Bernd Westphal: „Ich setze hier auf die Solidarität der Kundschaft. Zufriedene Kunden kündigen ihre Mitgliedschaft nicht, weil sie zwei Wochen ihr Studio nicht besuchen können.“

[sh] Heute stimmte der Bundesrat dem Maßnahmenpaket der Bundesregierung zu. Die Leistungslust befragte verschiedenen Parteien zu den Beschlüssen in Bezug auf die Sport und Fitnessbranche. Das erste Interview gab uns der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Bernd Westphal. Sobald uns weitere Statements vorliegen, werden wir diese hier veröffentlichen.

Was bedeuten diese Maßnahmen nun für Personaltrainer (Soloselbstständige) und Fitness-Studios ?

„Mit der Ausbreitung des Coronavirus stehen wir vor beispiellosen Herausforderungen. Unser aller Gesundheit hat dabei höchste Priorität. Um eine weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen, hat die Bundesregierung ein umfangreiches Kontaktverbot erlassen. Sportstätten, Fitnessstudios und auch Sportvereine haben seitdem geschlossen. Die Auswirkungen spürt die Fitnessbranche bereits vielfach. Um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern, hat die Große Koalition einen Schutzschirm über Deutschland gespannt – auch über die Sportwirtschaft. Personaltrainern und anderen Solo-Selbstständigen helfen wir unkompliziert mit Soforthilfen. Viele Bundesländer vergeben zudem zusätzliche Finanzhilfen. Falls es trotzdem eng werden sollte, haben wir den Zugang zur Grundsicherung und Kinderzuschlägen vereinfacht. Auch Fitnessstudiobetreiber können ihre Mitarbeiter künftig noch einfach in Kurzarbeit schicken. Steuern und Sozialabgaben lassen sich stunden.“

Das Maßnahmenpaket wurde nun durch den Bundesrat verabschiedet, wie schnell können Inhaber von Fitness-Studios und selbstständige Personaltrainer finanzielle Hilfen abrufen?

„Die Maßnahmen gelten rückwirkend. Die Inhaber von Fitnessstudios können sich schon jetzt vor Ort an ihre Agentur für Arbeit wenden, um Kurzarbeit für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beantragen. Insgesamt stehen zudem 50 Milliarden Euro als Zuschüsse unter anderem für laufende Miet- und Pachtkosten und Leasingraten zur Verfügung. Berechtigt sind Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.“

Was müssen Sie dabei beachten?

„Die Zuschüsse werden für drei Monate gewährt und sind gestaffelt nach Größe des Unternehmens: Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten insgesamt höchstens 9.000 Euro. Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten insgesamt max. 15.000 Euro. Stichtag für die Bewilligung des Zuschusses ist der 11. März 2020. Für die Auszahlung zuständig sind dann die Länder, die übrigens vielfach auch eigene Hilfsprogramme für Selbstständige und kleine Unternehmen aufgelegt haben.“

Welche weiteren Maßnahmen stehen zu Verfügung?

„Mit dem Kurzarbeitergeld, den Regelungen zur Lohnfortzahlung bei Schließung von Kitas und Schulen, dem Notfall-Kinderzuschlag sowie dem erleichterten Zugang zur Grundsicherung unterstützt die Bundesregierung gerade auch die Angestellten in Fitnessstudios und selbstständige Fitnesstrainer.“

Viele Trainer und Einrichtungen versuchen die Zeit der Schließung und Kontaktsperre zu überbrücken indem Sie auf digitale Angebote setzen. Wird es auch hier mittelfristig Unterstützung geben?

Leistungslust

„Es gibt bereits eine Vielzahl von Hilfestellungen in Sachen Digitalisierung für den Mittelstand. Das Land Berlin betreibt etwa das kostenlose Portal (gemeinsam-digital.de). Zudem gibt es viele weitere kostenlose Angebote im Netz. Durch die Corona-Krise erleben wir derzeit einen ungemeinen Digitalisierungsschub, den nicht nur die Fitnessbranche betrifft, sondern jeden Bereich unseres Lebens. Wir erleben, dass wir Konferenzen plötzlich auch virtuell abhalten können, wir pflegen Kontakte mit FaceTime und treiben Sport mit YouTube. Hier schlummert riesiges Potenzial, das jetzt endlich gehoben wird.“

Fitness-Studios sind aktuell geschlossen und verfügen über wenig finanzielle Reserven. Hinzu kommt, dass diese fürchten, dass Mitgliedschaften im großen Maße gekündigt werden. Dies entzieht den Unternehmern die Existenzgrundlage. Weitere Kredite sind schwer zu bedienen. Was können Sie den Inhabern von Fitnessstudios mittel- und langfristig mit auf den Weg geben?

„Ich setze hier auf die Solidarität der Kundschaft. Zufriedene Kunden kündigen ihre Mitgliedschaft nicht, weil sie zwei Wochen ihr Studio nicht besuchen können. Statt Kündigungen können Mitgliedschaften auch erst einmal ruhen gelassen werden. Im Gastronomiegewerbe erleben wir zudem eine breite Unterstützung für kleine Cafés und Restaurants. Kunden kaufen jetzt Gutscheine, um die Liquidität ihrer Lieblingsorte zu sichern. Zu seinen Fitnesstrainern hat man ebenfalls ein persönliches Verhältnis, ich glaube, dass die Menschen um die Krise wissen, und sicher bereit sind, ihrem Trainer unter die Arme zu greifen und dann eben einen Kurs via Skype buchen.“

 

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