Der digitale Wandel ist in vollem Gange: Die technologischen Entwicklungen schreiten rasant voran und haben schon jetzt viele Bereiche unseres Lebens grundlegend verändert. In der Sportbranche nutzt bereits jeder Fünfte diese Services. Selbst ein eigener Masterstudiengang „Digitalisierung im Sport“ wurde ins Leben gerufen. Auch bei Freizeitsportlern haben sich Lauf-Apps oder auch digitale Ernährungstagebücher etabliert. Trotz kritischer Betrachtung der zunehmenden Digitalisierung gilt es für uns Trainer diesen Wandel zu nutzen.

Im Regenerationsmanagement werden Virtual Reality und verschiedene Software-Lösungen genutzt. Unter Regenerationsmanagement versteht man den Einsatz zielgerichteter Maßnahmen mit „klarem Handlungscharakter“, bei denen „durch geplante und kontrollierte Maßnahmen im Anschluss an eine Beanspruchung die subjektiv bestmögliche Voraussetzung für die Bewältigung bevorstehender Anforderungen angestrebt werden“ (1). Es geht also darum, durch entsprechende Regenerations- beziehungsweise Erholungszeiten eine optimale Adaptation an den gesetzten Trainingsreiz zu erreichen. Erfolgreiches Training ist demnach durch eine optimale Wechselbeziehung von Trainingsreiz und Trainingsanpassung gekennzeichnet.

Diese Wechselbeziehung läuft nicht nur in den verschiedenen Strukturen (muskulär, hormonell, zentralnervös), sondern auch von Athlet zu Athlet sehr unterschiedlich ab.

In Teamsportarten wie Fußball oder Basketball, bei denen mehrere Athleten als Team agieren und vor allem auch gemeinsam trainieren, ist es erheblich schwerer, allen Sportlern gerecht zu werden und sie individuell zu belasten. In den vergangenen Jahren ist in diesem Zusammenhang der Begriff Load-Management, also das Management der Belastungsreize, in den Vordergrund gerückt. Wie bereits beschrieben, setzt eine Belastung eine entsprechende Regeneration voraus. Folglich geht es nicht nur darum, die Belastung zu managen, sondern auch die Erholung.

Als Belastungs- beziehungsweise Erholungsmanagement hat sich das Monitoring durchgesetzt. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet „Überwachung“. Durch eine strukturierte Erfassung und die Analyse verschiedener Parameter soll die Belastung bestimmt und mithilfe dieser Daten das Training gesteuert werden. Grundlage hierfür ist der Zusammenhang von zu hohen Trainingsintensitäten und -umfängen sowie Überlastungen und Verletzungen und eine dementsprechende Einschränkung der Leistungsfähigkeit an Trainings- und Spieltagen.

Um Belastungsspitzen, sprunghafte Belastungssteigerungen oder zu früh gesetzte Trainingsreize zu vermeiden, wird beim Monitoring für jeden Athleten die individuelle Trainings- und Spielbelastung überwacht. Durch verschiedene Parameter kann auf die momentane körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und damit auch auf das Erholungslevel geschlossen werden.

Beim Monitoring kann sowohl die interne als auch die externe Belastung eines Athleten überwacht werden. Eine Möglichkeit zur Erfassung der internen Belastung ist die Erhebung verschiedener subjektiver Parameter des Sportlers. Bislang geschieht dies mithilfe von Fragebogen. Die Vorgehensweise sieht dabei wie folgt aus: 24 Athleten eines Teams sollen vor dem nächsten Training einen sogenannten Wellness-Questionnaire mit zehn Fragen zum individuellen Regenerationszustand beantworten. Dazu erscheinen die Athleten 30 Minuten vor dem Training und haben dann 15 Minuten Zeit, um die Fragen zu beantworten. Dies dauert generell 15 Minuten, wodurch zur Analyse und Ableitung der entsprechenden Trainingsinhalte nur 15 Minuten verbleiben; das ist zeitlich sehr knapp bemessen. Hinzu kommen dann noch 24 Ausdrucke, die mit Schreibmaterial in der Kabine vorzubereiten sind. Ein sehr aufwendiges und letztendlich wenig praktikables Verfahren.

