Aktuell durchläuft der Gesundheitsmarkt mit all seinen Akteuren einen Wandel. Fachpersonal ist Mangelware und Gesundheitsmaßnahmen erfinden sich neu. Trainer, Gesundheitsexperten und medizinisches Fachpersonal rücken näher zusammen. Für alle Berufsgruppen entstehen gemeinsame und gleichzeitig auch neue Handlungsfelder. Dieser Wandel zeigt sich auch in der Weltleitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit: Im April 2020 öffnet diese nun schon zum 36. Mal ihre Pforten. Wir sprachen mit Silke Frank, Event Director der FIBO, über die Must-haves und die Zukunft der Branche.

Welche Trends setzen sich 2020 durch?

Wearables, HIIT, Groupfitness und das Training mir freien Gewichten oder einem Personal Trainer gehören in der Fitness- und Gesundheitsbranche klar zu den Toptrends 2020. Das bestätigt auch das ACSM, das jährlich auf Basis einer umfangreichen Befragung von Fitnessexperten die Trends für das kommende Jahr veröffentlicht.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung im zweiten Gesundheitsmarkt?

Wir sehen die Prävention als Motor des zweiten Gesundheitsmarktes. Hierzu zählt insbesondere die Fitness- und Wellnessbranche. In diesen Bereichen können wir die Auswirkungen der Digitalisierung klar beobachten. Apps lassen sich mit Trainingsgeräten verbinden und bieten über Angaben zu Trainingseinheit oder Kalorienverbrauch Möglichkeiten der Gestaltung von individuellen Trainingsplänen. Aber nicht nur die Produkte selbst und das Anwenderverhalten sind betroffen. Die Digitalisierung verändert auch Marktmechanismen, an die wir uns gewöhnt haben. Aggregatoren bieten heute potentiellen Kunden eine Mitgliedschaft, die die freie Nutzung vom Yoga bis zum Fitnessstudio in der eigenen Stadt ermöglichen. Der Kundennutzen und die flexible Auswahl bestimmen das Angebot. Die Betreiber von Sport- und Fitnesseinrichtungen rechnen dadurch mit zusätzlichen Kunden, die nach Möglichkeit im Anschluss auch Mitglieder werden.

Dieses Jahr gibt es auf der FIBO ein neues Hallenkonzept. Wie wird das aussehen?

Die Themen Prävention, Rehabilitation und Therapie sind bereits seit Jahren fester Bestandteil. Die neue Halle 8 bietet zukünftig einen gebündelten Überblick über medizinische Therapie- und Trainingsgeräte, die in Reha-Abteilungen der Kliniken, Therapieeinrichtungen und Physiotherapiepraxen einsetzbar sind. Das Ausstellerangebot erstreckt sich von der Praxiseinrichtung über Abrechnungssysteme, Therapiegeräte und -liegen, Bedarfs- und Verbrauchsartikel bis hin zu Beratungs- und Fortbildungsangeboten. Herzstück der Halle ist der Meetingpoint Health, der ab 2020 den Meetingpoint Physio ersetzt und das Thema damit ganzheitlicher in den Fokus rückt. Themen wie BGM, Yoga und Wellness sowie praxisorientierte Workshops, Vorträge und Expertentalks zu Themen wie Gesundheit, Therapie und Training runden das Angebot der Halle ab.

Warum diese neue Aufstellung?

Wir erleben gerade, dass sich der Markt verzahnt. Viele Fitnesseinrichtungen integrieren immer stärker die Themen Gesundheit, Medical Fitness oder Physio. Das neue Konzept der Halle 8 spiegelt diese Entwicklung wider. Sie bietet Fitnessstudios Lösungen an, wie sie sich stärker auf den Gesundheitsmarkt ausrichten können.

Es heißt immer wieder, die Fitness- und die Gesundheitsbranche müssten sich mehr verzahnen. Zwei bekannte Gründe sind die Entwicklung des Gesundheitssystems und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten. Ist das auch Ihre Meinung?

Schon heute besteht in unterschiedlichsten Formen eine Zusammenarbeit zwischen der Fitnessbranche und der Physiotherapie. Die Gründe sehen wir hauptsächlich darin, dass Ärzte, Physiotherapeuten und die Medien über die Problematik des Bewegungsmangels informieren. In den letzten Jahren hat ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden. Das Bewusstsein in der Bevölkerung für mehr Muskel- und Ausdauertraining wächst. Bei Verletzungen oder Krankheiten des Bewegungsapparates ist es der Physiotherapeut, der die Aufbauarbeit leistet und dann ein regelmäßiges Training empfiehlt. Diese Entwicklung wird von immer besser ausgebildeten Trainern in den Fitnessstudios begleitet.

Wie gelingt solch eine Verzahnung in den Branchen?

Wichtig ist, dass die Betreiber von Fitnessstudios und die Physiotherapie offen und ehrlich miteinander umgehen. Die Betreiber  sind oft die besseren Betriebswirte. Sie verstehen es, ihre Leistungen zu vermarkten und sind auf den wirtschaftlichen Erfolg fokussiert. Das ist beim Physiotherapeuten anders. Für ihn steht das Wohl seines Patienten im Vordergrund, worüber er sein eigenes Wohl leider oft aus dem Blick verliert. Trotz dieser sehr verschiedenen Art können beide Seiten Gutes tun und dabei auch wirtschaftlich partizipieren. Es gibt viele Beispiele, bei denen Physiotherapeuten erfolgreich einen Trainingsbereich für Selbstzahler integriert haben oder Fitnessstudios, die erfolgreich eine Physiotherapie in ihrer Einrichtung etabliert haben. Von diesen BestPractice-Anwendungen kann man lernen.

Wie wird das Trainings- und Gesundheitspersonal zukunftsfit?

Fortbildungen sind hier ein wichtiges Stichwort. Deshalb haben wir unter anderem auch ein Kongressprogramm auf der Agenda. Bei der kommenden FIBO wird es beispielsweise Programmpunkte rund um Ernährung, Mentaltraining, Boutique Studios oder auch zur Neuroathletik geben. Genauso aber auch Fachwissen zu Marketingstrategien, zum Einsatz von Social Media sowie Tipps rund um die Existenzgründung und einen erfolgreichen Businessplan.

… und was sollte ein Trainer heutzutage durchaus in petto haben, um am Markt zu bestehen?

Neben einer umfassenden Ausbildung müssen Trainer die Möglichkeit haben, sich aus- und fortzubilden. Es kommen regelmäßig neue Trainingsmethoden und -technologien auf den Markt, die ihn bei seiner täglichen Arbeit unterstützen. Auch das richtige Handwerkszeug zur Selbstvermarktung ist heute wichtiger denn je. Hier muss er sich uptodate halten können.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Sabrina Harper.

Surftipp

Das komplette Programm der FIBO ist unter https://www.fibo-congress.com/programm/ einsehbar.

Gesprächspartnerin

Silke Frank ist seit 2017 Event Director der FIBO. Die gebürtige Düsseldorferin ist seit über 19 Jahren für Reed Exhibitions im internationalen Messegeschäft tätig und hat das Metier in allen Funktionen von Grund auf erlernt. Zuvor leitete sie als Event Director die PSI, Europas größte Messe der Werbeartikelwirtschaft, die jährlich in Düsseldorf stattfindet. In dieser Funktion war sie auch für die globalen PSI-Messeaktivitäten verantwortlich.