Der TSV 1860 ruft öffentlich zu Spenden auf. Mit dem gesammelten Geld soll das Wintertrainingslager des Drittligisten in warmen Gefilden finanziert werden.

Gemeinsam für Sechzig?

Es geht eigentlich entgegen der ursprünglichen Planung. Trotzdem möchte der stets unter Geldmangel leidende Club sich jetzt doch im warmen Süden für den Start in die Restsaison vorbereiten. In diesem Sinne läuft seit gestern die Aktion „Gemeinsam für Sechzig“. Dafür hat der Verein sogar eine eigene Webseite eingerichtet. Die nicht ganz übliche Sammelaktion läuft bis zum letzten Heimspiel gegen Sonnenhof Großaspach am 7. Dezember. Hauptsponsor der 60er „Die Bayerische“ ein „Premium Partner“ und Vizepräsident Hans Sitzberger haben am Rande eines Benefizabends wohl schon ordentlich tief in die Taschen gegriffen. Nun sollen sich weitere Sponsoren, Gönner und Fans dazu animiert fühlen Geld zu spenden, um das Trainingscamp der Spieler mit dem neuen Cheftrainer Michael Köllner zu finanzieren.

Gegenleistung

Wer sich bereit erklärt mindestens 60 Euro zu spenden, nimmt an einer Verlosung teil. Preise sind: ein von der Mannschaft unterschriebenes Trikot, drei von der Löwen-Mannschaft unterschriebene Fußbälle, zehn signierte Mannschaftsposter und einmal zwei Plätze auf der Fanbank beim Heimspiel gegen Waldhof Mannheim im Februar 2020. Für alle, die mehr als 1000 Euro locker machen winkt ein spezielles Dankeschön. Sie erhalten eine Einladung in einen erstmals bei einem Löwenspiel abgetrennten exklusiven VIP-Bereich im Grünwalder Stadion inklusive Bewirtung zum Heimspiel gegen Sonnenhof Großaspach.

Spaltung

Viele Fans der 60er können es nicht so recht fassen und einige sind richtig sauer. „Seid ihr eigentlich noch normal in Kopf? Durch Misswirtschaft bei den Fans betteln, des geht gar nicht“, „Zum Fremdschämen“. „Wenn ihr nur einen Funken Anstand und Charakter im Management und in der Führungsetage habt, zahlt ihr das. Jetzt noch um Geld betteln weil ihr mit anderer Geld nicht umgehen könnt.“ So und noch viel mehr wird sich auf den sozialen Medien Luft gemacht. Ob die Löwen mit ihrer Aktion jetzt nicht den ein oder anderen Fan vergraulen bleibt abzuwarten. Auch der Preis des VIP-Pakets scheint für die sonst so bodenständigen Münchener zu abgehoben und nicht wirklich passend zum Vereins-Ethos.

Münchner Mauer

Für Unmut sorgt der Aufruf auch bei Gesellschafter und Investor Hasan Ismaik. Er zeigte vor Start der Aktion erneut, dass seine Motive nicht unbedingt Hand in Hand gehen mit denen der Vereinsführung. In einem Interview verglich er die Löwen-Fans ausgerechnet mit Fans des FC Bayern. „Der Vergleich ist weit hergeholt, aber trifft zu: Es ist nämlich wie damals zwischen West- und Ostdeutschland, bezogen auf die Systeme. Die Bayern-Fans sind weltoffen, wollen weit hinaus. Unsere Fans sind verschlossen, leben in einem kleinen Kosmos und haben Angst vor Veränderungen. Es ist wie eine Münchner Mauer.“, so Ismaik in einem Interview mit der Sport Bild. Nun sollen diese „rückwärtsgewandten“ Fans jedoch Geld bereitstellen. Isamik ist sauer, weil er laut eigenen Angaben schon zwischen 70 und 80 Millionen Euro in den Club investiert hat. Er möchte den Verein vorantreiben, fühlt sich jedoch bekämpft.

Die Misere der Drittliga

Einst als Vorzeige-Produkt angedacht, wurde vor zehn Jahren in Deutschland erstmals eine eingleisige dritte Liga gegründet. Heute sieht es jedoch so aus, dass die Kassen vieler Vereine leer sind und sie in ihren Schulden untergehen. „Wenn wir auf die Dritte Liga schauen, müssen wir sagen: Es gibt Problemfälle“, so Manuel Hartmann, Abteilungsleiter für Ligen und Wettbewerbe beim DFB. Und es sind keine Einzelfälle. Der SC Paderborn beispielsweise hat etwa 3,3 Millionen Euro Schulden und das obwohl er im vergangenen Jahr beim DFB-Pokal das Viertelfinale erreichte. Vielen Vereinen droht sogar die Insolvenz. Hier kommen dann wieder gutmütige Investoren ins Spiel, ohne die die dritte Liga überhaupt nicht funktionieren würde. Dr. Michael Schädlich, der Mann an der Spitze des HFC, betrachtet das alles sehr nüchtern: „Die Dritte Liga ist gefährlich. Sobald die Euphorie verflogen ist, musst du liefern“. Von der Möglichkeit die Profiabteilung auszugliedern hält er nichts. „Nennen Sie mich altmodisch, aber zu einem Fußballverein gehören auch Frauen und Kinder. Im Fußball gilt immer das Prinzip von ‚Deutschland sucht den Superstar‘“, so Schädlich, „wenn du nach vier Jahren noch in der dritten Liga spielst, giltst du als graue Maus.“

 

 

 

Quellen:

https://sportbild.bild.de

https://www.sueddeutsche.de

https://www.11freunde.de