Die Bundesregierung beratschlagt sich seit dem Nachmittag zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise. Auch Experten aus Sport und Fitness melden sich zu Wort, manche handeln sogar schon.

[sh] Die Bundesregierung beratschlagt seit dem Nachmittag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Die nächsten Schritte sehen vor, dass die Kontaktsperre vorerst bis zum 03. Mai 2020 erhalten bleiben soll. Auch das Verbot von Großveranstaltungen soll voraussichtlich bis zum 31. August verlängert werden. Betroffen sind unter anderem Sportevents wie Fußballspiele.

Bundesregierung

Präventive Maßnahmen

Voraussetzung für Lockerungsmaßnahmen sind stabile und kontrollierbare Infektionszahlen. Tendenziell gilt, dass Einrichtungen schrittweise wiedereröffnet werden, wenn generelle Präventionsregeln beachtet werden. Dies bedeutet zum Beispiel, dass eine strenge Hygiene eingehalten wird.

Unternehmen machen sich für eine Lockerung bereit

Die Forscher der Leopoldina Akademie der Wissenschaften befürworten im öffentlichen Raum, wo der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, eine Mundschutzpflicht.

Die Firma Flavura stellt eigentlich Snack- und Getränkeautomaten zur Verfügung. Nun nimmt das Unternehmen einen so genannten Maskomat ins Portfolio mit auf. Womöglich könnten sich dann nach Wiedereröffnung von Sporteinrichtungen Kunden bald neben Kaffee & Co eine Maske ziehen.

Für Fitness-Studios wird bereits an konkreten Lösungen gearbeitet. Die Firma Fiva produziert ab sofort Trennwände aus Holz oder auch Plexiglas. Aktuell wartet die Firma noch auf eine behördliche Genehmigung. Mit-Geschäftsführer Christoph Limberger sagt: „Sogar auf der Straße sieht man jetzt, dass viele Menschen Angst haben. Bei derartigen Maßnahmen geht es also darum, den Kunden Sicherheit, aber auch ein besseres Gefühl zu vermitteln. Nicht nur darum, was man tun muss.“

Schutzfaktor: Abstand

Während bei den alltäglichen Aktivitäten wie etwa Einkaufen oder Spazierengehen ein Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern gilt, reicht dieser Abstand bei Sportarten mit Beschleunigung scheinbar nicht aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande). Die Forscher untersuchten, inwiefern sich COVID-19-Erreger im Windschatten verhalten. „Wenn man läuft oder Rad fährt und dabei ausatmet, werden zahlreiche, nur Mikrometer große Tröpfchen ausgestoßen“, sagte der Leiter der Studie Bert Blocken gegenüber der Deutschen Welle.

 

Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Szenarien. Dazu ließen sie zwei Personen in unterschiedlichen Positionen gehen und rennen. Am gefährlichsten sei es hintereinander zu laufen, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Tröpfchen im Gesicht der hinteren Person landen, am höchsten sei.  Am ungefährlichsten sei es, sich im gleichen Tempo nebeneinander zu bewegen. Zudem empfehlen die Forscher beim Gehen einen Abstand von vier bis fünf Metern einzuhalten. Beim Joggen oder langsamen Radfahren sogar zehn Meter. Bei schnelleren Aktivitäten sogar mindestens 20 Meter.

European Health & Fitness Market Report 2020

Bei der heutigen Präsentation des European Health & Fitness Market Report 2020 war die Corona-Pandemie ebenfalls Thema. Die Experten Herman Rutgers (EuropeActive & FIBO- Europe Active President), David Stalker (CEO Myzone & EuropeActive Vorstandsmitglied), Karsten Hollasch (Deloitte) und Sylvia Frank (Event Director FIBO) präsentierten aktuellen Auswertungen aus dem europäischen Fitnessmarkt und kamen dann auch auf die aktuelle Situation zu sprechen. Ein wichtiges Statement kam von Hollasch: „Die Branche wird weiterhin ihre Relevanz behalten.“ Die Einschätzung zur Pandemiekrise beinhalte vier Kernpunkte

  • Die Branche wird nicht unbeschadet aus der Krise gehen. Einrichtungen, die schon vorher finanziell knapp aufgestellt waren, werden den finanziellen Engpass nicht überleben.
  • Businessmodelle werden sich ändern. So zum Beispiel werden Modelle wie etwa „pay as you go“ an Relevanz gewinnen.
  • Die Kunden werden mehr Bewusstsein für Hygiene und Fitness entwickeln.
  • Produkte und Services für zuhause werden wichtiger.

Laut Hollasch ist „Digitalisierung der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg“. Abgesehen von der aktuellen Lage, lieferte der Report erfreuliche Zahlen aus dem Jahr 2019. In Europa wurde ein Mitgliederwachstum von 3,1% verzeichnet. Eines der am stärksten wachsenden Länder ist Deutschland. Trends im europäischen Fitnessmarkt sind preisgünstige Fitnessanbieter, Functional Fitness und Gruppentrainings. Einen Abwärtstrend wurde bei Pilates, Frauenfitnessclubs und EMS-Trainings wahrgenommen. Hollasch wies darauf hin, dass diese Zahlen den Trend in ganz Europa aufzeigen und länderspezifisch variieren können.

 

 

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