Verschiedene Verbände und Interessengruppen der deutschen Fitness- und Gesundheitsbranche verschicken aktuell einen Appel an Gesundheitspolitiker und Ministerpräsidenten. In einem gemeinsam verfassten Brief mit dem Titel „Fitnessstudios unverschuldet in Not – über 11 Millionen Menschen leiden!“ fordern sie ein Umdenken der Politik.

Untersuchung des DSSV

Im Zeitraum vom 05.11.2020 bis 12.11.2020 nahmen 1.344 Fitness- und Gesundheitsbetriebe an einer Umfrage des DSSV zur Mitgliederentwicklung 2020 im Vergleich zu 2019 teil.

Lt. einer jährlichen repräsentativen Untersuchung zum deutschen Fitnessmarkt, die vom DSSV mit Unterstützung von Deloitte und der deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement unterstützt wird, waren zum 31.12.2019 11,66 Millionen Menschen in 9.669 Fitness- und Gesundheitsanlagen aktiv.

Rückgang der Mitgliederzahlen um 15,7 Prozent

Der erste und zweite Lockdown in 2020 jedoch führte bis dato zu einem erheblichen Mitgliederrückgang, und das trotz einer generell hohen Loyalität der Mitglieder. Zu den 15,7 Prozent reduzierter Mitgliederzahlen kommen noch circa 5 Prozent stillgelegter Mitgliedschaften hinzu (circa 600.000 Mitglieder), die erst nach Beendigung der Pandemie(maßnahmen) wieder aktiv werden, oder nicht.

Umsatzrückgang 2020 von 865 Millionen Euro

Dieser Mitgliederrückgang von 1,83 Millionen Mitgliedern bedeutet einen Umsatzrückgang von 865 Millionen Euro. Wenn die fünf Prozent stillgelegter Mitgliedschaften hinzukämen, wäre das sogar ein Umsatzrückgang von 1,14 Milliarden Euro (!).

Das sind die aktuellen Zahlen. Und weiter Maßnahmen sind nicht vorhersehbar, aber wahrscheinlich, was zu weiteren Umsatzeinbußen führen und für viele Fitnessbetriebe eine existenzielle Notlage bedeuten kann. Gerade, wenn man berücksichtigt, dass im Januar und Februar allein über 20 Prozent der jährlichen Neumitglieder geschrieben werden.

Es sind 217.400 Arbeitsplätze betroffen

Trotz Kurzarbeit, die bisher verhinderte, dass Unternehmen ihr Personal entlassen mussten, sind wirtschaftlich bedingte Kündigungen mittel- und langfristig zu erwarten.

Hygieneregeln greifen

Letztendlich hätten Schließungen in das Jahr 2021 hinein nicht nur wirtschaftlich weitere, enorme Auswirkungen. Leidtragende sind gerade auch die, die durch ihr Training im Fitnessstudio ihr Immunsystem trainieren müssen und wollen, ihre postrehabilitatives oder präventives Training durchführen sollen sowie einen Alltagsausgleich und/oder soziale Kontakte suchen. Dass das Fitnessstudio ein Ort niedrigen Covid-19-Risikos ist, hat die SafeACTIVE-Studie des europäischen Bundesverbandes EuropeActive ergeben. Demnach lag die durchschnittliche Infektionsrate bei lediglich 0,78 Menschen pro 100.000 Studiobesuchen (!).

(fm) Es ist an der Zeit, dass die Politik umdenkt, und zudem in der Folge ihre Gesundheitsphilosophie und -politik massiv überdenkt und ändert.

Quelle: DSSV

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