Fragebogen zur Regeneration klassischJesper Schwarz
Fragebogen zur Regeneration klassisch

Genau so haben wir unsere Athleten über Jahre hinweg „gemonitort“ – und so oder so ähnlich wird es noch heute vielfach gehandhabt. Dieses aufwendige und unpraktische Vorgehen ist häufig ein Grund, warum das eigentlich so wichtige Monitoring wieder eingestellt wird.

Die Digitalisierung liefert für diesen Fall eine gute und praktikable Lösung einer entsprechenden mobilen App. Hier können die Athleten nun die Fragen zum Regenerationszustand schnell verfügbar auf ihrem Smartphone beantworten. Dieser digitale Service hat gleich mehrere Vorteile:

1. Hohe Verfügbarkeit der Daten in Echtzeit

Die Athleten können die Fragen ganz in Ruhe zu einer vorgegebenen Zeit beantworten. Die Ergebnisse erscheinen direkt im Dashboard des Trainers. Dadurch müssen die Athleten nicht mehr auf dem Trainingsgelände anwesend sein; bereits am Morgen können alle Informationen eingeholt und das Training entsprechend vorbereitet werden – dies steigert sowohl die Effektivität als auch die Individualität des Trainings.

2. Hochwertigere Daten

Die Antworten werden in das eigene Smartphone eingegeben, während die Athleten sich vollkommen auf sich konzentrieren und keinen Blick auf die Antworten der Teamkollegen in der Kabine werfen können. Dadurch erhöht sich sowohl die Quantität als auch die Qualität der Antworten. Je ehrlicher die Athleten die Fragen beantworten, desto besser können entsprechende Trainingsableitungen getroffen werden.

3. Zeitersparnis

Durch die Digitalisierung des Questionnaires kann die Bearbeitungszeit für alle Beteiligten auf ein Minimum reduziert werden. Die Athleten öffnen die Anwendung, wählen den entsprechenden Fragebogen aus und geben ihre Antworten – alles in allem dauert dieser Vorgang nur noch wenige Minuten. Auch der Trainer wird durch den digitalen Service extrem entlastet: Er erhält alle Daten bereits automatisiert ausgewertet in sein Dashboard. Durch die in der Software hinterlegten Algorithmen kann sich der Trainer blitzschnell verschiedene Informationen anzeigen lassen und für sein Training nutzen.

Regenerations-Analyse per AppJesper Schwarz / evoletics
Regenerations-Analyse per App

Ein weiterer digitaler Service ist das Global Positioning System (GPS). Die GPS-Messung hat einen enormen Mehrwert in der Praxis der Trainingssteuerung und ist mittlerweile schon sehr weit verbreitet. Mithilfe des GPS-Trackings kann der External Load bestimmt werden: Dabei handelt es sich um objektive Angaben über die verrichtete Arbeit eines Athleten, unabhängig von seinen internen Voraussetzungen gemessen (siehe Wellness-Questionnaire).

Der External Load repräsentiert das Trainingsvolumen (Zeit), die Trainingsintensität (zurückgelegte Distanz, Anzahl an Sprints et cetera) und/oder die Geschwindigkeit und wird mittels eines kleinen Sensors und eines Brustgurts oder einer entsprechenden Weste exakt erhoben. Die GPS-Messung eignet sich damit hervorragend für die Trainingssteuerung, da die Validität und die Reliabilität von GPS-Messungen bereits mehrfach überprüft wurde. (2)

Das GPS-System ermöglicht die Erfassung einer Vielzahl von Parametern. Wie in allen anderen Bereichen wollen wir auch bei der Analyse der Laufdaten nur Werte erheben, die auch für die Ableitung der Trainingspraxis relevant sind. Daher ermitteln wir in jeder Einheit folgende Faktoren:

  • Total Distance (m) = zurückgelegte Strecke
  • High Speed Running (m) = zurückgelegte Strecke über 20 Kilometern pro Stunde
  • Intensity Running Distance (m) = zurückgelegte Strecke in hoher Intensität
  • Very High Intensity Running Distance (m) = zurückgelegte Strecke in sehr hoher Intensität
  • Meter pro Minute (m) = durchschnittlich zurückgelegte Meter pro Minute

Anhand der Daten kann für jeden Athleten ein aussagekräftiges Bewegungs- und Belastungsprofil erstellt werden. Einige Fragen, denen mithilfe der Objektivierung dieser Daten auf den Grund gegangen werden kann, sind:

  • Wie weit/schnell ist ein Athlet gelaufen?
  • Wie viele Sprints hat der Athlet durchgeführt?
  • Wie schnell kann der Athlet auf bestimmten Distanzen beschleunigen?

