Du bist eingefleischter Eins-zu-eins-Trainer, möchtest aber in die Kurssparte einsteigen oder deine bestehenden Kurse zertifizieren lassen? Präventionskurse sind eine gute Möglichkeit, sich im zweiten Gesundheitsmarkt zu etablieren – allerdings gilt es einige Stolpersteine zu beachten. Das Basiswissen dafür bekommst du hier.

Was sind Präventionskurse? Unter bestimmten Voraussetzungen können Kursangebote von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden. Der Versicherte nimmt zum Beispiel an einem Yogakurs teil und muss dafür einen bestimmten Betrag an den Anbieter zahlen. Sind sowohl der Anbieter als auch der Kurs im Rahmen der Primärprävention zertifiziert, kann der Teilnehmer sich nach Ende des Kurses einen Teil des gezahlten Beitrages (oder sogar den gesamten Betrag) von der Krankenkasse erstatten lassen. Die Grundlagen dafür sind in § 20 SGB V festgelegt (1), Einzelheiten der Organisation und Durchführung im „Leitfaden Prävention“ des GKV-Spitzenverbandes (2).

Dieses Verfahren bietet gleich mehrere Vorteile: Der Anbieter kann mit dem Versprechen einer Kostenerstattung werben. Darüber hinaus ist er in den gängigen Datenbanken der Krankenkassen gelistet und kann damit einfacher von Interessenten oder auch den Krankenkassen selbst gefunden werden. Auf der anderen Seite profitieren die Teilnehmer von einem qualifizierten Anbieter und der Kostenerstattung, sodass die Motivation steigt, überhaupt an einem Kurs teilzunehmen. Die Krankenkassen schließlich können ihre Versicherten zielgerichtet an bestimmte Trainer weiterleiten und passende Angebote in der Datenbank suchen. Nichtsdestotrotz hat das Verfahren auch einige Tücken und Stolpersteine, die es zu umschiffen gilt.

Neben den Präventionskursen als Maßnahmen der individuellen verhaltensbezogenen Primärprävention gibt es auch den Setting-Ansatz, der sich mit betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) befasst.

Präventionskurse: Inhalte und Organisation. Präventionskurse sind hauptsächlich für spezifisch eingegrenzte Themenbereiche gedacht, die als „Handlungsfelder“ bezeichnet werden: Bewegungsgewohnheiten, Stressmanagement, Ernährung und Suchtmittelkonsum. Typische Kurse zu den ersten beiden Themen sind etwa Pilates, Yoga oder autogenes Training. Abgesehen von diesen spezifischen Angeboten ist es auch möglich, individuelle Kursformate zu entwickeln.

Die Durchführungsmodalitäten sind im Leitfaden Prävention exakt vorgegeben. Ein Kurs muss demnach mindestens acht und darf höchstens zwölf Wochen dauern. Eine Einheit umfasst mindestens 45 und höchstens 90 Minuten, die Teilnehmerzahl darf zwischen sechs und 15 Personen liegen. Außerhalb dieses Settings gibt es die sogenannten Kompaktangebote, bei denen ein Kurs auf wenige Tage reduziert und etwa als „Entspannungswochenende“ angeboten werden kann.

Voraussetzungen. Um Präventionskurse anbieten zu dürfen, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Zunächst einmal ist eine sogenannte Grundqualifikation erforderlich: Für den Bereich der Bewegungskurse heißt das, der Anbieter muss Arzt, Sportwissenschaftler, Sport-/Gymnastiklehrer oder Physiotherapeut sein. Unter bestimmten Bedingungen kann diese Anforderung für Yogakurse umgangen werden, das Prozedere unterliegt aber einer Einzelfallregelung (3).

Entspannungskurse können zusätzlich zu den genannten außerdem von Personen angeboten werden, die einen beruflichen Abschluss als Ergotherapeut, Erzieher, Heilpädagoge oder Gesundheitspädagoge besitzen. Das Handlungsfeld Stressmanagement umfasst dabei auch das Prinzip des multimodalen Stressmanagements. Dieses ist ausschließlich Psychologen, Pädagogen, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern und -wissenschaftlern, Gesundheitswissenschaftlern sowie Ärzten mit Zusatzqualifikation vorbehalten; dasselbe gilt für den Bereich Suchtmittelkonsum. Präventionskurse für Ernährung dürfen nur von Ökotrophologen, Ernährungswissenschaftlern, Diätassistenten oder von Anbietern mit einem Abschluss in Ernährungs- und Hygienetechnik angeboten werden. Eine Fortbildung als Ernährungsberater reicht hier nicht aus.

Kursangebot. Bevor man sich dafür entscheidet, einen Präventionskurs anzubieten, sollte man wissen, was man anbieten möchte. Denn zumindest die klassischen Kursformate, bei denen einen bestimmte Methode oder Technik unterrichtet wird (wie etwa Rückenschule oder Pilates), erfordern eine Zusatzqualifikation in Form einer entsprechenden Trainerlizenz. Je nach Angebot kann dies von einem Wochenende (zum Beispiel Nordic Walking) bis hin zu mehreren Jahren dauern (zum Beispiel Yoga, Tai-Chi). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die jeweilige Anzahl an Unterrichtseinheiten bei ausgewählten Kursformaten.

