Wenn man jeden Monat wieder diese unangenehmen Unterleibskrämpfe bekommt, man nur noch mit der Wärmflasche im Bett liegt, blutet und Stimmungsschwankungen hat, dann fragt man sich: „Warum nur?“

[md] In ihrem Buch „Adé, goldener Pillenkäfig!“ geht die Autorin und ehemalige Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivmedizin Annika Werpup auf die Themen Zyklus, die evolutionären Ursachen der Monatsblutung sowie die Konsequenzen des künstlichen Eingriffs durch die Pille ein. Zudem gibt sie Tipps und Ratschläge, wie sich Frauen mit der Umstellung besser fühlen können, wenn sie die Konsequenzen der Pille am eigenen Leib zu spüren bekommen haben.

Wann hast du dich dafür entschieden die Pille abzusetzen und wieso?

Ich habe die Pille Ende 2017 abgesetzt. Es gab keinen bestimmten Grund dafür, aber von einem auf den anderen Tag wollte ich plötzlich keine künstlichen Hormone mehr zu mir nehmen. Schwer gefallen ist es mir nicht, jedoch hatte ich große Sorgen was nun mit meinem Zyklus und meinem Hautbild passiert. Ich hatte das Gefühl, dass es nirgends Infos darüber gibt wie man seinen Körper unterstützen kann.

Wie muss ich mich auf das Absetzen der Pille vorbereiten?

Wenn man sich dazu entscheidet die Pille abzusetzen, aber den Blister noch zu Ende nehmen möchte, kann man währenddessen schon anfangen seine Ernährung anzupassen und den Körper vereinzelt mit Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen. Wer die Pille von heute auf morgen nicht mehr nehmen möchte, kann auch recht spontan anfangen seinen Körper zu unterstützen. Je eher man damit anfängt, desto besser. Es ist allerdings kein „Muss“ dem Körper eine längere Vorlaufzeit zu geben.

Richard Pflaum Verlag GmbH & Co. KG

Welche Rolle spielt die Ernährung beim Absetzen der Pille?

Eine sehr große, welche oft einfach maßlos unterschätzt wird. Vor allem der Konsum von zu viel Zucker spielt eine große Rolle. Und damit ist nicht nur der „böse“ weiße Haushaltszucker gemeint. Auch Smoothies oder vermeintlich gesunde Müsliriegel stecken voller Zucker. Bei hohem Konsum werden die Zellen auf Dauer weniger empfindlich für das Hormon Insulin. Es kann dadurch zu einer Insulinresistenz kommen.

Durch das Essen einer Mahlzeit wird u.a. Zucker im Darm aufgenommen. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel. Die Bauchspeicheldrüse misst diesen Anstieg und stellt die richtige Menge des Hormons Insulin bereit, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Wenn über einen langen Zeitraum viel Zucker konsumiert wird, werden die Rezeptoren der Zellen auf Dauer weniger empfindlich für das Insulin. Dadurch wird weniger Zucker in die Zelle aufgenommen und vermehrt Zucker bleibt im Blut. Allerdings nehmen wir ja weiterhin Nahrung zu uns, was wieder dazu führt das Insulin ausgeschüttet wird, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Irgendwann kommt es dann zu einer Überproduktion von Insulin. Diese chronisch hohen Insulinspiegel führen irgendwann zu einer negativen Kaskade von Entzündungen, Übergewicht bis hin zu Erkrankungen wie dem PCOS (polycystic ovary syndrome).

Welche anderen hormonfreien Verhütungsmittel gibt es?

Ich habe das Gefühl, dass das klassische Kondom aus der Mode gekommen ist. Es schützt nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch noch vor Geschlechtskrankheiten. Jedoch kann ich auch nachvollziehen, dass Paare eine andere Alternative suchen. Mittlerweile gibt es immer mehr Ärzte die neben der Kupferspirale auch die Kupferkette, als auch den Kupferball einsetzen. Die Abgabe des Kupfers reduziert die Beweglichkeit und Lebensdauer der Spermien so stark, dass sie die weibliche Eizelle nicht mehr befruchten können.

Immer mehr Frauen in einer Partnerschaft nutzen auch die natürliche Familienplanung (NFP) als bevorzugte Verhütungsmethode. Hier wird jeden Morgen die Basaltemperatur (niedrigste Temperatur des Tages) gemessen. Um den Eisprung herum steigt diese an. Neben der Temperatur wird auch die Veränderung des Zervixschleims dokumentiert, sowie die Beschaffenheit des Muttermundes. Bei dieser Methode lernt man seinen Körper und den weiblichen Zyklus besonders gut kennen. Allerdings muss hier in der fruchtbaren Phase auf Sex verzichtet werden, oder man greift zum Kondom.

Wieso bezeichnest du die Pille als hormonelles Make-up?

