Der Kühlschrank in der Wüste

Heute startet die Leichtathletik-WM in Katar. Zehn Tage lang messen sich über 2000 der weltbesten Athleten aus über 200 Ländern in der Königsdisziplin.

 

Nichts ist mehr wie es war

Dieses Mal wird einiges anders sein. Nicht nur der Schauplatz, sondern auch bei den Akteuren gibt es einige Veränderungen. Pessimisten sagen den Sport schon tot, weil sich niemand mehr dafür interessiert und mittlerweile lieber Drittligafussball übertragen wird.

Mit dem Rücktritt von Usain Bolt 2017 ist der einzige wirkliche „Popstar“ von der Bildfläche verschwunden. Und damit einer der wenigen Publikumsmagneten. Der 1,95 m große Bolt war mit seinem auffallenden Auftreten und seiner berühmten Siegerpose der einzige Leichtathlet, der mit den anderen Weltsportstars mithalten konnte.

Positive Stimmen hoffen auf nachrückende frische Gesichter und neue Disziplinen. Vielversprechend hier: Noah Lyles. Mit seinen 22 Jahren noch ein Frischling, weiß er jedoch ganz genau sich in Szene zu setzen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm offensichtlich nicht. Sein Insta-Post nach einem schnellen Rennen „Bolt who?“ zeigt das ganz deutlich. Also ein Name, den man im Kopf behalten sollte.

 

Aber auch Christian Coleman hat das nötige Potential und extravagante Auftreten, um der „neue“ Bolt zu werden. Wir dürfen also gespannt sein.

 

 

Deutsche Hoffnung?

Medaillengewinne für deutsche Athleten könnten 2019 durchaus dabei sein. Im Weitsprung hoffen alle auf Malaika Mihambo. Läuferin Konstanze Klosterhalfen, Hochspringer Mateusz Przybylko, Zehnkämpfer Kai Kazmirek und die deutschen Speerwerfer Johannes Vetter, Thomas Röhler, Andreas Hofmann und Julian Weber haben gute Chancen eine der begehrten Medaillen nach Hause zu tragen.

 

Zeit und Ort

Wegen des Klimas in Katar sind die Weltmeisterschaften diesmal ziemlich spät. Doch auch im Herbst herrschen dort nachts um die 30 Grad. Für sportliche Höchstleistungen in der Leichtathletik viel zu heiß. Die Weltklasse-Läuferin Katrin-Dörre-Heinig sagte dem Tagesspiegel, dass diese Bedingungen für viele Läufer eine enorme Belastung seien, da es zu einem extremen Anstieg der Körpertemperatur kommen könnte. Da bringt es auch nicht viel, dass der Startschuss zum Marathon erst um 23.59 Uhr Ortszeit fällt.

Der Termin Ende September gefährdet darüber hinaus ein gutes Ergebnis oder sogar die Qualifikation für die im nächsten Jahr in Tokio stattfindende Olympiade.

 

Klimasünden und Spannungen

Neben den bereits genannten Problemen sind die inner- und ausserpolitischen Spannungen des Landes nicht zu unterschätzen. Die katastrophalen Arbeitsbedingungen sind laut Amnesty International hierbei nur einer von vielen Punkten. Gerade im Hinblick auf den Bau der Stadien für die Fußball-WM 2022 – der vorwiegend durch Gastarbeiter unter miserablen Bedingungen erfolgt.

Doch auch die Strategie des Landes die Stadien für die Leichtathletik-WM herunter zu kühlen löst bei vielen Nachdenklichkeit aus. Das 40.000 Zuschauer fassende Khalifa-Stadion wird beispielsweise mit Hilfe eines speziellen Kühlsystems auf etwa 24 Grad herunter reguliert und das bei einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 35 Grad. Definitiv kein Nachhaltigkeitsgedanke. Auch das Erkältungsrisiko der Athleten darf dabei nicht unterschätzt werden.

 

Trotz allem hoffen wir natürlich auf eine friedliche, erfolgreiche und eindrucksvolle Leichtathletik-WM 2019 und drücken unseren deutschen Sportlern fleißig die Daumen.

 

Update

Unsere Medaillengewinner:

Gesa Felicitas Krause: Bronze über 3000 Meter-Hindernis

Niklas Kaul: Gold im Zehnkampf

Christina Schwanitz: Bronze im Kugelstoßen

Malaika Muhambo: Gold im Weitsprung

Konstanze Klosterhalfen: Bronze über 5000 Meter

Johannes Vetter: Bronze im Speerwurf

 

Mit zweimal Gold und viermal Bronze gewann der DLV eine Medaille mehr als vor zwei Jahren in London. Wir gratulieren unseren Athleten herzlich.

 

 

 

Quellen: Sportschau, Die Zeit, Der Tagesspiegel,