Yoga ist mehr als ein globaler Trend. Yoga ist dabei weniger eine reine Sportart als vielmehr eine Lebenseinstellung. Es entwickeln sich immer wieder neue Yogaformen, die immer mehr Anhänger begeistern. So hat Yoga den Sprung in die breite Masse geschafft. Yoga ist bereits auch in vielen Unternehmen etabliert und entwickelt sich gerade zu einem festen Bestandteil in der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF).

Für Eilige

Durch das regelmäßige Praktizieren von Yoga werden Körper und Geist eine Einheit, die achtsamer und gesünder mit Stress umgehen kann. Gerade die signifikante Reduzierung von Stress im Berufsalltag ist das größte Argument für Yoga in Unternehmen. Der Arbeitsplatz ist zudem ein Ort, an dem sich Yoga gut umsetzen lässt.

Was Yoga ist und kann. Yoga ist eine indische Tradition, welche ursprünglich zum Ziel hatte, die eigene Persönlichkeit aufzulösen, um den Zustand der Erleuchtung zu erlangen. Die Ursprünge des Yoga sind nicht eindeutig festzumachen, da sie in einer Zeit vermutet werden, aus der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt (1). Ursprünglich war Yoga ein Weg zur Verbindung mit dem Übernatürlichen. Der Lehrmeister Patanjali hat eine besondere Stellung im Yoga. So läuten seine Yogasutren die Sutra-Periode und folglich die klassische Yogalehre ein. Er beschreibt den achtgliedrigen Yogapfad, welcher als Ashtanga-Yoga bezeichnet wird. Inhalt dieses Pfades sind zielgerichtete und detaillierte Methoden, um zum Ziel der eigenen Erkenntnis zu gelangen. Seither entwickelten sich zahlreiche unterschiedliche Varianten des Yoga, welche sich in der Ausführung der Übungen oder aber der Konzentration unterscheiden. Der breiten Masse ist sicherlich das Hatha-Yoga bekannt, da diese Form die am meisten Praktizierte ist (2).

Der Fokus des Yoga hat sich aber auch von der ausschließlich meditativen Praxis hin zur Förderung einer körperbewussten Wahrnehmung verlagert. Mantras werden zwar immer noch gesungen, heute geht es beim Yoga aber auch um die Körperoptik für all diejenigen, die nicht gern klassische Trainingsformen, wie zum Beispiel Krafttraining, nutzen. Vielen dient es als sinnvolle Ergänzung im normalen Trainingsalltag. Seit Jahren wird Yoga immer bedeutender in der Fitness- und Wellnessbranche.

Hinter Yoga stecken viele positive Effekte. Yoga kann zum Beispiel dabei helfen, positive Veränderungen im eigenen Leben umzusetzen, die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und zu mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Körper führen (1). Diese Bandbreite positiver Effekte, gepaart mit einem entsprechend verbundenen Lebensgefühl, macht Yoga so attraktiv für viele Menschen und mittlerweile auch für Leistungsathleten, gerade auch als Regernationsmaßnahme und als mentales Werkzeug gegen Leistungsdruck. Der Stereotyp „Räucherstäbchen und Öko-Klamotten“ ist passé.

Durch das regelmäßige Praktizieren von Yoga werden folglich das Lebensgefühl sowie das Körpergefühl insofern positiv beeinflusst, als der Geist zur Ruhe gebracht werden kann und man zu sich selbst findet. Das in-seiner-Mitte-Sein wirkt sich unmittelbar auf das soziale Umfeld aus, sodass beispielsweise stressauslösende Situationen gelassener angenommen werden können. Aufgaben können entspannter bewältigt werden und dies hat zudem positive Auswirkungen auf das soziale Miteinander. Es ist belegt, dass Yoga positive persönliche Eigenschaften wie Freundlichkeit, Selbstkontrolle und Mitgefühl fördert (3).

Durch eine wachsende Achtsamkeit lässt sich vieles in einem neuen Licht betrachten. Dies gilt nicht nur für den Alltag, sondern auch für das Berufsleben, wobei sich die Grenzen zunehmend vermischen.

Dass Yoga darüber hinaus nicht nur zu einer signifikanten Verbesserung der Flexibilität des unteren Rückens und der Hüfte führt, sondern auch zu einer Steigerung der funktionalen Leistungsfähigkeit des gesamten Bewegungsapparates, der Atmung und des Zusammenspiels von Sympathikus und Parasympathikus, ist hinlänglich erwiesen und bekannt. Denn Yoga stimuliert den Parasympathikus und bringt so das vegetative Nervensystem wieder in Balance. Präzise Bewegungen und bewusst ausgeführte Übungen helfen dabei, den Körper besser zu verstehen und Anspannungen wahrzunehmen.

