Die Zahl an betroffenen Menschen steigt. Veranstaltungen werden abgesagt, Italien hat Geschäfte, Schulen und öffentliche Einrichtungen dicht gemacht und Österreich die Grenze zum Nachbarland geschlossen. Das öffentliche Leben wird inzwischen massiv beeinflusst und Unternehmer kämpfen mit wirtschaftlichen Einbußen. Auch die Fitnessbranche leidet.

[sh] Der Corona-Virus macht sich inzwischen in der Wirtschaft bemerkbar. Bei Selbstständigen und Unternehmern kommt es auf Grund der fehlenden Kunden, durch erkranktes Personal oder auch erhöhte Sicherheitsbedingungen zu finanziellen Ausfällen. Auch Fitness-Studios und Personal Trainer sind betroffen.

Kunde sagt Trainingsstunde ab

Sagt ein Kunde auf Grund einer regulären Erkältung oder Unwohlsein ab, können Trainer erst einmal keine Honorarzahlung verlangen. Bei Trainerverträgen handelt es sich überwiegend um so genannte Dienstverträge. Diese greifen erst bei erbrachter Leistung, erklärt die Rechtsanwältin Julia Ruch. „Aber man kann versuchen einen finanziellen Ausgleich vom Kunden zu bekommen. Voraussetzung dafür ist, dass dies im Vertrag oder den AGB steht und der Kunde darüber informiert war. Rechtlich spricht man dann von einem pauschalierten Schadensersatz. Diese Pauschale darf natürlich den zu erwartenden Schaden nicht übersteigen. Gerichte haben einen Betrag von 5 bis 25 Prozent des ursprünglich vereinbarten Honorars als angemessen erachtet“. Die Inhaberin einer eigenen Kanzlei rät daher, einen Passus in die AGB zu implementieren, der Ausfallhonorare regelt.

Sagt ein Kunde ab und der Trainer kann den Termin neu besetzen ist Vorsicht geboten. Theoretisch kann der Trainer die Pauschale geltend machen. Doch wenn der Kunde beweisen kann, dass dem Trainer kein Schaden entstanden ist, dann wird es rechtlich dünn.

Kommt es zu einem Trainingsausfall, weil der Kunde an Corona erkrankt ist ändert sich die Sachlage. Da der Kunde dann auf Grund der verordneten Quarantäne verhindert war.

Besuch im Gym erlaubt

Unter anderem rät die Bundesregierung dazu, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abzusagen. Darunter fallen beispielsweise Fußballspiele, die nun ohne Zuschauer stattfinden. Im Eishockey waren Geisterspiele keine Option. Daher entschied man sich dazu, die Saison vorzeitig zu beenden. Auch in Fitness-Studios befinden sich viele Menschen auf kleinem Raum.

Das Robert-Koch-Institut rät nicht grundsätzlich von einem Besuch im Fitness-Studio ab. Solange keine Verdachtsfall in der Nähe gemeldet wurde, sollen Kunden sich an die gängigen Hygienevorschriften halten. Dazu zählen die Händedesinfektion oder auch die Desinfektion von Übungsgeräten. Doch was ist, wenn ein Kunde seine Studiomitgliedschaft kündigt, aus Sorge er könne sich mit Corona infizieren. „Diese Begründung reicht nicht aus. Auch dann nicht, wenn der Bundesgesundheitsminister von öffentlichen Orten mit hoher Frequentierung abgeraten hat“, sagt die Rechtsanwältin. Eine gute Alternative für Betreiber ist es hier mit Kulanz zu reagieren. Der Vertrag kann für einen überschaubaren Zeitraum ausgesetzt werden. „Betreiber können anbieten, die Zahlung ein bis drei Monate auszusetzen bis der Kunde wieder trainieren kann und die Vertragslaufzeit dementsprechend nach hinten zu verlängern“, empfiehlt Julia Ruch.

