Kopfverletzungen im Fußball sind unterschätzt. Regeländerungen stehen an.

IFAB berät über Maßnahmen

Durch Zusammenstöße während des Spiels kommt es immer wieder zu teils schweren Kopfverletzungen im Fußball.

Christoph Kramer kehrte im WM-Finale 2014 trotz einer Gehirnerschütterung auf den Platz zurück. Der Schiedsrichter Nicola Rizzoli erkannte die Situation und forderte eine Auswechslung, wodurch er Kramer wohl vor ernsthaften gesundheitlichen Konsequenzen bewahrte.
Um derartige Situationen in Zukunft vermeiden, diskutieren derzeit unterschiedliche Instanzen. Die Regelhüter des IFAB treffen morgen zusammen, um über ihren Beitrag zu diesem wichtigen Thema zu beraten.

Gefahren

In Deutschland werden bei Sportunfällen rund 44.000 Gehirnerschütterungen im Jahr diagnostiziert. Normalerweise sollte sich jeder Betroffene ein bis zwei Wochen Ruhe gönnen. Wird mit einer Gehirnerschütterung weitergespielt, kann dies verheerende gesundheitliche Folgen haben. Das sogenannte „Second Impact Syndrome“ kann durch die Entwicklung eines Hirnödems oder einer Hirnblutung im Extremfall tödliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Ob und wenn ja in welchem Umfang eine Gehirnerschütterung vorliegt, wird durch das sogenannte SCAT5-Verfahren beurteilt. Sowohl die FIFA, wie auch andere Organisationen unterstützen dies. Als Reaktion auf den Vorfall mit Christoph Kramer beschloss die FIFA eine erste Sofortmaßnahme. Seither ist eine Unterbrechung von drei Minuten bei Verdacht auf Gehirnerschütterung vorgeschrieben. Die IFAB soll nun diese 3 Minuten Zeit mit den Regeländerungen bei den Auswechslungen schaffen.

Forderungen

Änderungen bei den Auswechslungen sollen angegangen werden, forderte UEFA-Präsident Aleksaner Ceferin im Mai. Letzte Woche forderten auch die internationale Spielergewerkschaft FIFPro und der europäische Ligaverband „European Leagues“ Änderungen vom IFAB.

Ziel der Änderungen

Spieler, Vereine, Verbände und Regelhüter sind sich einig, wenn es um die Ziele der Änderungen geht. Allem voran sollen sich Ärzte Zeit nehmen und ohne Druck untersuchen können. Ist ein Spieler betroffen, soll seine Mannschaft keinen sportlichen Nachteil erhalten. Wird bei einem Spieler eine Gehirnerschütterung festgestellt, soll dieser unter keinen Umständen weiterspielen.

Lösungsansätze

Bei der temporären Auswechslung könnte ein Spieler mit Verdacht auf Gehirnerschütterung, ausgiebig untersucht werden, ohne dass seine Mannschaft mit nur zehn Mann auf dem Feld spielt. Die temporäre Auswechslung könnte auch rückgängig gemacht werden. Bei der zusätzlichen Auswechslung würde das eigentliche Wechsel-Kontingent nicht belastet werden. Sie ist nur beim Vorliegen einer Kopfverletzung angezeigt.

Das IFAB plant die Bildung einer Expertengruppe und möchte Mediziner mit einbeziehen. Eine Entscheidung zu Veränderungen bei den Auswechslungen wäre  im Frühjahr möglich. Diese könnten dann zur neuen Saison in Kraft treten.

 

Klaus Eder war einer der betreuenden Physiotherapeuten während der Fußball WM-2014. Im Interview erzählt er uns wie es um Christop Kramer damals stand.

Experte Volker Sutor stellt eine Version des SCAT-Tests vor.

 

Quelle: https://www.sportschau.de/fussball/kopfverletzungen-gehirnerschuetterungen-fussball-regelaenderungen-ifab-100.html