Trainer und Fitness-Studios stellen nach und nach auf digitale Inhalte um. Seit der Coronakrise entwickelt sich alles sehr schnell. Auf was es bei digitalen Angeboten ankommt, erzählten uns verschiedene Trainer und Kursanbieter.

[sh] Trainer und Fitness-Studios stellen nach und nach auf digitale Inhalte um. Dabei sind nicht nur große Unternehmen dabei. Die Leistungslustredaktion erreichten viele Mails mit Informationen rund um dieses Thema. Es bleibt auch weiterhin aktuell, denn laut Bundesregierung sollen bis zum 20. April das Kontaktverbot aufrechterhalten werden. Auch die bayerische Ausgangsbeschränkung hat aktuell bis zum 19.4. Bestand. Das heißt, dass Training und Sport in Gruppen und/oder geschlossenen Räumen mit hohem Personenaufkommen weiterhin nicht möglich sind.

Wie machen es die anderen?

Größere Unternehmen haben ihr Angebot schnell umgestellt. Mit der Mrs.Sporty App können Mitglieder ihre Trainingspläne abrufen, Yab Workout bietet kostenlose Fitnesskurse im Netz an. McFit stellt eine kostenlose App-Lösung für Kunden zur Verfügung oder Pilates Bodymotion ermöglicht einen Zugang zu Videotutorials.

Aber auch kleinere Unternehmen und Personaltrainer haben inzwischen digitale Lösungen gefunden. Einer davon ist Tobias Kuhn. Der Trainer aus Freising hat auf Grund der aktuellen Situation sein Personal Training auf online umgestellt. Etwa fünf Minuten vor dem Trainingstermin schickt er seinen Kunden per E-Mail oder WhatsApp einen Link zum Online-Meeting. Er sagt, dass funktioniere ganz gut. „Sowohl bei den Gruppentrainings als auch beim 1:1 Personal Training wird das Angebot gerade sehr stark nachgefragt. Bei den ersten Trainingseinheiten wundern sich viele wie individuell auch online auf den Sportler eingegangen werden kann. Spätestens nach einer Stunde Training ist dann jeder überzeugt“.

Antonia Muriqi launchte vor etwa zwei Jahren ihre eigene App. Sie setzt seit fünf Jahren auf Online-Coachings und bietet inzwischen auch eine Onlineplattform für Trainer und Ernährungsberater an. „Im Online-Coaching, und das sage ich auch stets den Gesundheitsexperten, die mit uns Projekte gestalten, ist die persönliche Note entscheidend. Die Kunden möchten keine allgemeinen Videos, die sie auch im Netz finden – sie wollen mit ihrem Trainer trainieren“, bestätigt die digitale Gesundheitsmanagerin.

Ein weiterer Weg zu einer Onlineplattform kann auch über Kooperationspartner erfolgen. Manche Franchisepartner oder Softwarehersteller bieten Lösungen für Kooperationspartner an. Das Unternehmen ClassPass stellt zum Beispiel für seine Partnerstudios eine digitale Plattform zur Verfügung. Darauf können Kurse online per Webseite und App gestreamt werden und die Studios erhalten die vollständigen Einnahmen.

Forderungen werden lauter

ClassPass hat ebenfalls eine Petition gestartet, die an Regierungen weltweit appelliert, sofortige finanzielle Hilfe sowie Unterstützung bei Miet-, Kredit- und Steuerzahlungen für Fitnessstudios zu leisten. Auch der DSSV (Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen) hat ein Schreiben an die deutsche Bundesregierung aufgesetzt. Darin bittet die Vorsitzende Birgit Schwarze darum, den Fitnessbetrieb nach Ostern wieder zuzulassen.

Digital – aber sicher

Selbstständige und Unternehmer stehen unter einem großen Druck. Die erzwungene Digitalisierung ermöglicht gleichzeitig neue Möglichkeiten, die auch nach der Krise ein weiteres Standbein sein können. Doch damit gehen auch neue Fragen und Unsicherheiten einher. Ein Unternehmensdienstleister wertet erst kürzlich sechs etablierte Sport-Apps aus, die auch schon vor der Coronakrise auf dem Markt waren. Die Ergebnisse überraschten. Wir sprachen dazu mit Sebastian Wolters, CEO von Appvisory.

Sie haben sechs Fitness-Apps ausgewertet. Auf welcher Grundlage haben Sie genau diese sechs ausgewählt?

Wir haben für diesen Test die meistgenutzten Apps unserer Kunden in dieser Kategorie ausgewählt.

Auf was haben Sie getestet?

Wir testen die Apps auf sämtliche datenschutz- und datensicherheitsrelevante Aspekte. Wir prüfen, welche Daten beim Ausführen der App erhoben und verarbeitet werden, wie gut und gewissenhaft die Nutzerdaten geschützt und ob die Verarbeitung konform mit der EU-DSGVO ist.

Es handelte sich dabei um Lauf-Apps und Workout-Programme. Alle Apps wiesen sowohl auf Android als auch auf iOS Sicherheitslücken auf. Welche Lücken waren das?

Übergeordnet lässt sich festhalten, dass die getesteten Kandidaten Metadaten teilen. In Metadaten von Fotos zum Beispiel sind Informationen wie Ort, Datum oder Uhrzeit enthalten, die man im Gegensatz zu GPS-Koordinaten auf dem Smartphone nicht ohne weiteres verändern kann. Im schlimmsten Fall können aus diesen Datensätzen genaue Nutzerprofile entstehen und mit den beschriebenen Metadaten sind diese sogar weitaus verlässlicher als rein über die GPS-Koordinaten.

Warum sind diese Lücken als eklatant einzustufen?

Wir stufen Daten, die eine Applikation zwingend für ihre Kernfunktionalität benötigt, als plausibel ein. Ein Navigationsprogramm benötigt zum Beispiel durchaus aktuelle GPS-Informationen, um seinen Zweck und somit die Nutzererwartungen zu erfüllen. Eine Taschenrechner-App benötigt hingegen keine GPS-Koordinaten, um mathematische Formeln auszuführen und Ergebnisse zu liefern, da diese ortsunabhängig gültig sind. Vergleichbar unplausibel stufen wir daher in den Fitness-Apps die Übertragungen der Metadaten ein.

In der aktuellen Corona-Krise stellen viele Personaltrainer und Fitness-Studiobetreiber auf digitale Streamingplattformen und Apps um. Was kann man aus diesen Ergebnissen schließen?

Aus unserer Sicht ist es die absolut richtige Idee, in der jetzigen Situation auf digitale Streamingplattformen zu setzen. Die Ergebnisse der Fitness-Apps lassen sich selbstverständlich nicht 1:1 auf die Streamingplattformen übertragen, da die Tests autark betrachtet werden müssten. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch hier viele Angebote fehlerhaft oder kritisch zu betrachten sind, wie nicht zuletzt vom populären Dienst Zoom bekannt wurde.

Wir werden zeitnah die Ergebnisse einiger Streamingplattformen veröffentlichen. Ein erster Blick in unsere Datenbank verrät jedoch, dass zum Beispiel Daily Motion und Youtube eher zu empfehlen sind als Vimeo oder Twitch. Grundsätzlich würden wir den Studios und Trainern empfehlen, eher Streamingplattformen einzusetzen anstatt datenhungrige Fitness-Apps zu empfehlen, bei denen unter Umständen sogar Zusatzkosten entstehen oder der Nutzer zumindest mit seinen Daten zahlt.

 

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