Erst verteufelt, dann sogar als Supplement gedacht: Laktat hat alle möglichen Facetten der Reputation durchgemacht, von „Brauchen wir nicht!“ über „schlecht“ bis hin zu „gut“. Doch was ist nun dran an all den Gerüchten, die rund um den Metaboliten kursieren? Und inwiefern beeinflusst Laktat unsere Trainingssteuerung?

Hintergrund

Laktat wurde erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckt (1, 2). Andere Quellen sprechen von einer noch früheren Entdeckung bereits im 18. Jahrhundert (3–5). So oder so: Seitdem beschäftigt Laktat Physiologen, Biochemiker, Diagnostiker und Trainer.

Bevor Adenosintriphosphat (ATP) entdeckt wurde, ging man davon aus, dass Laktat der Energiegeber für die Muskelkontraktion sei (5). Zwischen 1930 und 1970 wurde Laktat als unbrauchbares Stoffwechselendprodukt betrachtet. In den 1980er- und 1990er-Jahren galt es als Hauptfaktor der muskulären Ermüdung sowie Schlüsselfaktor von azidosebedingten Gewebeschäden (Zerstörung von Mitochondrien) (1, 5, 6). Noch heute hält sich der Mythos, dass Muskelkater oder Muskelschäden durch Laktat entstünden. Ebenso ging man früher davon aus, dass die Anhäufung von Laktat im Blut während körperlicher Belastung auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung der aktiven Muskulatur zurückzuführen sei („Switch“ auf den anaerob-laktaziden Stoffwechsel) (1). Somit versuchte man – und versucht es teilweise immer noch –, Trainingsprogramme so zu gestalten, dass hohe Laktatspitzen vermieden werden (6).