Bei den diesjährigen olympischen Sommerspielen in Tokio ist Sportklettern erstmals Teil des Programms. Nicht alle Kletterer sind jedoch begeistert über das Olympic Combined, denn die Trainingsintensität steigert sich extrem.

Die Kombination

Die olympische Disziplin Sportklettern setzt sich aus drei Einzeldiszplinen zusammen. Beim Lead, dem klassischen Vorstieg mit Seil werden verschiedene Schwierigkeitsgrade an der Wand absolviert. Beim Bouldern wird dicht am Boden ohne Sichererung geklettert und beim Speedklettern geht es darum, die vorgegebene Route an der Wand schnellstmöglich zu bewältigen. Das stellt die Kletterathleten vor ein Problem, denn normalerweise sind sie auf eine Disziplin spezialisiert und trainieren dahingehend. Nun müssen sie sich aber in allen drei Disziplinen mit ihren Konkurrenten messen und das erfordert eine Trainingsumstellung. Wo beim Bouldern vorrangig Ausdauer benötigt wird, kommt es beim Speedklettern vor allem auf die Beinkraft an. Die Trainingsbelastung steigt also enorm an.

Trainingsumstellung

Mit Jan Hojer und Alexander Megos haben sich zwei Deutsche für Tokio qualifiziert. „Am Anfang war das Speed-Training schon eine gewaltige Umstellung, ich hatte extremen Muskelkater in den Beinen“, so Hojer zum Spiegel, mittlerweile habe er sich daran gewöhnt. „Ich habe allerdings auch früher als andere angefangen, mich mit Speed-Spezialisten zu treffen und mir deren gezielte Beinübungen abzugucken.“

2017 wurde entschieden, dass Sportklettern als Kombination olympische Disziplin wird. Hojer hat sich schnell darauf eingestellt: „Für mich war das sportlich eine gute Entscheidung.“

 

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… did that really happen?

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Skepsis

Nicht alle seiner Kollegen sehen das so. Adam Ondra aus Tschechien beispielsweise konnte die Begeisterung über die Kombination nicht teilen. Auch viele andere Kletterer üb(t)en Kritik aus und befürchten eine Kommerzialisierung ihres Sports. Dieser zeichnete sich bisher durch einen gewissen Freigeist und Individualismus aus. Ein Sport ohne viele Regeln und dem Drang nach Konformität. Mit der Erhebung zur olympischen Disziplin könnte es vorbei sein – mit dem Sturm und Drang Gefühl. War es vorher schwierig seinen Lebensunterhalt mit klettern zu bestreiten, so gibt es jetzt Sponsoren en masse, die sich vorher nicht für den Sport interessiert haben. Auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Kletterhallen steigt stetig. Für die Profikletterer eigentlich keine schlechte Sache. Für viele jedoch zu viel Aufmerksamkeit.

Doping-anfällig?

Sobald eine Sportart zur olympischen Disziplin erhoben wird, stellt sich unweigerlich die Frage nach potentiellem Doping. Jan Hojer sagt dazu, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass olympische Sportarten an sich sehr anfällig dafür seien, dass die Athleten Doping-Mittel benutzen, um bestimmte Leistungen abrufen zu können. „Beim Thema Doping muss man natürlich sagen, dass die Vergangenheit gezeigt hat, dass olympische Sportarten sehr, sehr anfällig dafür sind. Ich weiß nicht, inwiefern das jetzt für junge Sportarten der Fall ist.“

Je mehr Geld hinter einer Sportart steckt, umso größer ist wohl auch die Gefahr, dass Athleten sich illegaler Methoden und Mittel bedienen, um den Wettbewerb für sich zu entscheiden.

Auf lange Sicht betrachtet wird sich das Thema Doping auch beim Klettersport wohl nicht vermeiden lassen.

 

 

Quellen:

Spiegel Online, Deutschlandfunk