DGP – Eine Studie untersuchte, ob eine Ernährung mit einer speziellen Zusammensetzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren einen Beitrag zur Stimmungsstabilisierung bei der Bipolaren Störung liefern kann. Im Vergleich zu einer parallel untersuchten Kontrollgruppe mit Standardernährung reduzierte sich die Variabilität in Stimmung und Reizbarkeit in der Testgruppe, die über 12 Wochen eine höhere Konzentration an 3-fach ungesättigten Fettsäuren und reduzierte Mengen an 6-fach ungesättigter Fettsäuren einnahmen als üblich. Das ergänzende Therapiekonzept soll nun weiter untersucht werden.

Nahrungsergänzungen und spezielle Ernährungsansätze werden bei affektiven Störungen wie der Depression oder der Bipolaren Störung immer wieder und kontrovers diskutiert. Eine Studie untersuchte nun, ob eine Ernährung mit einer speziellen Zusammensetzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren einen Beitrag zur Stimmungsstabilisierung bei der Bipolaren Störung liefern kann. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren kann man besonders aus pflanzlicher Nahrung wie Leinsamen aufnehmen, kennt sie aber auch beispielsweise aus Fisch. Besonders bekannt sind die Omega-3-Fettsäuren. Bei diesen sogenannten n-3-Fettsäuren zeigt die 3 im Namen die Position einer chemischen Bindung im Molekül an. n-3-Fettsäuren gelten als gesundheitlich besonders vorteilhaft (siehe FAQ zur Fettleitlinie der DGE), bislang besonders mit Blick auf die Herzgesundheit. Omega-3-Fettsäuren wurden jedoch auch bei der unipolaren oder bipolaren Depression untersucht. Das Mengenverhältnis zwischen n-3-Fettsäuren und n-6-Fettsäuren scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Kontrollierte Ernährung als ergänzende Behandlung gegen Stimmungsschwankungen?

In dieser randomisiert kontrollierten Studie mit einer parallel untersuchten Kontrollgruppe mit Standardernährung erhielten die Teilnehmer über 12 Wochen eine kontrollierte Ernährung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren und begleitender Ernährungsberatung. Die Ernährung enthielt hohe Mengen von mehrfach-ungesättigten n-3-Fettsäuren plus geringe Mengen von n-6-Fettsäuren (H3-L6) in der Testgruppe, in der Kontrollgruppe dagegen die in den USA üblichen Konzentrationen der jeweiligen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (höhere Menge an n-6-Fettsäuren). Die Teilnehmer hatten alle eine Diagnose der Bipolaren Störung (Typ 1 oder 2) mit hypomanischen oder depressiven Symptomen.

Die Variabilität von Stimmungssymptomen wurde zweimal täglich ermittelt. Aus diesen Momentaufnahmen im normalen Alltag wurde in Analysen (ecological momentary analysis, EMA) nach 12 Wochen ermittelt, wie stabil oder variabel sich die Stimmung der Patienten verhielt. Dabei wurden Stimmung, Energie, Reizbarkeit und Schmerzen bestimmt, um eventuelle Unterschiede zwischen den Gruppen zu erfassen. Die Nachbeobachtung mit Hilfe dieser Variabilitäts-Analyse erfolgte über bis zu 48 Wochen. Zudem wurde der Blutgehalt an n-3- und n-6-Fettsäuren zu Beginn der Studie sowie nach 4, 8 und 12 Wochen der kontrollierten Ernährungsphase gemessen.

Parallele Gruppen mit normaler Nahrung versus spezieller Fettsäure-Kombination

82 Patienten wurden randomisiert und untersucht. 70 Teilnehmer führten mindestens zwei EMA-Befragungen durch und wurden abschließend analysiert. Die Ernährungsweise wirkte sich mit der Zeit messbar auf die Fettsäure-Konzentrationen im Blut aus. Die EMA-Tests zeigten eine geringere Variabilität in Stimmung, Energie, Reizbarkeit und Schmerzen in der Gruppe mit der speziellen Ernährung (H3-L6) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Allerdings wurden keine signifikanten Unterschiede in durchschnittlichen Stimmungssymptomen oder anderen Symptomen festgestellt.

Geringere Variabilität in Stimmung, Energie, Reizbarkeit und Schmerzen mit Spezialnahrung

Eine Ernährungsintervention als Ergänzung zur üblichen Behandlung könnte demnach die Stimmungsvariabilität bei der Bipolaren Störung beeinflussen und sollte weiter untersucht werden.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal (Originalstudie)

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