Online-Fitnesskurse boomen, nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil immer mehr Menschen die Möglichkeit jederzeit und überall trainieren zu können unheimlich ansprechend finden. Aber kann ein Online-Training mit der persönlichen Betreuung im Fitnessstudio mithalten?

[jr] Wir haben uns die Testung mal etwas genauer angeschaut und möchten euch hier einen kleinen Überblick geben.

Im Rahmen der Untersuchung analysierten vier Sportwissenschaftler und zwei Ernährungswissenschaftlerinnen im Auftrag von Stiftung Warentest fünf Anbieter von Online-Fitnessstudios und sahen sich drei deutschsprachige Fitnesskanäle auf YouTube genauer an. Fokus hierbei legten sie vor allem auf die Fragen, ob die Kurse sinnvoll aufgebaut sind, ob individuelle Trainingspläne für die User erstellt werden und, ob die Mitglieder betreut werden.
Unterstützt wurden die Wissenschaftler von neun Laien, die bei jedem Studio und YouTube-Kanal ihren Lieblingskurs ausprobierten. Zudem beurteilten sie die Userfreundlichkeit der Webseiten und Apps. Die YouTube-Kanäle prüften die Sportwissenschaftler nur hinsichtlich der Kursinhalte, da meist kaum weitere Funktionen geboten werden. Auch die Ernährungsberatung wurde kritisch unter die Lupe genommen und das Kleingedruckte der Vetragsbedingungen überprüft.

Nur zwei von fünf bieten Alternative oder Ergänzung

Es zeigten sich große Qualitätsunterschiede. Die getesteten Online-Fitness-Plattformen waren: Gymondo, Fitnessraum, Bodyshape, Pur-life und My Fitness-Video. Von diesen fünf getesteten Studios erhielten nur Gymondo und Fitnessraum das Qualitätsurteil  gut. Gymondo geht am besten individuell auf seine Kunden ein. Die Plattformen laufen über eine Webseite. Vier Anbieter bieten eine App, Gymondo und Fitnessraum auch über Smart-TVs. Wie im echten Leben schließen hier Kunden auch Abos ab. Die Preise und Laufzeiten unterscheiden sich stark voneinander. Die Kunden können zum Beispiel bei My Fitness Video einen günstigen Ein-Monats-Vertrag für 15 Euro abschließen. Bei Fitnessraum sind es 17 Euro. Bodyshape dagegen berechnet für den sechsmonatigen Vollzugang 179 Euro. Positiv: unfaire Ausstiegsklauseln entdeckten die Tester bei keinem der Anbieter.

Auf gesundheitliche Risiken wird nicht hingewiesen

Die Anmeldung bei allen Plattformen erfolgt zügig und ohne Probleme. Jedoch wird von einem guten Studio eine Beratung hinsichtlich der individuellen Voraussetzungen und Trainingsziele erwartet, was vor allem für Neulinge essenziell ist. Alter, Geschlecht und Gewicht werden zwar abgefragt, aber das beeinflusst die Auswahl geeigneter Kurse eher kaum. Vier der Anbieter versagen in diesem Bereich. Lediglich Gymondo kann punkten. Das Portal bietet einen Test mit dem Kunden ihr persönliches Fitnesslevel herausfinden können – ähnlich der Anfangsberatung in einem Vor-Ort-Studio. Trotz allem ein Manko ist die Tatsache, dass alle Anbieter Menschen mit Vorerkrankungen kaum auf gesundheitliche Risiken hinweisen und nicht nach bestehenden Beschwerden fragen. „Wer sich unsicher ist, ob und wie er oder sie belasten darf, sollte zunächst einen Arzt konsultieren“, empfiehlt Professor Theodor Stemper, Sportwissenschaftler der Universität Wuppertal, laut Stiftung Warentest.

Kursqualität und Motivation

Die Sportwissenschaftler beurteilten die Kursqualität hinsichtlich Kraft, Ausdauer, Entspannung und Beweglichkeit. Sie testeten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und beurteilten, ob die Übungen zum gewählten Level passten. Zudem beurteilten sie, ob die Trainer die Übungen verständlich darstellten, damit das Verletzungsrisiko möglichst gering gehalten wird. Meist kamen Laien und Wissenschaftler zu demselben Schluss: vor allem bei Gymondo und Fitnessraum gibt es aufwendige Videos mit sinnvollen und gut verständlichen Trainings. Teils leiten mehrere Trainer einen Kurs und können so auf die unterschiedlichen Fitnesslevel der Teilnehmer eingehen. Bei der Motivation hapert es bei allen Anbietern. Zwar bietet Gymondo einen Fitnesstest an, mit dem sich der Leistungsfortschritt überprüfen lässt und bei Pur-life steht den Nutzern ein direkter Chat zur Verfügung, das kann jedoch auf keinen Fall die regelmäßige Kontrolle der Leistungsentwicklung durch Trainer in guten Vor-Ort-Studios ersetzen.

Ernährungsberatung

Auch in diesem Bereich zeigen drei der fünf Anbieter erhebliche Schwächen oder lassen diesen Bereich ganz weg. Nur Gymondo und Bodyshape liefern fundierte Informationen, geben Rezeptideen und schlagen Essenspläne vor.

Kostenlose Fitnesskanäle auf YouTube

Die getesteten YouTube-Kanäle, Happy and Fit Fitness, Gabi Fastner und Paulina Wallner sind laut den Testern in Ordnung, wenn man wenig Wert auf Hilfestellungen und Betreuung legt. Vorteil hier: sie sind kostenlos. Aber individuelle Trainingsbegleitung kann man hier nicht finden. Mit Happy and Fit Fitness und Gabi Fastner kann man schon etwas für die Fitness tun, aber auch hier fehlen oft Risikohinweise.

 

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Quelle: Stiftung Warentest