EMS oder auch Elektromyostimulation ist eine gefragte Erweiterung zur normalen Trainingseinheit. Angeboten wird sie in sogenannten Mikrostudios und definiert sich vor allem durch eine intensive Betreuung in einem kleinen Rahmen. Welche Vorteile das Training mit EMS für den Körper hat, zeigen die Studien unseres Experten.

Mehrwert des Ganzkörper-EMS. Prof. Dr. Wolfgang Kemmler, Sportökonom und Forschungsdirektor der Universität Erlangen-Nürnberg, befasst sich in seiner Forschung intensiv mit dem Thema Ganzkörper-Elektromyostimulation (EMS). Seine Studien verzeichnen erste positive Ergebnisse bei Sarkopenie, Adipositas und Osteoporose. Die Schlüsselfigur des EMS-Trainings ist für ihn der Trainer, der unbedingt geschult und kompetent sein sollte. Darüber hinaus zeugt eine gute Interaktion zwischen Probanden und Trainer von hoher Relevanz. Insbesondere bei Übungen in kleinen Gruppen, wie es bei EMS-Training der Fall ist, ist das ein überaus wichtiger Faktor. 

Gesundheit stärken. Generell unterscheidet die Forschung zwischen der gesundheits- und der fitnessorientierten EMS. Diese Distinktion richtet sich nach der Intensität des Stroms. Arbeitet bei einer Trainingseinheit der Körper mehr als der Strom, so greift der Begriff der fitnessorientierten EMS. Gesundheitsorientierte EMS definiert sich über den vermehrten Einsatz von elektrischen Impulsen anstelle von eigener Körperarbeit. Bei Ganzkörper-EMS ist festzuhalten, dass die Muskelgruppen simultan, aber mit dezidierter Intensität trainiert werden. 

EMS bei Sarkopenie. Menschen mit eingeschränkter Mobilität haben unter anderem mit Sarkopenie zu kämpfen. Die von Kemmler et al. durchgeführte „Franconian Sarcopenic Obesity Study“ (1) weist auf einen positiven Effekt bei einer Behandlung mit EMS hin. Die Probanden waren 100 an Sarkopenie erkrankte Männer mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren. Nach einem Zeitraum von 14 Wochen ließ sich festhalten, dass EMS-Training in Kombination mit entsprechender Proteinzufuhr einen signifikanten positiven Effekt auf die Sarkopenie hatte. 

EMS beiRückenschmerzen. Eine Studie der Universität Bayreuth zeigte, dass EMS einen positiven Effekt bei Rückenschmerzen aufweist (2). 49 Testpersonen, die im Durchschnitt 47 Jahre alt waren, führten zweimal pro Woche zehn Trainingseinheiten mit EMS durch. Trainingsparameter waren verschiedene Impulszeitspannen, die Frequenz und die Anstiegszeit. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass der Strom auch solche tiefen Muskeln stimuliert, die durch konventionelle Methoden schwer erreichbar sind. 

EMS-Studios. Die elektrische Muskelstimulation ist meist in sogenannten Mikrostudios zu finden. Diese Studios definieren sich über eine Trainingsfläche, die 200 Quadratmeter nicht übersteigen darf. Konzepte sollen durch die intensive Betreuung in kleinerem Rahmen effektiver und schneller umgesetzt werden. Der Trend spricht vor allem Vollzeitberufstätige und Menschen mit Zeitmangel an. Inzwischen umfasst nicht nur der deutsche EMS-Markt rund 1.000 Anlagen (3), auch Fitnessstudios nehmen EMS-Training in ihr Angebot auf.

Diskussionsbedarf. Kritik an EMS bleibt nicht aus. Der Vorwurf: EMS sei kein „ehrlicher“ Sport, es sei keine wirkliche Anstrengung und könne bei übermäßiger Nutzung zu einer Überreizung führen. Experten widersprechen und sind von der Trainingsmethode überzeugt. 

Die Übungsdauer von 20 Minuten sei kein einfaches Unterfangen, sondern tatsächlich sehr anspruchsvoll. Zudem ist die Kompetenz des Trainers ausschlaggebend. Während des Trainings ist der Kunde den Anweisungen des Gegenübers weitestgehend ausgeliefert. Ein guter Trainer weiß jedoch, worauf es ankommt und welche Belastungsparameter zu beachten sind.

Bei einer professionellen Anleitung spielt auch der Flüssigkeitshaushalt eine Rolle. Die Nieren werden durch das EMS-Training partiell belastet und sind daher ein kritischer Faktor (4). Auf diese Weise kann eine Überreizung durch die elektrischen Impulse vermieden werden. 

NachgefragtProf. Dr. Wolfgang Kemmler nimmt im Leistungslust-Interview EMS noch einmal kritisch unter die Lupe: http://bit.ly/EMSimTraining

Literatur

  1. Kemmler W, et al. 2015. Ganzkörper-Elektromyostimulation versus HIT-Krafttraining – Einfluss auf Körperzusammensetzung und Muskelkraft. Dtsch. Z. Sportmed. 66; 321–327
  2. Boeckh-Behrens W-U, et al. 2002. Ganzkörper-Elektromuskelstimulation (EMS-Training) gegen Rückenbeschwerden. Diplomarbeit, Universität Bayreuth
  3. fitness Management. 2018. Der deutsche Fitnessmarkt im Fokus. https://www.fitnessmanagement.de/fitness/der-deutsche-ems-markt-im-fokus; Zugriff am 21.8.2019
  4. NDR. 2018. Muskeln durch Strom: Genial oder schädlich? https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/EMS-Training-Schaedlich-fuer-Muskeln-und-Nieren,emstraining100.html; Zugriff am 21.8.2019