„Wir haben circa 600 Muskeln in unserem Körper. Ich frage mich aber, ob wir nicht nur einen Muskel in circa 600 Faszientaschen haben“, sagt Faszienexperte Tom Myers. Eine interessante Sichtweise, die mich nachdenklich gemacht hat. Wir sollten aufhören, Muskeln und Faszien strikt zu trennen, um uns eine ganzheitliche Sicht auf das System Körper zu erlauben.

Muskeln und Faszien – eine Einheit. Muskeln und Faszien sind überall im Körper miteinander verwoben. Muskellinien und Faszienketten können nicht voneinander getrennt werden, da sie ineinander übergehen und sogenannte myofasziale Verbindungen bestehen: Sie verbinden in Kombination den gesamten Körper strukturell und funktionell. Muskeln und Faszien sind wie ein Pendant zu Yin und Yang – wollen wir den Körper in Balance halten, brauchen wir immer beide Anteile. Eine funktionelle Beweglichkeit ist wichtig, um langfristig schmerzfrei zu bleiben und maximale Leistung erbringen zu können. Stabilität ist grundlegend, um kraftvoll bleiben zu können und den Körper zu schützen. Muskeln haben die Aufgabe, Gelenke zu bewegen oder zu stabilisieren; Faszienketten hingegen richten den ganzen Körper gegen die Schwerkraft auf und stabilisieren ihn (3). Faszien und Bindegewebe wie Sehnen, Bänder, und Gelenkkapseln sind hauptverantwortlich für die Körperwahrnehmung im Raum und die Schmerzwahrnehmung. Die Anzahl der in ihnen vorhandenen Propriozeptoren übersteigt diejenige in den Muskeln um ein Vielfaches. Auch Schmerzrezeptoren befinden sich größtenteils im Faszien-, nicht im Muskelgewebe.