Als ich selbst noch die Pille genommen habe, hatte ich ein wunderschönes Hautbild. Nach dem Absetzen kamen vereinzelt Pickel und Unreinheiten und auch heute bin ich um die Periode herum nicht ganz davon befreit. Die Pille lässt Pickel und starke, schmerzhafte Regelblutungen nicht auf mysteriöse Weise verschwinden. Mit Einnahme der künstlichen Hormone werden alle Symptome „von innen“ abgedeckt. Erst nach dem Absetzen können unreine Haut und eventuelle hormonelle Störungen zum Vorschein kommen. Sie deckt also nur so lange ab, wie man sie einnimmt. Wenn man abends das Makeup entfernt, kommt die eventuell unreine Haut auch wieder zum Vorschein.

Du hast vor einigen Jahren deinen Besitz verkauft und dich auf Weltreise begeben. Wie kamst du zu diesem Entschluss und welche Erfahrungen hast du auf deiner Reise gesammelt?

Ich muss zugeben, dass ich diesen Schritt ohne meinen Freund Gerrit Keferstein wahrscheinlich nie gemacht hätte. Ich bin eher der sicherheitsliebende Mensch. Aber irgendwie wollte ich aus dieser Rolle ausbrechen und sehen, ob wirklich etwas Schlimmes passiert, wenn ich Dinge außerhalb der „Norm“ mache. Es war bis jetzt die beste Erfahrung meines Lebens. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass ich immer wieder zurückkommen und arbeiten kann, wenn das Geld nicht mehr reichen sollte, oder auch dass man wirklich nicht viel braucht und einfach viel zu viel unnötigen Kram kauft.  Und dass es keinen Grund gibt Angst vor neuen Dingen zu haben.

Im Grunde habe ich erst einen Zeh, und dann einen ganzen Fuß in das Chaos getunkt. Und wo ich nun fast mit meinem gesamten Körper in der Ordnung, aber mit diesem einen Fuß im Chaos stehe, traue ich mich einfach mehr. Ich probiere neue Dinge aus und wenn sie nicht funktionieren, oder mir nicht gefallen, dann höre ich eben wieder damit auf. Besonders vermisst habe ich irgendwann Familie und Freunde. Wenn man immer wieder an anderen Orten ist und sich keine neue Basis aufbaut, fällt es umso mehr auf, wie sehr Freunde und Familie fehlen. Ein Telefonat ist eine gute Alternative, aber ersetzt niemals das persönliche Gespräch.

Welchen Sport treibst du und welche Rolle spielt er für dich?

Sport hat in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Vor der Reise war ich sehr aktiv im Kickboxen. Während unserer gesamten Reise habe ich in fast jedem Land trainiert, was unheimlichen Spaß gemacht hat. Da wir nun etwas entfernt von Köln wohnen, hält mich die Bequemlichkeit aktuell davon ab, mein altes Kickbox-Gym regelmäßig zu besuchen. Ich versuche mich zu Hause mit Übungen, die lediglich mit dem eigenen Körpergewicht ausgeführt werden, fit zu halten.

Wen spricht dein Buch „Adé, goldener Pillenkäfig“ in erster Linie an?

Frauen, die sich von der Pille und den künstlichen Hormonen verabschieden möchten. Das Alter spielt dabei eine weniger große Rolle, da junge Mädchen mit 16 auch Probleme mit der Pille haben können und diese gern wieder absetzen möchten.

Wichtig ist es jedoch, dass die Frauen aktiv etwas für ihren Körper tun möchten. Man kann nicht erwarten eine andere Pille zu schlucken, um die Nachwirkungen der Antibabypille auszugleichen. Da gehört schon etwas mehr Eigeninitiative dazu.

Was sind deine nächsten Ziele?

Ich habe immer viel über Ernährung gelesen und habe mich nun dazu entschieden eine Weiterbildung als ganzheitliche Ernährungsberaterin zu beginnen. Zudem haben wir im Frühling 2020 ein Institut für Regenerationsmedizin in Hennef eröffnet. Dieses Projekt gibt es so noch nicht und wird sicherlich noch viele Überraschungen für uns bereithalten.

 

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview führte Michelle Dian.

Annika Werpup

​Annika Werpup hat die letzten Jahre als Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivmedizin in einem großen Klinikum gearbeitet. Sie interessiert sich für den menschlichen Körper und welche Möglichkeiten die Ernährung, aber auch das seelische Wohl bieten, um unseren einzigen Körper bestmöglich zu unterstützen. Im Jahr 2012 entdeckte sie das Kickboxen für sich und investierte viel Zeit, Leidenschaft und Energie in diesen Sport. Dafür wurde sie im Jahr 2015 mit einem Weltmeistertitel im Kickboxen belohnt.

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