Gerade in Zeiten von Corona und vermehrter Homeoffice-Tätigkeit haben sich mehr Menschen denn je ihren lang ersehnten Traum eines eigenen Hundes erfüllt. Doch die Zeit ist immer noch knapp und sowohl der Vierbeiner will beschäftigt werden als auch das eigene Training soll vorangehen. Für alle, denen das Spazierengehen und Stöckchenwerfen nicht genügt, ist Sport mit dem Hund eine Alternative, die körperlich ambitionierten Hundebesitzern und ihren Vierbeinern eine herausfordernde und durchaus spaßige Möglichkeit der gemeinsamen Aktivität bietet.

Leichtathletik mit Hund. Viele Menschen denken bei Hundesport in erster Linie an eine aktive Beschäftigungsmöglichkeit für den Hund, bei der dessen Besitzer weder viel tun muss, noch besonders sportlich ist. Wer allerdings einen Blick in den aktiven Turnierhundsport wirft, kurz THS, mit seinen Wettkämpfen und bundesweiten Meisterschaften, wird schnell feststellen, dass es sich hierbei um einen weit verbreiteten Irrglauben handelt. Die Prüfungsordnung des Verbands für das Deutsche Hundewesen e. V. bezeichnet diese Sportart nicht umsonst als Leichtathletik und Breitensport mit Hund. Diese Bereiche unterteilen sich in verschiedene Einzel- sowie Mannschaftsdisziplinen. Sie werden stets nach der Laufzeit bewertet, die das gesamte Mensch-Hund-Team benötigt, um unterschiedliche Parcours zu überwinden.

Den größten Anspruch an die zwei- und vierbeinigen Sportler stellt dabei der „Vierkampf“ dar, als Kombination aus Gehorsamsübungen, einem Slalomlauf, einem Hürdenlauf sowie einer Hindernisbahn. Im Gehorsam zeigt der Hundeführer mit seinem Hund ein vorgegebenes Laufschema mit verschiedenen Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Steh“. Ähnlich der Dressur im Reitsport, wird hier die genaue Ausführung und das freudige Arbeiten des Tieres bewertet. Beim Slalomlauf durchläuft das Mensch-Hund-Team so schnell wie möglich gemeinsam einen Parcours aus Toren, vergleichbar mit Skislalom. Im Hürdenlauf überspringen Hund und Herrchen bzw. Frauchen in möglichst wenig Zeit parallel Hürden mit einer Höhe von bis zu 40 cm, welche durch eine Wendestange in U-Form angeordnet stehen. Die 75 m lange Hindernisbahn, bestehend aus Sprüngen, Tunnel, Steilwand, Tonne und weiteren Hindernissen, gilt es möglichst fehlerfrei durch den Vierbeiner zu überwinden, während der Mensch nebenher sprintet. Dabei unterschreiten die besten Teams Deutschlands sogar die 9-Sekunden-Marke. Die Ergebnisse dieser vier Einzeldisziplinen bilden dann am Ende des Wettkampfes eine Gesamtwertung. 

Verschiedene Formate. Für Ausdauersportler bietet die Disziplin „Geländelauf“ die Möglichkeit, sich mit anderen Mitstreitern auf einer Distanz von wahlweise 1.000 m, 2.000 m oder 5.000 m zu messen. Hierbei legt der Läufer so schnell wie möglich eine vorgegebene Strecke durch Wald und Wiese mit seinem angeleinten Hund zurück. Der Vierbeiner kann seinen menschlichen Teampartner dabei optional über ein spezielles Zuggeschirr unterstützen, um so die Laufgeschwindigkeit zu erhöhen.

Der „CSC – Combination Speed Cup“ gilt als die populärste Mannschaftsdisziplin im Turnierhundsport. Hierbei besteht eine Mannschaft aus drei Mensch-Hund-Teams, die jeweils unterschiedliche Hindernisparcours mit verschiedenen Ansprüchen durchlaufen. Die Paare durchqueren ihre jeweilige Sektion hintereinander, vergleichbar mit einem Staffellauf, und am Ende werden alle Laufzeiten sowie mögliche Fehlerpunkte der Mannschaft zusammengerechnet. Trotz der körperlichen und koordinativen Ansprüche, ähnlich wie im Bereich der Leichtathletik, kann diese Art des Hundesports jeder gesunde Mensch betreiben, der aktiv Zeit mit seinem Vierbeiner verbringen möchte. Durch die Einführung der Sparte „PARA-Athletik mit Hund“ besteht mittlerweile auch für schwerbehinderte Menschen die Möglichkeit, unter angepassten Wettkampfbedingungen und mit gesonderter Wertung aktiv am Turnierhundsport teilzunehmen.

