Im Basketballtraining reicht nicht allein Talent. Es ist genauso wichtig, aus unseren körperlichen Voraussetzungen das Maximum herauszuholen und dabei die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen.

Den entscheidenden Unterschied im täglichen Training macht die exakte Mischung aus basketballspezifischem Athletiktraining, Eisen stemmen, individuellen Workouts und klassischem Teamtraining. Lukas Lai ist Athletiktrainer bei den Gießen46ers und spricht heute mit uns über Verletzungen im Basketball.

Was sind die häufigsten Verletzungen im Basketball und wie lassen sie sich vermeiden?

Bei den akuten, durch ein Trauma verursachten Verletzungen rangiert die Sprunggelenksverletzung ganz klar auf dem 1. Platz. Um die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verletzung zu vermeiden sollten natürlich präventive Übungen absolviert werden. Auch ein Sprunggelenkstape und gutes Schuhwerk sind wichtig. Ein Schuh in dem man umgeknickt ist, sollte nicht mehr bespielt werden, da die Stabilität des Schuhes durch ein solches Trauma reduziert sein kann.

Welche Rolle spielt das Monitoring bei der Regeneration nach einer Verletzung?

Nicht nur in der Reha spielt das Monitoring eine große Rolle. Generell sollte ein Physiotherapeut oder Coach sich über den körperlichen und geistigen Zustand seiner Athleten ständig bewusst sein.

Du arbeitest als Berater bei den Gießen46ers. Wie gehst du bei einem frisch verletzten Spieler vor?

Auf keinen Fall sollten nach einer Verletzung voreilig kommuniziert werden. Eine Besprechung mit dem Medizinischen Staff sowie eventuelle weitere Untersuchungen wie ein Röntgenbild oder MRT sind notwendig um ein klares Bild zu schaffen. Bei einer akuten Verletzung in einem Pflichtspiel ist ein sehr schnelles Clinical Reasoning enorm wichtig. Kann der Athlet weiter spielen oder nicht? Was kann ich tun, um seine Situation zügig zu verbessern? Die Kommunikation mit dem Athleten selbst ist natürlich auch ein wichtiger Punkt.

 

Wer ist dein Lieblingsbasketballspieler?

Dirk Nowitzki! Er hat Basketball durch seine Spielart entscheidend geprägt. Zusätzlich vermittelt er durch sein Auftreten in der Öffentlichkeit die richtigen Werte.

Würdest du sagen, dass du ein ehrgeiziger Typ bist?

Ja. Ich weiß, dass Ziele nur mit einem gewissen Aufwand erreicht werden können.

 

Richard Pflaum Verlag

Wie viel Athletiktraining und wie viel Physiotherapie sollte bei einer Regeneration eingebunden werden?

Die Grenzen zwischen Therapie und Training sind manchmal schwer abzustecken. In der Zeit unmittelbar nach einer Verletzung hat die Therapie einen größeren Stellenwert. Und zum Athletiktraining gehören auch immer präventive Aspekte aus der aktiven Physiotherapie.

Spielst du selbst auch Basketball oder hast du Basketball gespielt?

Ich habe mit neun Jahren begonnen Basketball zu spielen. Bis zum Studium mit Anfang 20 habe ich immer im Verein gespielt. Ich habe nie hochklassig gespielt. Trotzdem habe ich ein Grundverständnis für das Spiel, was die Arbeit im professionellen Basketballsport erleichtert.

Wie hältst du dich in deiner Freizeit fit?

Ich versuche meine Zeit effizient zu nutzen. Daher bin ich von Teamsportarten weggekommen, wo man dann immer auf Andere angewiesen ist. Ich gehe Laufen und mache Krafttraining. Ich bin ein großer Fan von HIT Zirkeltraining.

Wenn du kein Physiotherapeut und Athletiktrainer wärst, wärst du…

Schwer zu sagen, da auch die Entscheidung zur Physio-Ausbildung damals sehr spontan kam. Ich habe während der Schulzeit mehrere Praktika bei der Tageszeitung gemacht. Das Schreiben hat mich immer interessiert. Vielleicht wäre ich also bei der Zeitung gelandet.

Zu welchen Maßnahmen rätst du Basketballspielern, die Verletzungen prophylaktisch vorbeugen wollen?

Athletiktraining! Auch während einer anstrengenden Saison darf das Trainieren von Kraft und Ausdauer mit allen darunter fallenden Komponenten nie fehlen. Ich spreche nicht von leichtem, erhaltendem Training. Es muss anstrengend sein. Selbst während der Saison können Kraftwerte gesteigert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Michelle Dian.

 

Lukas Lai

Lukas Lai ist ​B. Sc. und arbeitet seit 2009  als Physiotherapeut. Er ist seit 2011 als PT und Athletiktrainer der Gießen46ers (easyCredit BBL) und beim Deutschen Basketball Bund (U15–U18) tätig und bildete sich in  MT, Sportphysiotherapie und Athletiktraining weiter. 2015 eröffnete Lukas eine eigene Praxis in Gießen. Seine Schwerpunkte sind orthopädisch-traumatologische Erkrankungen, Athletiktraining sowie Personal Training. 2020 veröffentlichte er im Richard Pflaum Verlag „Basketball Performance Training. Athletiktraining und Rehabilitation für leistungsorientierte Basketballer”, das sich ebenfalls mit dem Thema Athletiktraining und Reha im Basketball beschäftigt.

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