Muskelverletzungen der Hamstrings sind im Profi- wie im Breitensport ein häufiger Grund für lange Verletzungsausfälle. Gerade in Sportarten, die auf schnellen Lauf-, Sprung- und Schrittbewegungen mit kurzen Bodenkontaktzeiten oder hohen Schnellkräften basieren, ist die Hamstring-Muskulatur besonders in Gefahr.

Überlastung der ischiocruralen Muskulatur

(fm) Zum sogenannten Hamstring gehören die drei auf der Rückseite des Oberschenkels für Hüftstreckung und Kniebeugung zuständigen Muskeln M. biceps femoris, M. semitendinosus und M. semimembranosus. Diese Muskelgruppe kann sich nicht nur durch langfristige Überbeanspruchung degenerativ verändern, sondern ist durch starke, plötzliche Zugkräfte auch Ort zahlreicher akuttraumatischer Läsionen (HSI = hamstring strain injury), wie Zerrungen und Muskelrisse.

Review: Hamstring-Muskulatur im Fokus

In einem Review des British Journal of Sports Medicine nahmen die die Autoren des Review-Updates nahmen 78 Übersichtsarbeiten und prospektive Studien unter die Lupe. Im Betrachtungszeitraum zwischen 2011 und 2018 wurden darin 8319 Fälle von HSI erfasst, darunter 967 Rezidive. Die Teilnehmenden waren überwiegend männlich, 16 bis 37 Jahre alt und betrieben zumeist Football, Australian Football und Leichtathletik auf Leistungsniveau. Inkludiert wurden  ausschließlich spezifische Hamstring-Verletzungen; keine Berücksichtigung fanden unspezifische Oberschenkelverletzungen, Tendinopathien, kniesehnennahe Avulsionen und Prellungs- oder quetschungsbedingte Pathologien. Unterschieden wurde außerdem nach erstmaligen (Index-) und wiederholten HSI. Aus einer Vorauswahl von 21 potenziell relevanten Risikofaktoren für Hamstring-Verletzungen kristallisierten sich einige heraus, die man in nicht veränderbare und modifizierbare Faktoren einteilen kann.

Nicht veränderbare und modifizierbare Risikofaktoren

Zu den nicht veränderbaren Risikofaktoren gehören das Alter, individuell physische Faktoren sowie frühere Verletzungen. Zu den modifizierbaren (beeinflußbaren) Risikofaktoren gehören die Kraftfähigkeiten, die Beweglichkeit und Bewegungsumfang, die Belastung und motorische Steuerung, das Laufverhalten, Spielverhalten und Spielerposition, die kritische Phase der Rückkehr zum Sport (Widerverletzungsgefahr) nach Verletzungen der Hamstrings und Umweltfaktoren.

Quelle: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin(Originalstudie: British Journal of Sports Medicine)

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