Hunderassen. Auch bei den Hunderassen gibt es laut Prüfungsordnung keinerlei Einschränkungen. Mithilfe eines gezielten Trainingsaufbaus können selbst kleine Rassen, wie beispielsweise Möpse oder Chihuahuas, großen Spaß daran haben, über entsprechende Hindernisse zu springen und sich auf einem Hundeplatz auszutoben. Auf höheren Meisterschaften sind vor allem sehr leistungsbereite Hunde verbreitet, zum Beispiel belgische oder holländische Schäferhunde und verschiedene Hütehundrassen, wie Australian Shepherds, aber auch vereinzelt Vertreter von Arbeitslinien der Golden Retriever, sowie Labrador Retriever. Grundsätzlich hängt die Eignung eines Hundes für THS vom Trieb, dem Arbeitswillen und in erster Linie der Freude am Sport mit seinem Besitzer ab. Diese Eigenschaften können, neben einer gut strukturierten Basisausbildung im Gehorsam, vor allem über einen positiv geprägten Trainingsaufbau in einem Hundesportverein gefördert werden.

Anforderungen an den Athleten. Da in den allermeisten Fällen die Vierbeiner als erstes im Ziel ankommen, die Laufzeit jedoch erst gestoppt wird, wenn auch der Mensch das Abschlusstor durchläuft, liegt bei diesem oft das größte Potential. Um auch überregional auf deutschen Meisterschaften erfolgreich zu sein, braucht ein Hundesportler je nach Disziplin sowohl Sprintstärke und Agilität, als auch Ausdauer. Somit muss das Trainingsprogramm eines solchen Athleten neben dem spezifischen Techniktraining der Parcourslaufwege mit seinem Hund ebenfalls ein gezieltes Sprinttraining für die geforderten Kurzdistanzen von 40 m bis 75 m beinhalten. Da es sich hierbei um unübliche Strecken außerhalb der Leichtathletik handelt, entscheiden vor allem der Start sowie die Beschleunigung über den Erfolg des Läufers. Dies trainiert der Sportler über kurze, intensive Sprints von 30 m bis 40 m und explosive Starts gegen den Widerstand von Bändern. Um die Endgeschwindigkeit zu verbessern, sprintet der Athlet über Distanzen von maximal 100 m. 

Zur Verbesserung der Stabilität – und damit der Optimierung des Kraftübertrags in den Boden – trägt begleitendes Krafttraining im Muskelaufbau- und Maximalkraftbereich bei. Hierbei liegt der Fokus des Unterkörpertrainings auf einseitigen Übungen zur Stabilisierung der Beinachse, wie beispielsweise Ausfallschritte, einbeinige Kniebeugen und Step-Ups. Das Training der Körpermitte besteht in erster Linie aus dynamischen, reaktiven Übungen, wie zum Beispiel Leg Lowering oder Dead Bugs und Anti-Rotations-Übungen, wie die Pallof Press, um auch bei hoher Agilität in Wendungen eine stabile Körperachse zu behalten. Um den Sprint durch kraftvolle Armbewegungen unterstützen zu können, beinhaltet das Trainingsprogramm ebenfalls Kräftigungsübungen zur Stabilisierung des Schultergürtels wie Liegestütze oder Bankdrücken (Abb. 1-7). Hinzu kommt noch je nach Disziplin ein begleitendes Intervall-Ausdauertraining.

Somit bietet gemeinsamer Sport, neben einer stärkeren Beziehung zwischen Mensch und Hund, auch noch die Möglichkeit, athletisch über sich hinaus zu wachsen.

Praxistipps

  • Trainiere mit Hundesportlern kurze Sprints außerhalb klassischer Distanzen der Leichtathletik.
  • Verbessere vor allem Antritt und Beschleunigung als entscheidende Erfolgsfaktoren.
  • Kräftige die Beinachsen auch einseitig.
  • Stabilisiere die Körpermitte reaktiv gegenüber äußeren Krafteinwirkungen.