Manch Psychologe rät davon ab, sich gute Vorsätze für das neue Jahr vorzunehmen, denn das endet oft im Frust. Vielmehr sollte man fortwährend in kleinen Schritten an sich arbeiten. Für 2019 heißt es also: nicht Ziele fassen, sondern Komfortzone verlassen.

Was ich am Trainerjob so reizvoll finde? Dass er seit 20 Jahren dafür sorgt, dass ich die Komfortzone verlassen muss. Warum ist das gut? Weil nur außerhalb der Komfortzone das wahre Leben, prickelnde Abenteuer und höhere Ziele liegen. Meine Komfortzone zu verlassen, bedeutet für mich nichts anders, als mich persönlich weiterzuentwickeln, meine Fähigkeiten zu erweitern und auf Menschen zuzugehen. Nur so schaffe ich mir eine Komfortzone, die alles für mich bereithält, um als eigenständiger Mensch glücklich zu sein – und um andere und vor allem meine Nächsten glücklich zu machen.

Als Personal Trainer habe ich immer wieder schon im Erstgespräch realisiert, wie sehr viele Menschen in ihrer Komfortzone gefangen waren und hier nichts anderes als Frust, Neid und Konkurrenzkampf erlebten, beruflich und sogar privat. Das ist kein Leben. Mir war es dann immer sehr wichtig, diesen Menschen gleich beim ersten Treffen aufzuzeigen, dass sie sich bereits außerhalb ihrer Komfortzone befinden: Sie zeigten ja schon absoluten Mut zur Veränderung, indem sie mich kontaktierten, und sind dadurch dabei, sich von ihrer Lebensstagnation zu entfernen. Meilensteine im Leben sind sicherlich der Bund fürs Leben, Kinder zu bekommen, ein Haus zu bauen oder beruflich erfolgreich zu sein. Das ist für mich ein durchaus positives Beiwerk (m)eines Lebens. Was einen aber wirklich definiert, sind die Momente, in denen man sich selbst(bestimmt) persönlich weiterentwickelt, immer näher an sein eigentliches Ich heranrückt, mutige Handlungen zu Erfahrungen und Erfahrungen zu Weisheiten werden. So schließt sich der Kreis des Lebens für einen persönlich immer weiter, bis man bei sich selbst angekommen ist. Manche schaffen das früher, manche später – und manche kommen dort nie an. Für mich ist das der Sinn des Lebens: mit sich selbst eins zu sein, denn dann kommt vieles „von alleine“. Als Trainer müssen wir die Menschen neben all der körperlichen Förderung und Forderung an der Grenze ihrer Komfortzone abholen, um sie mit Sport, dem Überwinden von Grenzen und positiven (Sport-)Erfahrungen in das wahre Leben hinein zu begleiten. Bis sie in der Lage sind, mit neuem Selbstvertrauen und einem anderen Selbstbild eine neue, wahrhaftige Komfortzone aufzubauen, in der sie voller Optimismus jeden Morgen erwachen.

In diesem Zusammenhang möchte ich euch eine Erfahrung schildern, die ich als Ausbilder gemacht habe. Ich referiere und lehre verschiedenste fachsportliche Themen. Doch mein Highlight ist eine bestimmte Arbeitsaufgabe, die ich unseren Teilnehmern im Seminar „Mentalcoaching“ stelle: Sie sollen eine Lebenscollage kreieren. Mit Bildern, Texten, Zahlen und Sprüchen sollen sie die Idealvorstellung ihres Lebens und ihre aktuellen Ziele darstellen. Während die einen schon fleißig loslegen, sitzen andere teilweise 20 Minuten wort- und tatenlos da – die Aufgabe fällt ihnen schwer, denn sie müssen sich nun auf einmal nur mit sich selbst befassen. Aber plötzlich ist der Groschen gefallen, das Unterbewusstsein ist offen, und es sprudelt: Bilder werden aus Zeitschriften ausgeschnitten, es wird gegoogelt, gezeichnet und geklebt, bis das DIN-A3-Blatt voll ist. Diese Atmosphäre der kreativen Lebensgestaltung, das emotionale Knistern der Vorfreude auf das Leben, das man gerade entwirft, ist mein Seminar-Highlight – und ich bin sehr glücklich, dass ich das innerhalb meiner persönlichen Komfortzone erleben darf.

Macht euer Leben also zu einem Highlight, denn es ist keine Probeversion!