Mitten im Ausdauerlauf setzt der Rapper Sylabil Spill zum Spurt an: Sein Projekt Tracksrunner fördert Nachwuchssprinter und fordert die Gesellschaft zu mehr Solidarität auf. Trotzdem sieht sich der Gründer mit rassistischen Beleidigungen und fehlendem Support konfrontiert. Wir sprachen mit ihm.

Als wir von dem Projekt Tracksrunner hörten und mit dem Macher ​Musitu Kumuini gesprochen hatten, wollten wir nicht bis zum nächsten Heft warten. Daher hier schon mal vorab ein Auszug aus dem Interview Rapspurt, welches in der Ausgabe 2/ 2020 erscheinen wird.

​Das Projekt

Musitu Kumuini gründete letztes Jahr in Bonn das Projekt Tracksrunner. Ein bis dato einmaliges Konzept mit vielen Besonderheiten. Der Gründer selbst ist Trainer, ehemaliger Leistungssportler und ein etablierter Rapper. ​​Das Konzept richtet sich an Heranwachsende zwischen 13 und 18 Jahren. Insbesondere an Jugendliche, die mit Herausforderungen aufgrund ihres sozialen oder ethnischen Gefüges konfrontiert sind.​

Was macht Tracksrunner aus?
Die Idee hinter dem Projekt ist es Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Strukturen zusammenzubringen. Dabei setzt sich die Gruppe aus – ich sage mal – „biologisch Einheimischen“ und „nicht in Deutschland geborenen Personen“ zusammen. Ich verspreche mir davon, die Kompetenz der Jugendlichen zu stärken und Solidarität zu vermitteln.

Erfährt das Projekt denn Solidarität?
Neben dem sportlichen und didaktischen Ansatz braucht es natürlich auch finanzielle Mittel. Die Kiddies aus sozialschwachen Familien benötigen beispielsweise Equipment, oder auch der Kraftraum muss bezahlt werden. Bisher habe ich vieles aus Geldern meiner Musikkarriere bezahlt. Hier würde ich mir mehr Unterstützung, also Solidarität wünschen.
Den Vereinen fehlt es selbst an Geld. Bei der Bundesregierung habe ich auch mal angeklopft, allerdings sind die Hürden sehr hoch. Sponsoren suche ich ebenfalls, aber es ist schwierig. So ganz verstehen kann ich es allerdings nicht. Wenn mir Banken wie die Sparkasse oder Spardabank sagen, sie hätten keine Mittel, dann ist das schon seltsam. Ich habe nun eine Crowdfounding-Aktion ins Leben gerufen.

Du bist ja auch Rapper und als Sylabil Spill schon ziemlich etabliert. Wie sieht es hier mit Support aus?
Die ganzen Outcaller-Rapper schauen sich meine Insta-Story zu Tracksrunner an und machen den Mund nicht auf. Eigentlich müssen die Rapper, und da gibt es viele mit einer größeren Reichweite als ich, sagen: Wir supporten so ein Projekt oder starten selbst was. Denn so erreichen wir eine neue Ebene, eine weitere Gesellschaftsstruktur. Das bedeutet, wir verselbstständigen uns und können damit den großen Major Labels und Konzernen zeigen, wozu wir fähig sind, und wie wir die Gesellschaft gestalten können. Gleichzeitig würde die Gesellschaft sehen, dass Rapper nicht nur Figürchen sind, sondern auch Leute, die etwas Positives bewegen können.

Ich wurde auf euch aufmerksam, da ich von Hasskommentaren auf euren Social-Media-Kanälen hörte.
„Geh zurück nach Afrika und mach so eine Nummer im Busch“ – Ist nur einer von vielen und eher noch harmlos. Ich kann echt nicht verstehen, wie irgendwelche Typen, sei es von der AfD oder Combat 18 und wie sie alle heißen, so einen Müll schreiben können. Solche Menschen sind ignorant, aber es ist schon so, dass sie versuchen, ordentlich zu triggern.

Du hast auch Topathleten im Kader. Am. 15.Februar startet ​​Veronic Badjalimbe​​ bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Neubrandenburg. Das ist ein enormer Druck in Anbetracht der Rahmenbedingungen…

Absolut! Jeder, der die Tracksrunner unterstützen möchte, findet das Crowdfounding-Projekt hier.

 

 

Gesprächspartner: Musitu Kumuini
Er ist in Kinshasa (Kongo) geboren und kam mit sieben Jahren nach Deutschland. Musitu besitzt die Trainerlizenz B Kurzsprint und trainiert in Bonn Nachwuchs- und Leistungssportler. Persönlich betreibt er dazu noch Cross Fit. Neben dem Sport ist er für seine Musik bekannt. Unter dem Namen Sylabil Spill veröffentlichte er schon mehrere Alben.

 

 

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