Nach dem US-amerikanischen Sprachwissenschaftler John Grinder (1) ist das Neurolinguistische Programmieren (NLP) „die Erkenntnistheorie davon, wie wir in den Zustand zurückkehren können, den wir verloren haben, nämlich den Zustand der Gnade“. Persönlichkeitscoach Alix von Uhde formuliert es einfacher: NLP ist das systematische Studium menschlicher Kommunikation. Dass NLP allerdings noch so viel mehr sein kann, habe ich auch eher zufällig erfahren – und seitdem ist es sowohl aus meinem eigenen Leben als auch im Personal Training mit Kunden nicht mehr wegzudenken.

Wie sieht NLP in der Praxis aus? Zunächst einmal sollte man wissen, dass jeder Mensch diese Technik erlernen und einsetzen kann. Ich kenne niemanden, der seine Ausbildung hinterher als Zeitverschwendung betrachtet hat. NLP ist eine Methode, sich selbst weiterzuentwickeln und seine Kommunikation zu verbessern. Es lässt sich also nutzen, um sein Leben und seine Persönlichkeit erfolgreicher und erfüllter zu gestalten. Außerdem ist es ein hilfreiches Tool, um andere Menschen dabei zu unterstützen, innere Blockaden und Überzeugungen aufzulösen und neue Ziele in Angriff zu nehmen. Auch schon lange erträumte Visionen werden endlich angegangen – NLP ebnet den Weg.

NLP

Die Bezeichnung „Neurolinguistisches Programmieren“ beschreibt Vorgänge im Gehirn (= neuro), die mithilfe der Sprache (= linguistisch) auf Basis systematischer Handlungsanweisungen änderbar sind (= Programmieren).

NLP kann in vielen Lebensbereichen eingesetzt werden, beispielsweise in der Therapie, im Verkauf, im Sport und bei Führungsaufgaben. Hinzu kommt, dass einige der Techniken Klienten helfen können, sich nicht mehr im Weg zu stehen – oder aber man nutzt sie selbst, um als Trainer erfolgreicher zu sein. Denn seien wir mal ehrlich: Wie soll man seinen Kunden helfen, wenn man mit sich nicht im Reinen ist? Der Mensch ist oft selbst sein größtes Problem. Dies ist evolutionär bedingt: Sicherheit ist als oberstes Gebot in uns verankert. Aber da wir heute nicht mehr fürchten müssen, dass uns ein Säbelzahntiger frisst, können wir auch diese Hürden überwinden und die Dinge umsetzen, nach denen wir wirklich streben.

Die Inhalte von NLPTrueffelpix / shutterstock.com
Die Inhalte von NLP

Wie bereits erwähnt werden beim NLP verschiedene Techniken angewandt, die uns beim besseren Miteinander mit unseren Mitmenschen unterstützen. Hierbei lernen wir, alle Sinne einzusetzen und unsere Ziele sowie die unserer Kunden zu erreichen – was natürlich für uns Trainer sehr interessant ist. NLP ist im Prinzip auf sechs Säulen aufgebaut:

  1. Ich – mein jetziger emotionaler Zustand und meine Fertigkeiten. NLP wirkt erst durch mich und mein Wirken zum Leben.
  2. Die Vorannahmen – Ideen und Überzeugungen, die ich habe, nach denen ich handle und mein Leben ausrichte.
  3. Der Rapport – die Qualität meiner Beziehungen. Damit sind nicht ausschließlich Beziehungen zu Partner und Familie gemeint, sondern zu all unseren Mitmenschen. Rapport kann sofort aufgebaut werden (der sprichwörtliche „gute Draht“) und sich nach und nach in Vertrauen umwandeln.
  4. Die Ziele – diese müssen klar sein, sowohl bei mir selbst als auch bei meinem Gegenüber. Zielorientiertes Handeln ist der Schlüssel von NLP: momentane Situation -> Strategie -> Ziel!
  5. Das Feedback – woran merke ich, dass ich mich meinem Ziel nähere? Ich achte auf die Ergebnisse meiner neuen Handlungsmuster.
  6. Die Flexibilität – wenn das, was ich tue, nicht funktioniert, dann mache ich eben etwas anderes!

