Erst durch die Androhung des Ausschlusses von der WM 2020 in Katar durch die FIFA, plant die iranische Regierung nun mehr Platz für Frauen in Fußballstadien zu reservieren.

Ein Gedenken am Internationalen Mädchentag

40 lange Jahre

Heute ist internationaler Mädchentag. Dieser hat eine ganz besondere Bedeutung, wenn wir auf den Iran schauen. Zum ersten Mal in 40 Jahren durften sich Frauen dort letzte Woche Tickets für ein Fußballspiel kaufen. Dabei ging es um das gestrige WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha. Erst zwei, dann letztlich vier Sondertribünen mit insgesamt 4600 verfügbaren Tickets waren für weibliche Besucher reserviert worden. Auch wenn das als positiv betrachtet werden kann, muss man jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge der Tatsache gegenüberstehen, dass das Asadi-Stadion in Teheran rund 78.000 Plätze fasst. Traurig auch, dass es erst einer Androhung der FIFA zum Ausschluss des Landes von der WM2020 bedurfte, um den Sport allen Geschlechtern zugänglich zu machen. Sportminister Massud Soltanifar hatte vor zwei Wochen angekündigt, dass Frauen im Iran zukünftig zumindest Länderspiele besuchen dürfen. Hierzu wurden seperate Eingänge, eine Extra-Tribüne und Damentoiletten eingerichtet. Zwar ein Anfang, aber vom eigentlichen Sportgedanken noch weit entfernt.

 

Trauriges Vermächtnis

Als einziges Land der Welt hat der Iran Frauen das Besuchen eines Fußballspiels bisher verboten. Unter dem Vorwand, man wolle die Frauen nur schützen. Vor halbnackten Sportlern und der rauen Sprache im Stadion. Selbst Masoud Shojaei, der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, nannte das Stadionverbot für Frauen das Produkt einer „verfaulten und ekelhaften Denkweise“. Seit Jahren versuchen Frauen im Gegenzug dazu, sich – durch das Verkleiden als Mann – Zugang zu Fußballspielen zu verschaffen. Und das, trotz der drohenden harten Gefängnisstrafen, die sie bei einem „Erwischt werden“ zu erwarten haben. Laut verschiedenen Menschenrechtsorganisationen sitzen derzeit mehrere Iranerinnen im Gefängnis, weil sie entdeckt wurden. Allein im August sollen sechs Frauen verhaftet und eingesperrt worden sein.

Das blaue Mädchen

Die 29 Jahre alte Sahar Khodayari versuchte im März diesen Jahres ganz in blau gekleidet – der Vereinsfarbe von Esteghlal Teheran – in das Asadi-Stadion in Teheran zu kommen. Ohne Erfolg. Angesichts der ihr drohenden Haftstrafe von sechs Monaten übergoss sich die junge Frau mit Benzin und erlag eine Woche später ihren Verletzungen. Das Schicksal des „Blauen Mädchens“ ging damals um die Welt und verursachte allgemeinen politischen Aufruhr.

 

Die FIFA tritt in Aktion

Das Diskriminierungsverbot der Fifa wird durch die Benachteiligung von Frauen definitiv verletzt. Erst durch den Tod Khodayaris und den damit verbundenen Medienansturm sahen sich die Funktionäre wohl letztendlich doch gezwungen zu handeln. Denn jahrelang ignorierten sie den Missstand. Die Frauenrechtsaktivistin und Schwester von Mannschaftskapitän Shojaei, Maryam Shojaei sagte dem US-Sender CNN, sie habe acht Briefe an Gianni Infantino, den Präsidenten der Fifa geschrieben. Ohne Erfolg. Es musste erst eine junge Frau sterben, damit eine Delegation in den Iran geschickt wurde. Danach erst zeigte sich das Land kompromissbereit und sicherte zu, dass Frauen künftig im Stadion zugelassen werden. Das erste Mal eben gestern. Irans Nationalmannschaft um Kapitän Masoud Shojaei bedankte sich nach dem Abpfiff bei ihren weiblichen Fans.
Ein „kleiner“, aber wichtiger Sieg der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen weltweit.
Für Kodayari kommt diese Reform jedoch leider zu spät.

 

 

Quellen: FAZ, Spiegel online