Gerade diese neugewonnene Verbindung von Geist und Körper gilt als großer Faktor für mehr innere Ausgeglichenheit, Selbstvertrauen und Gesundheit. Und ausgeglichene, effektive, selbstbewusste und gesunde Mitarbeiter sollte jedes Unternehmen als Ziel haben.

Yoga in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Es scheint demnach sinnvoll, dass Yoga in die betriebliche Gesundheitsförderung Einzug findet, was tatsächlich schon in vielen Fällen passiert.

Die Förderung von Bewegung ist ein elementarer Teilbereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. An Yoga als eine mögliche Form der Bewegungsförderung wird in diesem Zusammenhang dabei meist nicht in erster Linie gedacht. Yoga-Interventionen am Arbeitsplatz gelten aber bereits als eine effektive Methode in der Gesundheitsförderung (3). Durch das Ausüben von Yoga erlernen Beschäftigte unter anderem verschiedene Techniken, um zukünftig besser mit arbeitsbedingtem Stress umzugehen (3). Dadurch nerven die Arbeitskollegen und die allgegenwärtige Corona-Pandemie vielleicht ein bisschen weniger.

Yoga gegen negativen Stress. Stress ist der wohl berüchtigtste Feind im privaten und besonders im beruflichen Alltag. Im schlimmsten Fall kann er gravierende individuelle gesundheitliche Folgen haben und so auch finanzielle Verluste für das Unternehmen durch Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste nach sich ziehen. Nachweislich resultieren circa 13 Millionen Krankheitstage aus arbeitsbedingtem Stress, Angstzuständen, Depressionen und Burn-out, was zu einer enormen finanziellen Belastung von Unternehmen, dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft führt. 

Eine oft übermäßige Arbeitsbelastung und Erreichbarkeit, Mobbing oder Konflikte am Arbeitsplatz sind die größten Risikofaktoren, welche diese arbeitsbedingten Stressfaktoren und Krankheitsbilder begünstigen können. Somit stellt Stress ein relevantes Problem in der betrieblichen Gesundheitsförderung dar. Die Bewältigung und Auseinandersetzung mit dieser Problematik ist aktuell eine der wichtigsten Herausforderungen in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Laut einer aktuellen Metaanalyse von Studien führt Yoga als gesundheitsförderliche Maßnahme am Arbeitsplatz zu einer Verminderung des wahrgenommenen Stresserlebens (3).

Durch das regelmäßige Praktizieren von Yoga am Arbeitsplatz gewinnt zudem die eigene Fürsorge an Bedeutung und verringert gleichermaßen die emotionale Erschöpfung. Im Bereich des Wohlbefindens konnte bei Yoga in der betrieblichen Gesundheitsförderung ein gesteigertes Lebensgefühl und die damit einhergehende Zufriedenheit und Zuversicht in Stresssituationen festgestellt werden. Auch führt Yoga hier nachweislich zu einer Steigerung der Widerstandfähigkeit und des Arbeitsengagements der Mitarbeitenden (4).

Umsetzung in Unternehmen. In der betrieblichen Gesundheitsförderung kann Yoga nachweislich zu einer Steigerung der Widerstandfähigkeit und des Arbeitsengagements der Mitarbeitenden führen (4).

Auch in Corona-Zeiten lässt sich Yoga in der betrieblichen Gesundheitsförderung erfolgreich mittels digital-virtueller Formate erfolgreich umsetzen. Beispielsweise wird Yoga beim Trinkwasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsunternehmen Hamburg Wasser erfolgreich als Sparte des Betriebssports durch unsere Betriebssportgemeinschaft Hamburg Wasser e.V. (BSG) angeboten. Im Rahmen des Spartenangebotes wird eine externe Trainerin mit einem Stundensatz vergütet, der durch die Spartenbeiträge der Mitglieder gegenfinanziert wird.

Vor Corona haben die Gruppentermine in Präsenz stattgefunden, seit April 2020 finden diese virtuell mit sogar noch größerer Zusprache als zuvor statt. Anscheinend lässt sich so das Training noch besser mit dem (beruflichen) Alltag vereinen. Hier wird Hatha-Yoga mit Ausrichtung auf den Fluss von Atmung und Bewegung unterrichtet. Eine Stunde beginnt mit einer kurzen Meditation. Danach werden Mobilisationsübungen durchgeführt, die den Körper auf die folgenden Übungen vorbereiten sollen. Eine standardisierte Routine gibt es nicht, die Trainerin gestaltet das Programm abwechslungsreich und nimmt Rücksicht auf mögliche (akute) Beschwerden einzelner Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Es gibt regelmäßig wiederkehrende Übungen, zum Beispiel die verschiedenen Sonnengrüße und Asanas wie Vorbeugen, Rückbeugen, Balanceübungen und Umkehrübungen. Den Abschluss bildet eine Entspannung im Savasana. Savasana bedeutet zu Deutsch „Totenstellung“. Während dieser fünf bis 20 Minuten am Ende einer Yogapraxis liegt man mit geschlossenen Augen und entspanntem Körper bewegungslos auf dem Rücken und spürt einfach in sich hinein. Seit einiger Zeit integrieren wir in dieser Abschlusssequenz auch ein Faszientraining. 