Die Vorannahmen von NLP

Ein zentrales Element von NLP sind die Vorannahmen, die von Bandler und Grinder (1) als Verhaltensgrundmuster beim „Modellieren“ erfolgreicher Persönlichkeiten genannt werden. Die zwölf wichtigsten Vorannahmen sind:

  1. Sprache ist eine Landkarte der Wirklichkeit.
  2. Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl.
  3. Jedes Verhalten ist durch eine positive Absicht motiviert. Das Akzeptieren einer subjektiv positiven Absicht ignoriert nicht die möglichen Auswirkungen einer Handlung. Sie dient im beratenden Kontext dazu, ein negatives Selbstbild umzudeuten.
  4. Menschen haben alle Ressourcen in sich, die sie brauchen, um ihre Probleme zu lösen.
  5. Der positive Wert eines Individuums bleibt konstant, aber die Angemessenheit des Verhaltens kann bezweifelt werden.
  6. Es gibt in der Kommunikation keine Fehler oder Defizite. Alles ist Feedback. Durch diese Vorannahme wird der Weg zur verletzungsfreien Annahme von Kritik eröffnet. Einseitige Schuldzuweisungen sind grundsätzlich falsch.
  7. Die Bedeutung der Kommunikation liegt in der Reaktion, die man erhält. Nicht, was du tust, zählt, sondern wie deine Umgebung auf dich reagiert.
  8. Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas anderes. Offen zu sein für alles, was funktioniert. Die Bereitschaft zur Suche nach Lösungsalternativen.
  9. In einem ansonsten gleichbleibenden System kontrolliert das Element mit den größtmöglichen Verhaltensmöglichkeiten das System. Es wird Verhaltensflexibilität vom Berater eingefordert.
  10. Widerstand beim Klienten bedeutet mangelnde Flexibilität aufseiten des Beraters. Es gibt immer einen dritten Weg.
  11. Der Sinn jeder Kommunikation ist nicht die Absicht, sondern die Reaktion, die sie beim Gegenüber auslöst. Wahr ist nicht, was A gesagt hat; wahr ist, was B verstanden hat.
  12. Wenn jemand etwas Bestimmtes tun kann, so ist es möglich, dieses Verhalten zu modellieren (nachzumachen) und es weiterzugeben.

Wie nutze ich NLP als Trainer? Als Trainer ist man nicht einfach nur Trainer, sondern viel mehr. Unsere Kunden vertrauen sich uns an und sind nicht jeden Tag in gleicher Verfassung. Wenn man jedoch von Anfang an mit seinem Kunden die aufgeführten Säulen abgearbeitet hat, gibt es nichts mehr, was unklar wäre. Damit beginne ich sofort im ersten Anamnesegespräch. Wichtig ist auch, alles schriftlich festzuhalten – das schafft Verbindlichkeit. Darüber hinaus sollte ich als guter Trainer im Kopf haben, wohin mein Kunde möchte, um ihn immer wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Dies geschieht durch das stetige Erinnern an das formulierte Ziel. Bedenke aber: Nicht bei jedem Kunden funktioniert die gleiche Technik.

Was allerdings stets gegeben sein sollte, egal welche Technik angewandt wird, ist der gute Rapport. Einfache Techniken, wie etwa das Gegenüber bei der Unterhaltung leicht zu spiegeln, helfen dem Kunden, sich bei uns wohlzufühlen. Wenn dieser Rapport erst einmal da ist, beginne ich mich in die andere Person hineinzuversetzen. Darauf folgt die Phase des Leadings: Wir als Trainer führen den Kunden an sein Ziel, denn wir haben das Wissen und die Fähigkeiten dazu. Welche das sind, kommt natürlich darauf an, in welchem Bereich des Sports wir arbeiten.

Was hat mir NLP gebracht? Durch meine NLP-Ausbildung bin ich eindeutig offener und selbstbewusster geworden. Ein Faktor, der für einen guten Trainer wichtig ist – oder würdest du deine gesundheitlichen und sportlichen Ziele einem schüchternen Mäuschen mit hängenden Schultern anvertrauen? So hat NLP mich dabei unterstützt, meine Ausstrahlung und Präsenz zu verbessern – das hat mir vom Verkaufsgespräch bis hin zum Netzworking und für meine Kundenbindung geholfen. Zuvor war ich zwar eine ehrgeizige Sportlerin, konnte mir aber selbst nicht vorstellen, andere Menschen ebenso auf diesen Weg zu bringen. Ich hatte den Wunsch, habe mich aber nicht getraut. Nach meiner Ausbildung war ich dazu in der Lage, habe meine Trainerlizenzen erworben und hatte sofort einen Fuß in der Branche. Ich habe zunächst an meiner Körperhaltung gefeilt und daran, wie ich auf andere Menschen wirke. Dabei habe ich Gestik und Mimik als bewusste Tools eingesetzt. Mein Ziel hatte ich währenddessen stets vor Augen. Mir persönlich hat die sogenannte „Disney-Strategie“ geholfen, es gibt aber noch viele andere Techniken – als guter NLPler sollte man sie alle beherrschen und abwägen, was am besten zum jeweiligen Kunden passt.

Die Disney-Strategie

Die Disney-Strategie ist eine Kreativitätsstrategie zur Entwicklung von Visionen und Zielen sowie zu deren kritischer Beurteilung und praktischer Realisation. Sie wurde von Robert Dilts entwickelt, der sie nach dem Vorbild von Walt Disney modellierte. Diese Strategie ist eine gute Methode, um das Träumen wieder zu erlernen.

