Auch die Basketball-Bundesliga soll fortgesetzt werden. Dabei wird jedoch ein anderer Kurs eingeschlagen, als es im Fußball der Fall ist. Ein Konzept für die Fortsetzung der Saison liegt vor. Eine Entscheidung der Politik müsste bis zum 18 Mai getroffen werden, damit die Saison regulär bis zum 30. Juni zu Ende gespielt werden kann. Nicht alle Basketballer sind jedoch begeistert, vor allem nicht darüber, dass sie zu wenig miteinbezogen wurden.

Ein ambitionierter Plan

[jr] Die Saison soll laut dem Konzept in München als Turnier zu Ende gespielt werden. Mit Gruppenphase und K.-o.-Phase. Unter Quarantäne soll im Juni das Final-Turnier über drei Wochen hinweg stattfinden. Dafür sollen bis zu 250 Teilnehmer in einem Hotel am Olympiapark untergebracht werden.
Nur zehn von 17 Teams wollen jedoch zu diesem Turnier antreten.

Bayerns Sportdirektor Pesic ist sich im Klaren darüber, dass das Konzept herausfordernd ist. Er glaubt jedoch fest an dessen Umsetzbarkeit. Das Konzept sei mit Liga, Virologen, Ärzten und Hygienikern erarbeitet worden – einige Punkte sind an den Hygieneplan der Deutschen Fußball Liga angelehnt. Dem Spiegel sagte er: „Natürlich ist das eine Ausnahmesituation. Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Aber wir versuchen, ein Umfeld zu schaffen, damit die Spieler wieder ihrem Beruf nachgehen können. Die Spieler werden isoliert, aber nicht eingeschlossen sein. Das wäre ja fast unmenschlich. Wir haben ein recht großes und exquisites Hotel ausgewählt, das auch Außenflächen für Spaziergänge hat.“

Meisterschafts-Modus

Damit die erforderlichen Abstände eingehalten werden können, gibt es bereits ein Konzept für die Halle selbst. Dies beinhaltet Laufwege und limitierte Anwesenheit. Damit jede Mannschaft auf mindestens sechs Spiele und die Finalisten am Ende auf zehn Spiele kommen, steht der Modus bereits fest. Es soll zwei Fünfer-Gruppen mit je vier Partien pro Team geben. Danach soll es mit Viertelfinals im Modus Hin- und Rückspiel weitergehen. Alles in allem sind es 36 Partien, welche über drei Wochen verteilt sind. Zwischen den Partien werden mindestens 24 Stunden Zeit garantiert, so Pesic. Die Belastung entspräche einer WM oder EM.

Gruppenbildung erfolgte nach Tabelle. Der Meister Bayern soll die Gruppe A anführen. Dieser Gruppe gehören auch Crailsheim, Oldenburg, Göttingen und Ulm an. Alba Berlin spielt in Gruppe B, zusammen mit Ludwigsburg, Vechta, Bamberg und Frankfurt.

Kritik an der Konzeptentwicklung

Noch vor Mittwoch hat der 2017 gegründete Verein „Athleten Deutschland“ ein Positionspapier zur „Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebes in Zeiten der Corona-Pandemie“ verschickt. Der Verein bildet eine Interessenvertretung hiesiger Kaderathleten und fordert unter anderem, dass die betroffenen Spieler bei den entsprechenden Konzepten ein Mitspracherecht erhalten. Geschäftsführer Johannes Herber, selbst ehemaliger Basketball-Profi und Nationalspieler zur SZ: „Die Basketballer sind schon bereit zu spielen, aber sie wollen informiert sein. Es gibt bei den Spielern viele Fragen, die offen sind.“

Zweifel der Spieler

Laut den Vereinen können es die Spieler kaum abwarten wieder auf den Platz zu dürfen. Einige Spieler jedoch haben öffentlich eine etwas andere Meinung kundgetan.

Der SZ sagte Nils Giffey, der Kapitän von Pokalsieger Alba Berlin: „Ich sehe das sehr kritisch. Es gibt ein ganz großes Verletzungspotential.“ „Ich bin auch hin- und hergerissen“, so Danilo Barthel, der Kapitän des deutschen Meisters Bayern München, in einem Podcast von Magentasport. „Ich hätte mir gewünscht, dass man auch die Stimmen der Spieler hört, was die vielleicht für Sorgen haben in dem ganzen Prozedere.“ Er beschreibt seinen aktuellen Fitnesszustand so: „Wenn jetzt ein Spiel wäre, müsste ich wahrscheinlich nach fünf Minuten einen Wechsel anzeigen und wüsste nicht, wie schnell ich mich erholen kann.“ Angesichts der knappen Vorbereitung sei das geplante Turnier „von der Belastung her ein Ausnahmezustand für alle Spieler“. Frankfurts Nationalspieler Akeem Vargas sagte der FAZ, er sei gespannt, „wie das Sicherheitskonzept ausschauen soll. Als Profisportler erachte ich es als schwierig, sich nach der Wettkampfpause in dieser kurzen Zeit auf ein Level zu bringen, mit dem man spielfähig ist.“

Bei einem vertretbaren Risiko hält es Pesic jedoch für eine Verpflichtung zu spielen. „Es gibt viele Gründe sich die Mühe zu machen. Einer ist: Es gibt auch eine nächste Saison. Und wir wissen noch nicht, wie es mit dem Virus weitergeht, wann überhaupt wieder Zuschauer kommen dürfen. Es ist ganz normal, dass die Spieler Fragen haben und sich Gedanken machen. Ich war auch Spieler. Aber sie erhalten jetzt natürlich Einsicht in das Konzept, das wird ihnen die Sorgen nehmen“, sagt er. „Für unseren Verein gesprochen kann ich sagen, dass unsere Spieler großes Vertrauen haben, weil sie wissen, dass wir niemals etwas mitmachen würden, was ihre Gesundheit riskiert.“

 

Jetzt ist es an der Politik zu entscheiden, ob das Konzept planmäßig durchgeführt werden kann.

 

 

 

 

Quellen: SZ, Spiegel Online

 

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