Tabelle 1: Trainerlizenz für Präventionskurse – Zahl der erforderlichen Unterrichtseinheiten

Kursart Unterrichtseinheiten
Rückenschule 60
Pilates 100
Yoga 500 über mindestens zwei Jahre
Tai-Chi Chuan, Qigong 300 über mindestens zwei Jahre
autogenes Training, progressive Muskelentspannung 32
Mindfulness-Based Stress Reduction 300 über mindestens zwei Jahre
Nordic Walking 16
Aquagymnastik/-jogging 16

Neben dem zeitlichen Aufwand spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Gerade längerfristige Fortbildungen wie Yoga können sich am Ende auf mehrere tausend Euro summieren. Vorteil: Bei vielen Fortbildungen werden die für eine anschließende Zertifizierung notwendigen Unterlagen mitgeliefert, inklusive fertiger Stundenbilder und Teilnehmerunterlagen.

Anders sieht es bei Kursen aus, die keiner speziellen Methode zuzuordnen sind. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Wirbelsäulen-/Rückengymnastik
  • Zirkeltraining
  • Faszientraining
  • Funktionstraining
  • Herz-Kreislauf-Training
  • Sturzprophylaxe

Für eine Zertifizierung muss in diesen Fällen keine zusätzliche Fortbildung absolviert werden, es reicht ein Nachweis der Grundqualifikation (Examenszeugnis). Hier hat der Trainer also einerseits einen großen Gestaltungsspielraum in puncto Trainingsinhalte, muss sich aber andererseits selbst um die vollständige Strukturierung und Planung des Kurses kümmern. Das erfordert viel Arbeit, erlaubt aber ein hohes Maß an Kreativität: Solange die Vorgaben in Bezug auf nicht förderungswürdige Angebote beachtet werden (2), wird dem Anbieter weitgehend freie Hand gelassen. Nicht gefördert werden zum Beispiel Angebote, die sich auf eine bestimmte Sportart, auf reines Gerätetraining oder das Equipment eines speziellen Anbieters konzentrieren.

Wie komme ich an eine Zertifizierung? Für die Zertifizierung von Präventionskursen sind nicht die Krankenkassen zuständig, sondern die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) (4). Dabei handelt es sich um eine Kooperationsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen. Nach Einrichtung eines kostenlosen Onlinekontos auf der Website müssen dort Angaben zum Kursangebot gemacht sowie Stundenverlaufspläne, Teilnehmerunterlagen und Qualifikationsnachweise hochgeladen werden.

Anschließend dauert es etwa zehn Tage, bis die ZPP eine Rückmeldung abgibt. Wird der Kurs akzeptiert, dann ist er für drei Jahre zertifiziert und man wird rechtzeitig vor Ablauf der Frist per E-Mail über eine notwendige Rezertifizierung informiert. Sowohl die erstmalige als auch alle folgenden Zertifizierungen sind kostenlos.

Wird der Kurs abgelehnt, müssen die Unterlagen entsprechend den Nachforderungen der ZPP überarbeitet werden. Erfahrungsgemäß bringt gerade dieser Anerkennungsprozess die meisten Probleme mit sich – unter anderem, weil besonders bei der Erstellung der Stundenverlaufspläne sehr viele Details beachtet werden müssen und Sinn und Hintergrund von Nachforderungen der ZPP nicht immer sofort ersichtlich sind.

Private Krankenversicherungen bieten in den meisten Fällen keine Kostenübernahme von Präventionskursen an – es sei denn, diese ist explizit als Klausel des Versicherungsvertrages festgelegt worden.

Kalkulation. Der zweite Gesundheitsmarkt stellt mittlerweile für viele Therapeuten und Trainer ein wichtiges wirtschaftliches Standbein dar. Präventionskurse sind eine relativ unkomplizierte Möglichkeit, einen vergleichsweise guten Verdienst zu erzielen. Für Selbstständige gilt dabei, dass ein Stundensatz von circa 70 Euro angepeilt werden sollte; rechnet man mit mindestens sechs Teilnehmern, ergibt das zwölf Euro pro Person. Ein achtwöchiger Kurs sollte also mindestens 100 Euro kosten. Zu bedenken ist, dass Präventionsangebote umsatzsteuerpflichtig sind: Bei einem Jahresverdienst von mehr als 17.500 Euro aus Kursen ist Umsatzsteuer abzuführen.

Praxistipps

  • Bevor du dich in die Arbeit stürzt: Prüfe zunächst, ob das Anbieten von Präventionskursen für dich überhaupt Sinn macht (zum Beispiel: Sind die nötigen Räumlichkeiten vorhanden? Klappt es zeitlich?). Wenn ja, dann überlege dir, was du gerne anbieten würdest.
  • Welche Fortbildungen hast du bereits und welche müsstest du noch absolvieren? Lohnt sich der zeitliche und finanzielle Aufwand?
  • Kalkuliere mit mindestens zwölf Euro pro Stunde und Teilnehmer, um auf der sicheren Seite zu sein. Bedenke eventuelle Anfahrtswege, Raummieten, Strom- und Heizkosten.
  • Nutze die Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen als Werbeargument – so wird dein Angebot auch für Sportmuffel interessant.

Literatur

1. Wasmund S. 2017. § 20 SGB V Primäre Prävention und Gesundheitsförderung. www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/20.html; Zugriff am 1.10.2018

2. GKV-Spitzenverband. 2018. Leitfaden Prävention. www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_beratung/praevention_und_bgf/leitfaden_praevention/leitfaden_praevention.jsp; Zugriff am 1.10.2018

3. Zentrale Prüfstelle Prävention. 2018. FAQ – Häufig gestellte Fragen. www.zentrale-pruefstelle-praevention.de/admin/faq_kursanbieter.php; Zugriff am 1.10.2018

4. Zentrale Prüfstelle Prävention. 2018. Qualitätsportal für Präventionskurse. www.zentrale-pruefstelle-praevention.de; Zugriff am 1.10.2018