Mit nur 28 Jahren tritt Luke Kuechly überraschend vom Profi-Football zurück und schockiert damit die Sportwelt. Der Carolina Panthers Star fühlt sich anscheinend körperlich nicht mehr in der Lage den hohen Anforderungen der NFL gerecht zu werden und zeigt wahre Größe mit diesem Eingeständnis.

Langzeiteffekte

Nach nur acht Saisonen in der Liga kündigte der 28-jährige Luke Kuechly, der zu den besten Linebackern der Welt zählt, am Mittwoch vollkommen überraschend seinen Rücktritt vom Profi-Football an. Er ist nur der letzte in der Reihe von Spielern, die überraschend vorzeitig ihre Profi-Karriere beendet haben. Vor der 2019 NFL Saison entschlossen sich auch Indianapolis Colts Star Quarterback Andrew Luck und New England Patriots tight end Rob Gronkowski, dazu ihre Karriere vorzeitig zu beenden. Sie führten die Langzeiteffekte zahlreicher Verletzungen, die sie auf dem Spielfeld erlitten haben als Grund an. Luck und Gronkowski waren bei der Bekanntgabe ihres Rücktritts nur 29 bzw. 30 Jahre alt und zählten zu den besten Spielern der NFL.

Spekulationen

Luke Kuechly erleidete drei dokumentierte Gehirnerschütterungen. 2016 erlitt er eine im Spiel gegen die New Orleans Saints. Er musste unkontrollierbar weinend vom Feld getragen werden. Diese Szene schockierte sowohl die Panthers Orga, sowie die Spieler der Liga und warf erneut ein Spotlight auf die andauernde Problematik von Gehirnverletzungen in der NFL. Wie viele Gehirnerschütterungen und Kopftreffer er tatsächlich im Laufe seiner Sportlaufbahn, die sich bis ins Kindesalter zurückzieht, erlitten hat, ist bei dieser Sportart eine berechtigte Frage. Spekuliert wird natürlich auch über mögliche andere Verletzungen, die ihm einen weiteren guten Lauf in der NFL in den kommenden Saisonen versagt hätten. In einem emotionalen Video, das in den sozialen Medien gepostet wurde, sagte er: „Es gibt nur eine Möglichkeit für mich, dieses Spiel zu spielen, seit ich ein kleines Kind war: Schnell spielen, körperlich spielen und stark spielen. Und zu diesem Zeitpunkt weiß ich nicht, ob ich dazu noch in der Lage bin. Das ist der Teil, der am schwierigsten ist. Ich möchte natürlich immer noch spielen, aber ich glaube nicht, dass es die richtige Entscheidung wäre“.

Bestbezahltester Spieler

Kuechly startete seine Profi-Karriere 2012. Seither verdiente er mehr als 63,8 Millionen Dollar durch seinen NFL-Vertrag mit den Panthers. 2015 unterschrieb er eine 62 Millionen Dollar schwere, fünfjährige Vertragsverlängerung mit dem Team das ihn zum bestbezahltesten NFL-Spieler seiner Position gemacht hat. Der Vertrag wäre bis 2021 gelaufen. Durch seinen Rücktritt verzichtet Kuechly auf rund 22 Millionen Dollar.

CTE durch Football

American Football ist ein harter und teilweise brutaler Sport. Beim Full Contact kommt es nicht selten zu schweren Kopfverletzungen. Gehirnerschütterungen sind an der Tagesordnung. Nach Kopftreffern bleiben die Spieler oft auf dem Feld liegen und müssen notärztlich versorgt werden. Lange wurde diese Tatsache von der NFL ausgeblendet. Aber auch die Spieler schwiegen lange zu diesem Thema. Denn wer erfolgreich sein will, darf nicht jammern. Erst zahlreiche Selbstmorde prominenter Spieler, unter anderem von Andre Waters, Terry Long, Junior Seau und Dave Duerson, erhöhten den Druck auf die Liga. Bei allen wurde CTE diagnostiziert. CTE steht für Traumatische Enzephalopathie, bei der die Nervenstränge des Gehirns vernarben. Erstmals wurde das Krankheitsbild 2002 bei der Obduktion des Ex-Steeler Spielers Mike Websters festgestellt. Er zeigte vor seinem Tod große Verwirrtheit, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Zahlreiche Studien haben belegt, dass Footballspieler ein signifikant höheres Risiko für schwere neurologische Erkrankungen, wie Alzheimer, Parkinson, amytrophe Lateralsklerose oder Hirntumore aufweisen. Erst nach diesen Ergebnissen, überdachte die Liga ihre Haltung und änderte die Spielregeln.

Harte Männer?

Nicht alle Spieler zeigten sich jedoch begeistert von den neuen Regeln. Football gilt in den USA immer noch als ein Sport der Männlichkeit. Es zählt Härte. Schmerzen gehören dazu. NFL-Spieler ignorieren nicht selten die „neuen“ Regeln. Gerade in den unteren Spielklassen, wie College- oder Highschool-Ligen ist Brutalität eine Voraussetzung, um ernst genommen zu werden. Bestes Beispiel hierfür ist Runningback Craig Hayward. In der NFL galt er als „Ironhead“ und rammte jeden der ihm in den Weg kam. Er starb im Alter von 39 Jahren an einem Gehirntumor. Wie viele Gehirnerschütterungen er während seiner Karriere erlitt, ist unbekannt. Trotz aller Vorkommnisse sind viele Spieler uneinsichtig. „Es ist mein Körper“, sagt zum Beispiel Hines Ward, der ehemalige Wide Receiver der Pittsburgh Steelers, „wenn ich das Gefühl habe, dass ich da wieder raus muss, dann tue ich das auch.“ Diese Einstellung bescherte ihm zwei Superbowl-Siege.

Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass Luke Kuechly den Schritt gewählt hat, seine Karriere vorzeitig zu beenden. Hut ab vor dieser mutigen Entscheidung.

 

Quellen: CNBC ,  Dailymail , Welt.de