Natürlich kann Yoga direkt durch ein unternehmensinternes BGM- bzw. BGF-Programm erfolgreich angeboten und umgesetzt werden. Eine gute Möglichkeit bietet eine regelmäßig stattfindende aktive Pause, in der Yogaübungen angeboten und durchgeführt werden. Um bestmöglich von Yoga am Arbeitsplatz zu profitieren, bietet es sich an, dieses entweder durch ausgebildete Lehrer und oder interne Multiplikatoren in der Mittagspause oder im Anschluss an die Arbeit beziehungsweise vor dem Antritt durchzuführen.

Besonders wichtig ist es, hier als externer Dienstleister die genauen Rahmenbedingungen und entsprechenden Bedürfnisse der Kunden in Erfahrung zu bringen und dies mit den Verantwortlichen vor Ort abzustimmen:

  • Wann sollte ein entsprechendes Angebot platziert werden?
  • Sind die potenziellen Räume für Yoga geeignet und zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar?
  • Wie viele Beschäftigte können dies dort wahrnehmen?
  • Welches Budget ist für eine solche Maßnahme vorhanden?
  • In Zeiten der Corona-Pandemie ist es ebenfalls zwingend notwendig, ein entsprechendes Angebot digital umsetzen zu können.

Ein guter Verdienst. In jedem Fall ist es sinnvoll, Yoga in das eigene Angebot als externer Dienstleister aufzunehmen und aktiv zu vermarkten, da dies immer öfter auf Interesse seitens BGM- und BGF-Verantwortlicher stößt. Um deren Hemmschwelle zu senken, kann es sinnvoll sein, eine Pilotphase im Unternehmen zu vergünstigten Konditionen anzubieten, denn bei einem erfolgreichen Verlauf ergibt sich daraus meist eine langfristige Zusammenarbeit, und das bedeutet einen langfristigen Umsatz. 

Eine sinnvolle Marketingmaßnahme kann auch die Platzierung eines Angebotes bei Anbietern von Gutscheinsystemen für Beschäftigte sein. Hier können Unternehmen gesundheitsförderliche Maßnahmen für ihre Beschäftigten mit einem festgelegten Budget unterstützen. Insbesondere bei erfolgreicher Zertifizierung eines Präventionsangebotes nach § 20 SGB V des Präventionsgesetzes ist diese finanziell gesehen für Unternehmen besonders interessant. Bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr kann ein Unternehmen lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei für entsprechende Maßnahmen zur Gesundheitsförderung aufwenden. Hier ist eine Kooperation mit gesetzlichen Krankenkassen sehr sinnvoll, da diese Unternehmen bezüglich solcher Maßnahmen und deren Umsetzung beraten.

Praxistipps

  • Empfiehl deinen Kunden, Yoga direkt vor Arbeitsbeginn oder nach Arbeitsende zu integrieren.
  • Es ist empfehlenswert, Yoga als festen Bestandteil des Betriebssports (wenn vorhanden) zu implementieren.
  • Biete diesbezüglich verschiedene Stile, wie Vinyasa- oder Yin-Yoga, an.
  • Identifiziere und wähle einen geeigneten Raum im Unternehmen aus.
  • Biete Yoga auch als bewegte Pause direkt am Arbeitsplatz (auch digital) an.
  • Biete Yoga auch digital an, um Yoga „on Demand“ digital verfügbar zu machen.
  • Erstelle hierfür virtuelle Formate, z. B. über abrufbare Videos.

Literatur 

  1. Iyengar BKS. 2010. Licht auf Yoga: Das grundlegende Lehrbuch des Hatha-Yoga. München: Otto Wilhelm Barth Verlag
  2. Deutzmann H. 2002. Yoga als Gesundheitsförderung. Grundlagen, Methoden, Ziele und Rezeption. Wuppertal: Books on Demand GmbH
  3. Della Valle E. et al. 2020. PubMed: Effectiveness of Workplace Yoga Intervention to Reduce Perceived Stress in Employees: A Systematic Review and Meta-Analysis. ll.rpv.media/2-m. Zugriff am 12.04.2021
  4. Kaeding TS. (Hrsg.) et al. 2019. Die vitale Firma: So bringen Sie ihre Mitarbeiter in Bewegung. München: Richard Pflaum Verlag