Viele Trainer machen im Moment aus der Not eine Tugend, um wenigstens ein bisschen Service bieten zu können: Wenn die Kunden nicht ins Studio können, kommt das Studio eben zu den Kunden. Es verwundert deshalb nicht, dass aktuell Videoproduktionen aller Couleur wie die Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen. Denn schließlich gilt es ja, den drohenden Speck des üppigen Ostermahls schnellstmöglich und fachgerecht wieder loszuwerden. Rund um die Videoproduktion sollten jedoch unbedingt auch einige rechtliche Aspekte geklärt werden. Welche das sind, verrät Rechtsanwältin Julia Ruch im Gespräch.

[mk] Es könnte ein verfrühtes Sommermärchen sein. T-Shirt-Wetter, Sonne satt, Ostern steht vor der Tür. Doch der Schein trügt. Vor allem die Sport- und Fitnessbranche ächzt unter den neu erlassenen Beschränkungen, denn alle Studios müssen geschlossen bleiben. Das Zauberwort heißt „systemrelevant“. Wer sich nicht zu den Glücklichen zählen darf, muss erfinderisch sein und auf andere Wege zurückgreifen, um seine Kunden anzusprechen.

„Ich bin im Fernsehen!“

Bei der Frage, wer in einem Video zu sehen sein darf, ist das Persönlichkeitsrecht maßgeblich. Jeder darf frei entscheiden kann, ob und wie er sich in der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Daher benötigst du für die Produktion und die Veröffentlichung das Einverständnis jeder beteiligten Person. Am besten lässt du dir die Einwilligung schriftlich geben – für den Fall, dass es später zum Rechtsstreit kommt. Wer nicht einverstanden ist, muss unkenntlich gemacht werden. Am unkompliziertesten ist es jedoch, vorher genau Rücksprache mit allen Beteiligten zu halten.

Eine Ausnahme gilt bei Menschen, die zufällig im Video erscheinen, weil sie beispielsweise über die Wiese laufen, wo du gerade das Yoga-Video aufnimmst. Hier ist eine Einwilligung nicht erforderlich.

Vorsicht bei Livestreams

Hierunter versteht man Echtzeitübertragungen, zum Beispiel über soziale Medien. Grundsätzlich gelten hier zwar die gleichen rechtlichen Vorgaben wie für alle anderen dauerhaft im Internet abrufbaren Videos, dennoch gibt es einige wichtige Besonderheiten.

Da Livestreams in der Regel nur zu dem Zeitpunkt abgerufen werden können, zu dem sie übertragen werden, sind sie juristisch gesehen mit dem klassischen Fernsehen vergleichbar. Daher gelten hier zusätzliche Regelungen als für dauerhaft abrufbare Inhalte. Um zum Beispiel die freie Meinungsbildung zu gewährleisten, benötigt man zwingend eine Zulassung durch die Landesmedienanstalten in Form von Rundfunk- oder Sendelizenzen.

Solchen Lizenzen werden immer dann benötigt, wenn der Livestream potenziell mehr als 500 Personen gleichzeitig erreichen kann. Ob tatsächlich 500 und mehr Leute zuschauen, spielt keine Rolle. Daher erlauben bestimmte Server maximal 499 gleichzeitige Aufrufe. Die Lizenzpflicht entfällt übrigens, wenn die Landesmedienanstalt einem Antrag einer rundfunkrechtlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung stattgibt.

Erfolgt der Livestream in fremden Räumlichkeiten, muss erst die Erlaubnis vom Eigentümer bzw. Mieter eingeholt werden. Andernfalls können sie vom Hausrecht Gebrauch machen, was zur Folge haben kann, dass man auf Unterlassung verklagt wird und der Stream gelöscht werden muss.

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Urheberrecht

Auch auf Video-Plattformen gilt das Urheberrecht. Daher sollte man, um auf Nummer Sicher zu gehen, nur Videos hochladen, die man selbst gefilmt und aufgenommen hat.

Das Urheberrecht gilt selbstverständlich auch für eventuell verwendete Hintergrundmusik. Am besten erwirbt man für die Musiknutzung eine Lizenz, denn auch lizenzfreie Musik ist oftmals nicht für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Hier kommen wir gleich zum nächsten Knackpunkt: Auch wenn du im Video nicht direkt Werbung machst, reicht es für die Annahme einer kommerziellen Nutzung aus, wenn das Logo des Trainers oder des Studios erkennbar ist.