Außerdem können damit auch Positionsunterschiede in Laufleistung und -intensität dargestellt werden.

Die Performance in Teamsportarten ist immer eine Kombination aus Taktik, Technik, mentaler und physischer Leistungsfähigkeit. Mithilfe der über GPS erfassten Daten lassen sich vor allem die physischen Leistungsparameter erheben. Neben der fußball- beziehungsweise trainingsspezifischen Interpretation im Hinblick auf das Trainingsziel werden die Daten auch in das Monitoringsystem eingepflegt und in Zusammenhang mit den anderen erhobenen Parametern gesetzt. So ergibt sich ein ganzheitliches Bild über die aktuelle Leistungsfähigkeit der einzelnen Athleten.

Eine einfache Methode zur Überprüfung des Load-Managements ist die Acute:Chronic Workload Ratio (ACWR). Der Acute Load zeigt den durchschnittlichen Load der letzten sieben Tage; der Chronic Load stellt den durchschnittlichen Load der letzten 28 Tage dar. Das Verhältnis von Acute Load (Müdigkeit) zu Chronic Load (Fitness) wird unter ACWR ermittelt und dargestellt. Das Verhältnis selbst wird berechnet, indem der Acute Load durch den Chronic Load geteilt wird. Verschiedene Untersuchungen (3) zeigen einen Zusammenhang von ACWR und dem Verletzungsrisiko: Überwiegt die Müdigkeit gegenüber der Fitness, steigt das Verletzungsrisiko an. Dieses Verhältnis von akuter und chronischer Belastung wird für die fünf zuvor dargestellten Parameter automatisch in der Software berechnet. Der Trainer erhält somit einen einfachen und schnellen Überblick, in welchem Zustand sich seine Athleten befinden und welche Trainingsinhalte und Umfänge zu einem optimalen Verhältnis von Belastung und Erholung führen.

Acute:Chronic Workload RatioFlorian Münch, Bearbeitung: Pflaum Verlag
Acute:Chronic Workload Ratio

Die digitalen Services erleichtern die Arbeit eines Trainers enorm. Mithilfe der vorgestellten Anwendungen sind neben der Erhebung des Wellness-Questionnaires noch viele weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Regeneration gegeben. Denn wir müssen immer daran denken, dass der Trainingsprozess nur einen Bruchteil der verfügbaren Zeit eines Athleten einnimmt, in dem er unter der Kontrolle des Trainers steht. Durch eine entsprechende digitale Lösung kann der Athlet aber auch außerhalb der Trainingszeit in den Bereichen Ernährung (digitales Ernährungsprotokoll), Schlaf (digitales Schlafprotokoll) oder mittels weiterer Interventionen wie Übungsvideos, Arbeitsblättern et cetera betreut und kontrolliert werden.

Online TrainingssteuerungJesper Schwarz / evoletics
Online Trainingssteuerung

Praxistipps

  • GPS ist mittlerweile fester Bestandteil im Sport – nutze es um den External Load zu bestimmen.
  • Der Session RPE (srpe) ist ein einfaches und kostengünstiges Tool, um den Internal Load zu erfassen.
  • Mit Hilfe eines Umfrage-Tools (webbasiert oder mobile Applikation) kannst du viele Daten über die Athleten in Echtzeit erheben.
  • Ein guter Umgang mit den verschiedenen Office-Anwendungen ermöglicht dir gerade im Bezug auf die Datenauswertung eine hohe Zeitersparnis.

Literatur

  1. Renzland J, Eberspächer H. 1988. Regeneration im Sport. Köln: bps-Verlag
  2. Scott MT, et al. 2016. The validity and reliability of global positioning system in team sports: a brief review. J. Strength Cond. Res. 30; 5:1470–1490
  3. Gabbett TJ. 2016. The training-injury prevention paradox: should athletes be training smarter and harder? Br. J. Sports Med. 50:273–280