Am 08. Juni eröffnen die Fitnessstudios nun auch endlich wieder in Bayern. Wie bereitet man sich als Studio darauf vor, welche Vorgaben sollten eingehalten werden und wie haben Trainer die Zeit während dem Lockdown genutzt? Wir haben darüber mit Lou Kupferschmid, Trainerleitung des EXCO in Gilching, gesprochen.

Die Eröffnung des Studios in dem Lou arbeitet, fiel genau in die Zeit der Zwangsschließung. Das war natürlich alles andere als geplant. Die so entstandene Zeit konnten die Inhaber jedoch nutzen, um ein gut durchdachtes Hygiene-Konzept auszuarbeiten und zu implementieren.

Lou, wie hast du die Zeit während der Schließung für dich persönlich genutzt?

Ich war natürlich trotzdem viel in meiner Arbeit trotz Kurzarbeit. Bei mir gibt es nur ganz oder gar nicht und das Projekt des Studios ist mir sehr wichtig. Ich habe die Zeit aktiv genutzt, um mich weiterzubilden in Neuroathletik & -therapie, habe viel gegessen und auch viel trainiert, da ich das große Glück habe, ein komplettes Homegym zu besitzen. Und ich habe natürlich viel Zeit mit meiner Familie verbracht.

Am 08. Juni dürfen endlich wieder die Studios eröffnen, seid ihr bereit dafür?

JA!

Erwartet ihr nächsten Montag einen großen Ansturm?

Da wir das Studio jetzt erst neu aufmachen (Start wäre eigentlich am 01.04. gewesen) können wir das sehr gut koordinieren. Aber ja, wir haben dann gut zu tun (lacht).

Wie haben sich eure Kunden während der Zwangsschließung verhalten? Gab es viele Nachfragen? Wie war die Stimmung?

Wir haben im Vorverkauf schon einige von uns überzeugen können. Alle waren sehr verständnisvoll und haben uns sogar sehr nette Mails geschrieben und uns Mut zugesprochen. Die Stimmung war durchweg positiv und eher „Wir wollen endlich starten dürfen!“. Somit hatten wir immer einen netten Austausch per Telefon, Mail oder Social Media.

Habt ihr während der Krise ein Online-Angebot aufgestellt oder ein bereits vorhandenes erweitert?

Wir haben unser Studio nur weiterhin über alle Kanäle beworben. Ein eigenes Online-Angebot gab es nicht. Als es erlaubt war, haben wir Kleingruppen-Trainings und Workshops auf unserer Dachterrasse angeboten. Natürlich unter allen gegebenen Auflagen.

Müssen sich eure Kunden ab jetzt voranmelden?

Aktuell nein. Allerdings wird jeder Kunde beim Check-In erfasst und per App kann so jeder Kunde sehen, wie viele Leute gerade im Studio sind. Sollten wir doch schneller ausgelastet sein, dann wird man sich in Zukunft  wohl für bestimmte Zeitfenster anmelden müssen.

Wie viele Menschen dürfen bei euch gleichzeitig trainieren?

Auf unsere Größe dürften etwa 30-35 Kunden und 2 Trainer gleichzeitig in der Anlage sein. Wenn jeder Kunde 1,5 Meter Abstand zum nächsten braucht (in alle Richtungen), dann wären das 9m², aufgerundet also 10m² und wir haben das dann noch verdoppelt auf 20m² pro Kunde.

Ist ein Mundschutz innerhalb der Räumlichkeiten für eure Kunden und/oder Trainer Pflicht?

Ja. Aber dies gilt nicht für das Training an sich. Während der Übungen darf man den Mundschutz abnehmen. Der Trainer kann in seinem Büro, an seinem Schreibtisch oder auf der Dachterrasse seinen Mundschutz abnehmen.

So wie ich das verstanden habe, gibt es keine konkreten Vorgaben was spezielle Maßnahmen angeht. Wie sieht euer individuelles Hygienekonzept aus?

Es gibt schon klare Regeln und Vorgaben, an die wir uns halten müssen. Durch unser Konzept und den Start als neues Studio, fallen uns diese aber nicht schwer. Der eigentlich wichtigste Punkt für alle Studios wird das Thema Belüftung sein. Man weiß heute, die stehende Luft ist ein großes Risiko!
Wir haben in jedem Raum Fenster, die geöffnet bleiben und eine wirklich sehr gute Lüftung. Diese zieht über einen Kanal die „verbrauchte“ Luft ab und durch einen gesonderten Kanal bläst sie Frischluft herein. Es findet also ein Austausch und keine Umwälzung statt.
Des Weiteren gibt es überall Desinfektionsspender & Tücher. Wir reinigen zusätzlich die Geräte regelmäßig. Mithilfe von Abstandsmarkierungen am Boden wissen unsere Kunden genau wo sie sich sicher aufhalten können. Über die App können sie jederzeit checken, wie viele Trainierende sich gerade im Studio befinden. Dazu kommt das Tragen des Mundschutzes.
Kardiotraining wird jetzt am Anfang noch nicht stattfinden, da man hier natürlich mehr schwitzt und mehr atmet.
Die Mitarbeiter wurden dementsprechend geschult und unser Hygienekonzept wurde zur Prüfung vorgelegt und ist für jedermann auf der Homepage und im Studio einsehbar. Am Ende gibt es dann noch diverse Aushänge für die Kunden mit Verhaltensregeln. Personen mit bestimmten Erkrankungen, müssen dem Studio fernbleiben.

Dürfen die Kunden die Umkleide bzw. Duschen nutzen? Und wenn ja, wie?

Man darf seine Wertsachen im Schließfach verstauen, aber der Kunde kommt schon umgezogen ins Studio. Duschen dürfen auch noch nicht benutzt werden. (Stand 02.06.2020 / Bayern)

Werden bestimmte Stationen gesperrt?

Aktuell nur der Kardiobereich, da hier einfach mehr geschwitzt und geschnauft wird.

Finden Kurse statt und wenn ja, wie? Unter welchen Bedingungen?

Wir bieten bei schönem Wetter Kurse und Workshops auf unserer Dachterrasse an. Die Kunden und Interessenten müssen sich anmelden und durch unsere Anordnung der Matten können wir die Abstände ganz easy einhalten.

Auf was freust du dich persönlich am meisten bei der Wiedereröffnung?

Endlich wieder ganz aktiv mit Menschen arbeiten. Ich bin es eigentlich gewohnt, dass den ganzen Tag Leute zu mir kommen, meine Hilfe brauchen oder mich um einen Rat fragen. Am Ende ist es halt doch mehr Berufung als Beruf und das Gefühl, den Leuten wirklich helfen zu können ist einfach MEGA!

Dann drück ich beide Daumen für Montag und bedanke mich für das nette Gespräch. 

 

Ludwig ist 32 Jahre alt und hat vor über 10 Jahren seinen Beruf als Koch an den Nagel gehängt, um eine Ausbildung in der Fitnessbranche zu beginnen. Nach dem Sport- und Gesundheitstrainer folgte der Fachwirt und unzählige Fort- und Weiterbildungen. Aktuell macht er die Ausbildung zum Heilpraktiker und bildet sich im Bereich Bereich Neuroathletik und -therapie weiter. Er liebt das klassische Krafttraining und ist der Meinung, man kann nie zu stark sein. Aktuell arbeitet er im EXCO in Gilching als Trainerleitung, in einer Physiotherapiepraxis und ist zudem selbstständig als PT und Referent unterwegs.

 

Das Gespräch führte Dr. Julia Röder

 

Offizielle Informationen für euch: Hygieneverordnung Bayern, Übersicht des bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege

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