Manche Videoplattformen bieten einen Editor an, mit dessen Hilfe du Musik zur Tonspur hinzufügen kannst. Diese wird direkt von den Plattformen legal zur Verfügung gestellt. Alternativ gibt es verschiedene andere Plattformen, auf denen man Musikstücke mit den entsprechenden Lizenzen kaufen kann. Eine Lizenz kostet je nach Anbieter um die 65 Euro.

Versehentliche Plagiate?

Nehmen wir an, Trainer A macht ein Video zu Kniebeugen. Unabhängig davon macht auch Trainer B zum gleichen Thema einen Videoclip. Ist dies bereits eine Urheberrechtsverletzung?

Grundsätzlich schützt das Urheberrecht geistiges Eigentum, hierunter können zum Beispiel auch bestimmte Choreografien oder Bewegungsabläufe zählen. Kommt es zu Plagiatsvorwürfen, beschäftigen sich die Juristen meist mit der Frage, ob eine sogenannte „Kernbewegung“ existiert und ob die Bewegungsabfolge ähnlich einer Melodie ist, die dann dem Schutz des Urheberrechts unterliegt.

Gut zu wissen: Sobald die Abfolge der Bewegungen in ein eigenes Programm integriert wird, spricht man von einer Bearbeitung. Diese ist wiederum erlaubt ist, da dann zumeist ein neues Werk geschaffen wird.

Im engeren Sinne schützt das Urheberrecht vornehmlich geistiges Eigentum aus Literatur, Wissenschaft und Kunst. Daher ist die Gefahr einer Abmahnung und Schadensersatzforderungen bei Sportvideos nicht all zu hoch. Um jeglichen Streitigkeiten vorzubeugen, solltest du jedoch auf die 1:1 Übernahme von Übungsabfolgen von Influencern oder bekannten Persönlichkeiten verzichten.

Auf Nummer Sicher gehen

Unfälle passieren. Dies ist auch bei Fitnessübungen nicht ausgeschlossen – erst recht nicht, wenn die professionelle Anleitung aus der Ferne und nicht „live“ stattfindet. Mit einigen Tricks kannst du jedoch auch hier für zusätzliche rechtliche Sicherheit sorgen.

In der Regel beschränken viele Studios ihre Haftung auf Gründe wie Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit. Wenn sich deine Kunden verletzen, ist ein Haftungsausschluss jedoch unwirksam, obwohl dies oft versucht wird. Indem du jedoch alles unternimmst, um Verletzungsgefahr beim Ausführen der Übungen gering zu halten, kannst du dein Haftungsrisiko unabhängig davon reduzieren. Ein probates Mittel sind etwa entsprechende Hinweise im Video, die die Mitverantwortung des Teilnehmers steigern.

Richtet sich dein Video an Sportanfänger, solltest du die Zuschauer darauf hinweisen, auch zuhause auf geeignete Übungsbedingungen zu achten. Insbesondere ist der Hinweis auf eine rutschfeste Trainingsmatte und zum Beispiel gute Trainingsschuhe eine sinnvolle Idee. In Ratgebervideos muss der Hinweis erfolgen, dass die gezeigten Inhalte keinen Ersatz für eine persönliche medizinische oder psychologische Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt darstellen. Wichtig ist ebenfalls der Hinweis, dass es sich bei den Ratschlägen und Anleitungen nicht um Heilversprechen, sondern um die persönliche Meinung des Erstellers handelt und du deshalb keine Erfolgsgarantie geben kannst.

Bei Bewegungskursen wie Pilates oder Yoga solltest du darauf hinweisen, dass die Zuschauer neben dem Training zuhause Kursbesuche oder eine persönliche Beratungsstunde bei einem Trainer buchen sollten, sobald dies wieder möglich ist. Dies ist wichtig, um eventuelle Fehlhaltungen zu korrigieren, da sich ansonsten falsche Positionen verfestigen können, was langfristig zu Schmerzen führen kann.

 

Gesprächspartnerin

Julia Ruch ist Rechtsanwältin und aktive Triathletin. Sie hat eine eigene Kanzlei in Ulm, die sich auf Rechtsfragen im Sport- und Fitnessbereich spezialisiert hat.

 

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