Die Branche muss einheitlich kommunizieren und lautstark auf ihre Relevanz hinweisen. Nur so kann man sich gegenüber der Politik behaupten.

[sh] In der von Marc Wisner (EGYM) moderierten Webinar-Videokonferenz sprachen die Experten Dr. Roy Kühne (MdB/ CDU), die Rechtsanwälte Dr. Geisler und Dr. Franke, sowie Mario Görlach (EGYM). Kernthemen waren die politische, gesellschaftliche und rechtliche Positionierung der Fitnessbranche.

Lobbyarbeit muss synchron sein

Der DIFG arbeitete in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Dr. Geisler, Dr. Franke & Kollegen ein Konzept für die Branche aus.  Die Ausarbeitung über Wochen hinweg hat nun der Abgeordnete Dr. Roy Kühne innerhalb des Bundestages an die zuständigen Ministerpräsidenten weitergegeben.

Am 29.04. wird das Thema Sport mit der Bundeskanzlerin besprochen. „Aktuell werden wir politisch als Freizeit eingestuft und nicht als Gesundheitsdienstleister“, sagte Dr. Hans Geisler. „Fakt ist, wir liegen bei den Entscheidern auf dem Tisch. Uns fehlt aber eine sinnvolle und strukturierte Kommunikation. Die Branchen, die das gemacht haben, sind weit vorn dabei.“ Es gibt nun ein vorgefertigtes Schreiben, das jedes Studio versenden kann und soll. Das Schreiben sollte weder gekürzt noch umformuliert werden, um die Sachlichkeit zu wahren. Das mehrseitige Schreiben kann bei kanzlei@kgfk.de angefordert werden.

RA Dr. Geisler, Dr. Franke & Kollegen

Zeige, was du bist

Dr. Roy Kühne fügte an, dass auch die praktische Demonstration der Möglichkeiten bei einem Training wichtig sei. Dazu müsse sich die Branche überlegen, was in den Studios möglich und nötig ist. Zum Beispiel Gerätetraining anzubieten und Kurse erst einmal außen vor zu lassen. Eine weitere Idee wäre im nächsten Schritt, dem Ministerpräsidenten der Region zu demonstrieren, wie Maßnahmen aussehen können, sagte der Bundestagsabgeordnete.

Mario Görlach appellierte an ein Zusammenrücken der Branche und verwies auf die Bedürfnispyramide nach Maslow. Diese beschreibt die Priorität von Bedürfnissen. Zuerst kommen die Grundbedürfnisse, welche gesicherten Zugang zu Nahrung, einen Schlafplatz u.ä. darstellen.  Sind diese Punkte gesichert, steigt man zur nächsten Stufe auf. Durch die aktuelle Situation befindet sich die Fitnessbranche auf der Stufe der Sicherheitsbedürfnisse.

Zudem mahnte Görlach, solle die Branche auf ein ordentliches Bild achten. Die Fitnessbranche sei mehr als Anabolika und Proletentum.

Bedürfnispyramide nach MaslowRichard Pflaum Verlag

Bedürfnispyramide nach Maslow

Zukünftige Position

Dr. Roy Kühne mahnte, dass man auch in Zukunft an der Branche arbeiten muss, damit diese ein anderes Branding bekommt. In Berlin solle man laut sein, um sich Gehör zu verschaffen. „Ich habe Fitness-Studios gefragt, ob sie schon mit ihren zuständig lokalen Abgeordneten gesprochen haben. Viele wussten nicht, wer das ist“. Dabei ist das ein wichtiger Ansprechpartner. Denn letzten Endes entscheiden die Länder – die Bundesregierung gibt lediglich Empfehlungen ab. Wichtig muss sein, dass herausgestellt wird, dass die Fitnessbranche präventiv agiert und ein großer volkswirtschaftlicher Faktor ist.

Ziele

1.       Aufmerksamkeit erzeugen.

2.       Zeitnahe Eröffnung von Fitnesseinrichtungen.

3.       Hilfen für die Aufbauzeiten nach Wiedereröffnung z.B. Kürzung/Stoppen der Laufzeitenregelung oder analog zur Gastronomie: Mehrwertsteuersenkungen.

Rechtliche Schritte

Neben der politischen Arbeit und der Sensibilisierung für den Gesundheitsaspekt ist es wichtig, auch rechtlich anzugreifen. Die Summe der Verfahren tragen dazu bei, dass die Politik auf die Branche aufmerksam wird, sagte Rechtsanwalt Christoph Franke. Er sprach auch über Personal Training: „Personal Training wird völlig unterschiedlich interpretiert.“ Als Beispiel nannte er das Bundesland Nordrhein-Westfalen. In NRW darf Personaltraining teilweise drinnen durchgeführt werden, z.B. in den Privaträumen – in einem Fitness-Studio ist es aber verboten.

Gutscheinregelung und Kündigung

„Über Dr. Roy Kühne habe ich mich an das Corona-Kabinett gewendet und mir wurde eine Gutscheinregelung für die Fitness-Studios zugesagt“,  informierte Dr. Hans Geisler. Er sei sich aber darüber bewusst, dass viele Kunden keine Gutscheine möchten. Mit einem Gesetz wäre dies allerdings durchsetzbar, indem man auf die gesetzliche Regelung verweist.

Ordentliche Kündigungen sind grundsätzlich möglich. Eine fristlose Kündigung wegen Corona ist nicht möglich. Bei ordentlichen Kündigungen sollte der Beendigungstermin nicht bestätigt werden, sondern nur die Kündigung. Denn ansonsten könnte es rückwirkend zu Unstimmigkeiten bei der Gutscheinregelung kommen.

 

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