Silke Frank, Event Director der FIBO in Köln, über die schwierige Entscheidung, die FIBO in den Oktober zu verlegen

[mk] Die Verschiebung der FIBO auf den 1. bis 4. Oktober 2020 trifft in der Sport- und Fitnessbranche alle Akteure. Insbesondere Trainer, die sich hinsichtlich neuer Trends up to date halten, mit Kollegen austauschen oder vielleicht sogar ein lange geplantes Vorstellungsgespräch führen wollten, haben nicht mit dieser Entwicklung gerechnet. All das hat es den Verantwortlichen bei der FIBO nicht leicht gemacht, als Ende Februar über eine Verschiebung der Messe diskutiert werden musste.

Liebe Frau Frank, lassen Sie uns etwas hinter die Kulissen blicken: Wann wurde die Entwicklung rund um das Coronavirus für Sie problematisch?

Wir haben die Entwicklungen rund um das Coronavirus natürlich von Beginn an aufmerksam verfolgt und die Situation sehr ernst genommen. Ende Februar hatte sich die Lage bezüglich der Verbreitung des Virus in Europa dann zugespitzt – für uns insbesondere mit dem Auftreten der ersten Fälle in NRW. Auch die Entwicklung in Norditalien mussten wir mit Sorge beobachten.

Wann fiel dann die Entscheidung, die FIBO tatsächlich zu verschieben?

Viele Unternehmen auf der Aussteller- und Besucherseite waren und sind wegen der Entwicklungen verunsichert und haben selbst restriktive Reiseverordnungen beschlossen, die auch den Besuch von Messen einschließen. Die Kölner Gesundheitsbehörden wiederum haben empfohlen, vorerst keine Messen mit hoher internationaler Beteiligung durchzuführen. Damit war klar: Die Durchführung der FIBO zu dem ursprünglich geplanten Termin ist nicht mehr möglich.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Wir standen in den vergangenen Wochen auch in einem regelmäßigen Austausch mit den lokalen Behörden, unseren Ausstellern und Partnern natürlich, der Koelnmesse und über den deutschen Messeverband im Dialog mit den Bundesbehörden und -ministerien. In den Prozess eingebunden war selbstverständlich auch unser Mutterhaus, Reed Exhibitions, welches die Entwicklung tagesaktuell beobachtet und bewertet hat.

Für viele Unternehmen ist die FIBO ein wichtiger Vertriebstermin. Wie ist die Reaktion von Ausstellerseite?

Wir haben zahlreiche Gespräche mit unseren Ausstellern geführt. Die Bedenken waren natürlich auf allen Seiten groß. Einige wenige Aussteller hatten bereits vor unserer Entscheidung ihr Fernbleiben aufgrund des Coronavirus kommuniziert. Und wir sind natürlich auch jetzt noch regelmäßig im Dialog mit unseren Partnern und Ausstellern, um die Folgen der Verschiebung für alle möglichst moderat zu halten.

Betrifft das Thema das gesamte Team? Wie gehen Sie jetzt vor?

Es gibt wirklich niemanden, der nicht in irgendeiner Weise betroffen ist. Bei uns arbeiten jetzt alle – wirklich alle (!) – Unternehmenseinheiten von der Organisation über den Vertrieb bis zum Marketing mit Hochtouren daran, eine neue FIBO im Herbst auf die Beine zu stellen. Eine Herausforderung ist sicherlich, dass wir die Messe ganz neu planen werden, da wir im Oktober mit einer anderen Hallenkonstellation an den Start gehen. Aber verstehen diese Gelegenheit auch als Chance, um für unsere Aussteller eine Lösung zu kreieren, die zu überzeugen weiß.

FIBO / Behrendt und Rausch

Gerade die Terminfindung war sicher schwierig?

Das kann man so sagen. Traditionell ist der Messekalender im Herbst recht voll, das war also eine sehr große Herausforderung!

Die FIBO ist auf den 1. bis 4. Oktober 2020 verschoben. Warum dieser Termin?

Mit dem neuen Termin im Oktober entsprechen wir dem Wunsch vieler Aussteller, einen alternativen Termin im laufenden Geschäftsjahr 2020 anzubieten. Wir freuen uns deshalb sehr, so zeitnah eine Termin- und Platzlösung gefunden zu haben.

Wie geht es nun weiter?

Als die Entscheidung getroffen wurde, befand sich das ganze Team quasi schon im Endspurt der FIBO-Vorbereitungen. Nun, da der Termin im Herbst steht, starten wir erneut. Ja, wir haben nun weniger Vorlaufzeit, aber wir müssen auch nicht ganz von vorn anfangen, da unser Konzept und die Schwerpunkte für die FIBO 2020 stehen. Wir sind also zuversichtlich, dass wir auch beim neuen Termin vieles umsetzen können, was wir für April geplant hatten.

Gab es in der Vergangenheit vergleichbare Situationen?

Nein, das hat die FIBO in ihren 35 Jahren glücklicherweise noch nicht erlebt!

Eine ähnliche Krisensituation hatten wir aber mal bei einer anderen Veranstaltung in unserem Unternehmen, der EQUITANA Open Air. Da wurde die bereits aufgebaute Messe kurz vor dem Start in großen Teilen vom Orkantief „Ela“ zerstört. In einem einzigartigen Kraftakt haben wir sie in nur 48 Stunden wiederaufgebaut.

www.fibo.com

Was geht einem persönlich durch den Kopf, wenn man solche Entscheidungen trifft?

Die große Verantwortung für Menschen und Unternehmen aus aller Welt. Uns war und ist bewusst, wie weitreichend diese Entscheidung sein würde. Und vor allem: Wann trifft man die Entscheidung?

Was ist der richtige Zeitpunkt? Man weiß ja auch, wie viel Herzblut alle in die Veranstaltung gesteckt haben. Und auch wenn man selbst am Ende zu 100 Prozent überzeugt ist, weiß man natürlich trotzdem, dass man es nie allen gleich recht machen kann. Eine wirklich schwierige Situation. Diese Zeit war die emotionalste meines bisherigen Berufslebens.

 

Gesprächspartnerin:

Silke Frank, Event Director der FIBOFIBO
Silke Frank, Event Director der FIBO

 

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