Depression ist, obwohl in der Gesellschaft weitverbreitet, nur ein Randthema – im (Spitzen-)Sport noch mehr als in der breiten Öffentlichkeit. Nur wenn ein Sportler offen über seine Depression spricht, als Folge seine Karriere beenden muss oder sich etwas antut, schwappt die „Depression ist im Sport verbreitet, wir müssen etwas tun“-Welle durch die Republik. Der Coach und frühere Leistungssportler Janni Giannikakis beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Zusammenhang von Bewegung und Depression. Er sagt: Wir müssen im Sport Bewegung neu definieren, denn Bewegung ist nicht gleich bewegen.

Janni, du beschäftigst dich seit einiger Zeit intensiv mit dem Themenkomplex Bewegung, Burnout, Burnouttherapie. Warum?

Ich habe als Bewegungstherapeut immer wieder mit Menschen gearbeitet, die ausgebrannt waren. Ganz gewöhnliche Kunden, die normalen Jobs nachgingen: Manager, Facharbeiter, IT-Spezialisten und so weiter. Das liegt etwa sieben, acht Jahre zurück. Ich habe mir damals überlegt, wie ich ihnen helfen kann, und habe dann Bewegungsprogramme für Menschen konzipiert, die sich üblicherweise im Büro zu wenig bewegten und sich durch sie besser fühlten. Parallel dazu habe ich aber auch viele Profisportler betreut – Fußballer, Handballer, Einzelsportler. Die hatten in ihrem Alltag sehr viel Bewegung, zeigten aber trotzdem die gleichen Symptome. Das hat mein Interesse geweckt. Ich habe viel recherchiert und erkannt, dass wir Bewegung und Sport neu definieren müssen, wenn wir das Thema Burnout oder Depression betrachten. Bewegung ist in dieser Beziehung nicht gleich „sich bewegen“.