DFL-Konzept für Geisterspiele überzeugt nicht und die Damen-EM wird auf 2022 verschoben.

[sh] Heute gab es einige Neuigkeiten für den Fußball. Das DFL-Konzept für Geisterspiele überzeugte nicht und die Damen-EM wird auf Juli 2022 verschoben.

Vorerst kein Fußball

Zu den Vorschlägen der DFL zur Fortführung der Bundesliga mit Geisterspielen erklärt Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik (Bündnis 90/Die Grünen): „Das heute von der DFL vorgestellte Konzept zur möglichen Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs mit Geisterspielen überzeugt noch nicht.“

Der Spielbetrieb ist nur mit engmaschigen Tests der Spieler denkbar. Diese Schnelltest- und Laborkapazitäten würden dann aber in systemrelevanten gesellschaftlichen Bereichen fehlen. Der Fußball nimmt für viele Menschen einen wichtigen Platz ein, systemrelevant ist er aber nicht. Das Konzept steht außerdem auf extrem wackeligen Beinen: Wenn ein Fußballer als infiziert erkannt wird und sein ganzes Team nach Entscheidung des zuständigen Gesundheitsamtes nach Maßgabe der RKI-Richtlinie in Quarantäne muss, spätestens dann müsste die Saison abgebrochen werden.

Die ganze Gesellschaft muss gerade herbe Einschränkungen hinnehmen, das gilt auch für den Fußball. Dass der Profifußball aktuell eine Sonderrolle beansprucht, ist unsolidarisch gegenüber anderen Profi-Ligen, die sich ein engmaschiges Testsystem nicht leisten könnten, sowie gegenüber dem Breitensport, wo der Wettkampfbetrieb wohl noch längere Zeit untersagt bleiben wird.

Die DFL muss nun Szenarien entwickeln, wie im Falle eines immer wahrscheinlicher werdenden Abbruchs der Saison reiche Vereine diejenigen unterstützen können, die dann gegebenenfalls von einer Insolvenz bedroht sind. Auch die bestens verdienenden Profis sollten sich solidarisch zeigen. Fans zeigen mehrheitlich schon Solidarität, beispielsweise indem sie auf Erstattungen bereits gekaufter Tickets verzichten. Aktive Fans fordern seit langer Zeit zurecht grundlegende Reformen des durchkommerzialisierten Fußballs ein.

Die Vorgaben für das Lizenzierungsverfahren der DFL für die kommende Saison wurden bereits gelockert, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Grundsätzlich muss sich der Profifußball nun selbst hinterfragen. Dass nun sogar größere Bundesliga-Klubs in ökonomischer Schieflage zu sein scheinen, zeugt nicht davon, dass in den vergangenen Jahren nachhaltig gewirtschaftet wurde. Im Profifußball muss ein Umdenken stattfinden. Der Fußball nach Corona muss sich endlich ökonomisch und ökologisch nachhaltig aufstellen. An demokratischen Errungenschaften, wie der 50+1-Regel, darf nicht gerüttelt werden, um sich kurzfristige Liquidität zu sichern“.

Auch andere Parteien sind mit der Entscheidung zufrieden. So verwies Karl Lauterbach (SPD) beispielsweise auf die Infektionsgefahr:

Damen-EM verschoben

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) teilte heute mit, dass die EM in England auf den 6. bis 31. Juli 2022 verschoben ist.

Die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg begrüßte die Entscheidung: „Unabhängig davon, dass die Austragung der Frauen-EM 2021 auch aufgrund der Verschiebung der Olympischen Spiele schwer vorstellbar gewesen wäre, brauchen wir das Alleinstellungsmerkmal im Fußball, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzielen“. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin äußerte sich ebenfalls: „Mein Dank gilt der FA, dem lokalen Organisationskomitee und den UEFA-Mitgliedsverbänden, die unsere Überzeugung teilen, dass der Frauenfußball als Ganzes von der Verschiebung des Turniers auf das Jahr 2022 profitieren wird. Die Fußballfamilie tritt einmal mehr mit geeinter Stimme auf. Wir dürfen uns nicht nur 2021, sondern auch 2022 auf einen europäischen Fußballsommer freuen. Wir danken der FIFA und der Commonwealth Games Federation für ihre Zusammenarbeit, in deren Rahmen wir eine Übereinkunft bei den Spieldaten erzielen konnten“.

 

Quellen

Pressemitteilung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

dfb.de

 

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