Noch immer gilt Laktat als „böser Bube“ der Leistungsphysiologie. Zwar ist lange widerlegt, dass es eine Rolle bei der Entstehung des Muskelkaters spielt, seine leistungshemmenden Auswirkungen aber scheinen unumstößlich. Schaut man sich allerdings die Untersuchungen der vergangenen Jahre an, wird klar: Auch hier müssen wir umdenken – und zwar radikal. Eine Bestandsaufnahme.

Was ist Laktat? Laktat ist das Salz der Milchsäure – nicht die Milchsäure an sich. Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, was chemisch betrachtet nicht korrekt ist: Grundsätzlich zerfallen Säuren in Verbindung mit Wasser – also auch im wässrigen Milieu des Körpers – in positiv geladene Wasserstoffionen (H+) sowie einen Säurerest, in diesem Fall das Laktat; die Säure dissoziiert. Milchsäure ist eine sogenannte Hydroxycarbonsäure, das heißt, sie besitzt zwei funktionelle Gruppen: eine Hydroxygruppe, bestehend aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom (OH), sowie eine Carboxygruppe aus zwei Sauerstoff-, einem Kohlenstoff- und einem Wasserstoffatom (COOH).