liegt unter anderem daran, dass ausreichend Schlaf eine absolut entscheidende Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung des Nervensystems ist.
Es gibt Situationen, in denen der Körper vermehrt auf die antioxidativen, entgiftenden und entzündungsregulierenden Qualitäten des Schlafes angewiesen ist. Daher wird eine längere Schlafdauer notwendig, um den Körper wieder in Balance zu bringen. Das merkt jeder sofort, der krank ist. Mehr Entzündung führt automatisch dazu, dass der Körper mehr Schlaf braucht. Eine Schlafdauer von unter sieben Stunden hat auf der anderen Seite negative Konsequenzen auf das Nervensystem, das Hormonsystem und das Immunsystem und ist daher auch ursächlich an der Entstehung vieler Krankheiten beteiligt. Daher ist es so, dass Menschen generell mit durchschnittlich sieben bis neun Stunden am gesündesten sind. Kürzerer Schlaf trägt wahrscheinlich zur Entstehung von Krankheiten bei, während ein regelmäßig längerer Schlaf vermutlich die Reaktion auf eine bestehende Gesundheitsstörung ist.

Wie hängen Schlaf und Ernährung zusammen?

Wir wissen, dass sich Ernährung und Schlaf in gemeinsamer Balance halten. Wenn man zu wenig schläft, dann ist das eine Stresssituation für den Körper. Das Nervensystem wird aktiver, das Immunsystem schüttet mehr Interleukin aus und das hormonelle System strukturiert sich um. Das zeigt sich nach bereits einer Nacht Schlafentzug. Dies führt beispielsweise dazu, dass Menschen nach nur wenigen Nächten Schlafentzug hormonelle Veränderungen durchlaufen, die einem Diabetes gleichen. In Studien zeigte sich bei Betroffenen dadurch 24 Prozent mehr Heißhunger auf Süßigkeiten und Kuchen an den Tagen nach einer kurzen Nacht. Kombiniert mit der herabgesetzten Fähigkeit, „nein“ zu sagen (Schlafentzug reduziert die Aktivität des präfrontalen Kortexes im Gehirn), und einer reduzierten Schilddrüsenfunktion sind dann durch Schlafmangel alle Weichen für Übergewicht gestellt. Ausreichend Schlaf kann alle diese negativen neurophysiologischen und hormonellen Veränderungen wieder umkehren. Nur drei Stunden mehr Schlaf pro Nacht sorgen nämlich dafür, dass der Stoffwechsel so optimiert wird, dass es einem täglichen Extraverbrauch von bis zu 400 Kalorien gleicht.

 

Richard Pflaum Verlag

Du nennst Schlaf ein Vitamin. Wieso?

Das Wort Vitamin bedeutet sinngemäß „für das Leben notwendig“. Ohne Atmung können wir drei Minuten überleben, ohne Wasser drei Tage, ohne Essen drei Wochen und ohne Schlaf maximal drei Monate. Es ist ganz klar lebensnotwendig. Und noch notwendiger, um nicht nur zu überleben, sondern vor allem, um sich wirklich lebendig zu fühlen. Schlaf macht uns nachgewiesenermaßen selbstbewusster, stärker, schneller, aufmerksamer, und entschlossener. Schlaf stärkt unser Immunsystem, verbessert die Libido, senkt den Blutdruck, reduziert die Impulsivität, lässt das Gehirn besser funktionieren und erhöht zusätzlich noch messbar die Lebenszufriedenheit. Schlaf hat nachgewiesenermaßen keine Nebenwirkungen, wurde von jeder Universität dieser Welt studiert und keiner zweifelt an der Wirksamkeit dieses Vitamins. Es ist das am besten studierte und wirksamste Vitamin der Welt.

Was kann ich tun, um meine Schlafphase qualitativ zu verbessern?

In meinem neuen Buch „Praxishandbuch Schlafoptimierung“ stelle ich die wichtigsten Konzepte und Strategien vor. Eine der wichtigsten Strategien ist sicherlich die Erhöhung des Schlafdrucks durch frühen Lichtkontakt und frühe Aktivität. Den Morgen mit leichter körperlicher Aktivität und einem Lichtbad zu beginnen, legt alle epigenetischen, neurophysiologischen und hormonellen Schalter so um, dass man 15 Stunden später gut schlafen kann.

Wie lange schläfst du selbst und hast du dein Schlafverhalten verändert, nachdem du dich näher mit dem Thema beschäftigt hast?

Ich schlafe in den meisten Nächten etwa acht bis neun Stunden. Ich habe natürlich immer gerne geschlafen, aber es nie für möglich gehalten, welchen direkten Einfluss Schlaf auf alles hat, was uns wichtig ist. Es ist ja mehr aus der Not geboren, dass ich mich so intensiv mit Schlaf auseinandergesetzt habe. Ich habe nach Lösungen gesucht für meine Athleten und Patienten, die scheinbar alles richtig machen, aber irgendwie nicht weiterkamen. Als ich Schlaf tiefer studiert habe, habe ich verstanden, warum bei schlechter Schlafqualität selbst die beste Ernährungsstrategie, das beste Trainingsprogramm, die beste Lebensführung in manchen Situationen dennoch keine Resultate bringen. Seitdem ist Schlaf die allererste Priorität für mich, meine Klienten und meine Patienten. Wenn der Schlaf funktioniert, dann werden viele andere Dinge zum Selbstläufer. Und in meinem Buch erkläre ich ganz genau warum. Ich zeige die neurophysiologischen, biochemischen und hormonellen Zusammenhänge auf, die eindrücklich erklären, warum Schlaf die Priorität sein muss.

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview führte Michelle Dian.

 

DTP2016

Bereits während seiner aktiven Leistungssportzeit begann Gerrit im Jahr 2005 mit dem Coaching von Athleten. Durch das Studium an der University of Wisconsin mit Ausbildungen bei der National Strength & Conditioning Association sowie am Olympic Training Center in Colorado Springs baute er seine Kenntnisse und Fähigkeiten weiter aus. Nach der Rückkehr in die Heimat gründete er 2008 das Unternehmen „ALLOUT Performance Training“ mit dem Ziel, eine einzigartige Anlaufstelle für Leistungssportler aus allen Bereichen zu schaffen. Maßgeblich für das von ihm entwickelte ALLOUT-System waren und sind vor allem sein Medizinstudium (Göttingen und Saarbrücken), diverse internationale Fortbildungsreisen nach Russland, England und in die USA sowie ständiger Austausch mit nationalen und internationalen Coaching- und Sportmedizin-Experten. Er war u.A. Athletiktrainer und Performance Coach für die Profis der Telekom Baskets, der Kölner Haie, sowie der Nachwuchskader der Eishockeynationalmannschaft. Er ist Autor des Buches „Eishockey Performance” und leitet als Performance Director alle Trainingsprozesse der ALLOUT Coaches vor Ort. Für die Trainerakademie des DOSB ist er Dozent für die Themen des Regenerationsmanagements, Verletzungsprävention, der Leistungsdiagnostik und der Trainingsplanung.

 

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