Ist der Kunde tatsächlich am Corona-Virus erkrankt und von der Behörde unter Quarantäne gestellt, dann kann er für diese Zeit sein Geld zurückfordern.

Gesundheitsklauseln greifen nicht

Personal im Fitness-Studio kann aber auch mit dem umgekehrten Fall konfrontiert sein. Wie reagieren Trainer, wenn ein Kunde häufig die Nase putzt oder niest? Trainer und Fitness-Studiobetreiber haben in Verträgen manchmal Gesundheitsklauseln stehen. Darin bestätigt der Kunde, dass er keine ansteckenden Krankheiten hat. Sollte bei einem Kunden dann doch eine ansteckende Krankheit, wie etwa Corona festgestellt werden, könnten Kostenansprüche gegenüber dem Kunden erhoben werden, da dieser gegen seine Offenbarungspflicht verstoßen hat. „Solche Klauseln sind zu 99 Prozent vor Gericht nicht durchsetzbar.“, erklärt die Expertin. „Denn der Kunde müsste beweisen, dass er zum Zeitpunkt der Unterschrift nicht wissen konnte, dass er sich angesteckt hat. Gerichte stehen hier auf Kundenseite, da er als Verbraucher besonderen Schutz genießt.“

Trainer dürfen im Rahmen des Gesundheitsschutzes Kunden ansprechen und empfehlen nach Hause zu gehen. Es gilt jedoch: „Verbietet ein Fitness-Studio einem Kunden den Aufenthalt in der Einrichtung, muss er dieser Person auch das Geld zurückerstatten“, so die Rechtsanwältin.

Mitarbeitererkrankung

Erkrankt ein Mitarbeiter am Corona-Virus muss das Gesundheitsamt informiert werden. Für Arbeitnehmer greift im ersten Schritt die Entgeldfortzahlung. „Arbeitgeber können sich über das Infektionsschutzgesetz den Beitrag als Schadensersatz von der Behörde zurückholen. Dazu muss aber eine bestätigte Corona-Erkrankung vorliegen. Ein mit geht’s schlecht oder mein Hausarzt hat gesagt reicht nicht aus“, erklärt Julia Ruch.

 Supergau: Studioschließung

Eine Schließung der Einrichtung ist nur auf Anordnung der Landesbehörden nötig. Kommt es tatsächlich zu einer Schließung oder Beschlagnahmung von Geräten und dadurch zu Einbußen, könne dies laut Julia Ruch, gegenüber den Behörden geltend gemacht werden.

Studios sind gut aufgestellt

Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte gegenüber dem Deutschlandfunk: „Wir müssen alles dafür tun, dass es nicht zu solchen drastischen Maßnahmen wie in Italien kommt“. Weiter sagte er: „Für die unter 50-Jährigen ohne Vorerkrankung ist das Risiko, selbst wenn sie es haben, sehr, sehr gering. Das Problem taucht auf bei den Älteren, insbesondere den über 65-Jährigen, insbesondere mit Vorerkrankungen.“ Die Maßnahmen, die ergriffen werden, seien zum Schutze der Risikopatienten. Damit wird versucht, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Sodass Krankenhäuser ausreichend Kapazität haben, um Betroffene zu behandeln.

Die Anwältin bestätigt: „Viele Studios reagieren bereits sehr gut. Einrichtungen stellen zusätzliches Desinfektionsmittel zu Verfügung, haben die Reinigung verdoppelt oder bieten statt des regulären Kursprogramms Alternativen, wie eine Laufeinheit draußen an.“ Am Wichtigsten seien die Vermittlung von Sicherheit und die proaktive Kommunikation mit den Kunden, insbesondere in Reha-Einrichtungen und im Umgang mit älteren Kunden.

 

Gesprächspartnerin

Julia Ruch ist Rechtsanwältin und aktive Triathletin. Sie hat eine eigene Kanzlei in Ulm, die sich auf Rechtsfragen im Sport- und Fitnessbereich spezialisiert hat.

 

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