Zu Beginn habe ich unter Anleitung meines Coaches mein Ziel definiert und visualisiert: „Ich will Personal Trainer werden!“ Dann habe ich drei Zustände geankert: Auf dem Boden vor mir markierte ich drei Stellen, auf die ich treten konnte. 

  1. Die Position des Träumers: Ich durfte mir alles erträumen, was ich mir wünschte. Natürlich wollte ich die beste Personal Trainerin Deutschlands werden! 
  2. Die Position des Realisten: Jetzt war es an mir, meine Pläne einzuschätzen. Wo stand ich gerade? Was war in Zukunft wirklich möglich? Ich erstellte einen konkreten Plan, wie ich weiter vorgehen wollte, um voranzukommen. 
  3. Die Position des Kritikers: Hier habe ich reflektiert, welche Steine sich mir in den Weg legen könnten. Ich führte dazu einen inneren Dialog mit mir selbst. 

Zunächst trat ich auf die Träumer-Position: Hier war es wichtig, mich an eine Situation zu erinnern, in der ich besonders kreativ war. Dann trat ich auf die Realisten-Position – dabei dachte ich an eine Situation, die ich besonders gut geplant habe. Danach ging ich auf die Kritiker-Position und rief mir eine Situation ins Gedächtnis, in der ich konstruktiv kritisch war. Dieses Schema durchlief ich danach mit meinem Ziel, Personal Trainer zu werden. Jede Position durfte ich zum Schluss so oft einnehmen, bis ich zufrieden war. Die Lösung lag dann auf der Hand – ich hatte meinen Plan und habe ihn umgesetzt.

Literaturempfehlung

O`Connor J. 2006. NLP – das WorkBook. VAK: Kirchzarten

Dawi L. 2017. 33 mächtige NLP-Techniken: Der Schlüssel zum Erfolg.. Independently published (25. Februar 2018)

NLP als Selbsterfahrung und die Anwendung beim Kunden. Dieses Wissen konnte ich auch an meine Kunden weitergeben. Sie wussten natürlich nicht, welche Technik genau angewendet wird und wie sie funktioniert – aber das müssen sie auch nicht. Fakt ist, es funktioniert: Die Methode löst Blockaden im Menschen und hilft ihm, sich nicht mehr selbst im Weg zu stehen.

Man lernt, all seine Sinne zu benutzen und gezielt einzusetzen, denn nonverbale Kommunikation ist ein mindestens ebenso wichtiges Instrument wie die Sprache, die uns eigentlich immer als Kommunikationsmittel Nummer eins dient. Bei der erwähnten Disney-Strategie wird beispielsweise das Auditive (innerer Dialog) wie auch das Fühlen (Wechseln der Positionen) angesprochen. Dieses Nutzen der Sinne löst Blockaden.

Die neu erworbenen Fähigkeiten haben mir und zahlreichen Personal-Training-Klienten sehr geholfen. Ein Beispiel dafür ist Jonas: Der damals 16-jährige schüchterne Junge kam mit dem Wunsch zu mir, muskulös und selbstbewusst zu werden. Ich habe mit ihm ein Jahr lang gearbeitet, bis er entschied, es alleine versuchen zu wollen, da er sowohl körperlich als auch mental schon große Fortschritte gemacht hatte. Ein gutes Jahr später traf ich ihn zufällig wieder und er erzählte mir, dass er mittlerweile erfolgreich als Nachwuchs-Schiedsrichter arbeitete und die Verwirklichung seines Traums, Bundesliga-Schiedsrichter zu werden, erst durch mich in Angriff genommen hatte. Jonas hatte sich selbst stets in der Rolle des schüchternen Jungen mit großen Träumen gesehen, die er nie erreichen würde – dass dies aber doch möglich ist, haben wir gemeinsam wahr gemacht. Er erzählte mir außerdem, dass er die erlernte Technik – bei ihm reichte bereits eine einzige Methode, auf die er ansprach – immer wieder im täglichen Leben nutzte, um auf seinem Weg zu bleiben. Große Worte, aber hier sieht man, dass durch ein paar einfache Techniken vieles möglich ist. Es liegt bei dir!

Praxis-Tipps

  1. Erlerne Techniken wie NLP erst selbst, bevor du sie bei Kunden anwendest.
  2. Suche dir für die Methode deiner Wahl die richtige Ausbildung sorgfältig aus.
  3. Höre mit dem auf, was bei dir oder deinen Kunden nicht funktioniert, analysiere es und gehe einen anderen Weg.
  4. Lerne, wer du bist, und arbeite immer wieder an dir selbst – dann wird der Erfolg kommen.

Literatur

  1. Grinder J., Bandler R. 2007. Therapie in Trance. NLP und die Struktur hypnotischer Kommunikation). Klett-Cotta Verlag: Stuttgart