Welcher Trainer hat noch nicht das Blitzen in den Augen seines Klienten gesehen, wenn es um den Vergleich des aktuellen Körperfettanteils mit dem Ursprungswert nach den ersten Abnehmerfolgen geht? Das Interesse der Klienten am Körperfettanteil ist enorm und er hat einen hohen Motivationswert. Umso wichtiger, dass man dieses Kundenbedürfnis mit einem absolut korrekten Ergebnis befriedigt. Aber wie kann das gelingen und mit welchem Tool?

Das Thema Körperfettmessung als ein Teil der Fitnessdiagnostik ist fundamental und nicht wegzudenken. Nehmen wir das klassische Kundenbild einer jungen Frau Mitte 30 im Fitnessstudio, die abnehmen möchte. Sie ist motiviert, hat nach der Anmeldung im Studio regelmäßig Sport gemacht, die Ernährung optimiert und wurde bereits von vielen Freunden und Bekannten auf ihre Abnehmerfolge angesprochen. Gespannt sitzt sie nun im Re-Check. Nach den ersten positiven Feedbacks erwartet auch der Trainer ein tolles Ergebnis. Die Abmessungen mit dem Maßband sind vielversprechend – das Gewicht jedoch ist fast gleich geblieben und der Körperfettanteil ist lediglich um ein Prozent gesunken. Ernüchterung macht sich breit; die Kundin geht frustriert aus dem Re-Check und kommt nur noch sporadisch zum Training. Als Trainer sollte man dem Kunden vor jedem Check-up klar machen, dass das Gewicht und der Körperfettanteil durch viele Faktoren beeinflusst werden können. Und gerade ungenaue Messmethoden können das eigentlich positive Ergebnis negativ verfälschen. Tabelle 1 gibt dir vorab einen Überblick über Körperfettwerte bei Frauen und Männern.

Abbildung 1: Klassische Körperfettmessung mit dem CaliperFlorian Münch / Sportlerei Akademie
Abbildung 1: Klassische Körperfettmessung mit dem Caliper

Körperfettanteil bei Frauen

Körperfettanteil bei Männern

Alter

niedrig

normal

hoch

niedrig

normal

hoch

20–39

< 21 %

21–33 %

33–39 %

14–18 %

20–25 %

> 25 %

40–59

< 23 %

23–34 %

34–40 %

18–22 %

22–28 %

> 28 %

60–79

< 24 %

24–36 %

36–42 %

22–25 %

25–30 %

> 30 %

Tabelle 1: Körperfettwerte bei Frauen und Männern

Bei Sportlern liegt die jeweilige Körperfetteinstufung um 10 bis 20 Prozent niedriger.

Impedanzanalyse versus Caliper. Mittlerweile hat es die Körperfettpersonenwaage schon in fast alle Haushalte geschafft. Mit dieser ist eine Messung mithilfe der Bioimpedanzanalyse möglich: Das Verfahren nutzt die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Knochen, Organen und Körperfett. Körperflüssigkeiten sind durch ihren Elektrolytanteil ausgezeichnete Leiter für elektrischen Strom. Zellen wirken durch ihre Lipoproteinschicht in der Membran wie Kondensatoren, während Fett einen hohen Widerstand bietet. Aus den gemessenen Widerständen (Resistanz, Reaktanz) wird unter Berücksichtigung der Probandendaten – wie Größe, Gewicht, Geschlecht und Alter – die Körperzusammensetzung errechnet. Im Prinzip macht man sich das Wissen zunutze, dass elektrische Impulse schneller durch Muskulatur als durch Körperfett fließen. Ermittelt wird der Fließwiderstand (bioelektrische Impedanz), der Auskunft über den Körperwasseranteil gibt; dieser kann wiederum durch die Brozek-Formel in den Körperfettanteil umgerechnet werden. Es wird also nicht direkt der Körperfettanteil erhoben, sondern erst der Körperwasseranteil, der Rückschlüsse auf den Körperfettanteil gibt. Um also einen korrekten Körperfettwert ermitteln zu können, bedarf es einer konstanten Wasserbilanz im Körper. Und gerade deswegen haben Körperfettwagen eine Messvarianz, die eine konkrete Werteentwicklung im einstelligen Bereich stark verfälschen können.

Welche Faktoren beeinflussen den Körperwasseranteil?

  • Trinkgewohnheiten (Flüssigkeitsaufnahme)
  • Essgewohnheiten (Flüssigkeit in Lebensmitteln)
  • Gesundheit (Krankheitssymptome wie Durchfall)
  • Wohlbefinden (Stress)

In Vergessenheit geriet dieses wunderbare Messgerät: der Caliper. Unscheinbar und ohne jeglichen Schnickschnack – ein Gerät, das lediglich den Körperfettanteil unter der Haut misst. Mit einem Hautfaltenmessgerät (Caliper oder elektronisches „Zangengerät“) lässt sich an verschiedenen Körperstellen die Hautfaltendicke ermitteln: An festgelegten Körperstellen wird die doppelte Dicke der jeweiligen Hautfalten durch Anheben der Haut mittels Daumen und Zeigefinger gemessen. Die Körperfettmessung mittels Caliper zählt zu den effektivsten und kostengünstigsten Methoden und weist nur geringe Messfehler auf, besonders im Vergleich zu anderen (auch elektronischen) Messtechniken.

Abbildung 2: Highend-Caliper von HarpendenFlorian Münch
Abbildung 2: Highend-Caliper von Harpenden

Abbildung 2: Harpenden-Skinfold-Caliper

Um die optimale Messmethode für den jeweiligen Kunden zu ermitteln, muss auch der Körpertyp bestimmt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine starre wissenschaftliche Theorie, wie es bei Dr. William Sheldon der Fall ist. Der Trainer muss einfach vorab feststellen, wo der Körper des Kunden bevorzugt Fett positioniert. Anhand dieser Erkenntnis kann der Trainer individuell und maßgeschneidert den Anteil des sichtbaren Fetts bestimmen und die jeweilige Messmethode wählen.

Abbildung 3: 3-Punkt &amp; 4-Punkt-Messung mit dem CaliperAntonia Lief
Abbildung 3: 3-Punkt & 4-Punkt-Messung mit dem Caliper

Messpunkte für die 3-Punkt-Messung:

Frau:

hinterer Oberarm (Trizeps)

suprailiakale Hautfalte (Hüfte)

Oberschenkelvorderseite (über dem Knie)

Mann:

Bauch (drei Zentimeter über dem Nabel)

seitlich an der Brust

Oberschenkelvorderseite (über dem Knie)

Messpunkte für die Sieben-Punkt-Messung:

seitlich an der Brust

subskapulare Hautfalte (Rücken)

vordere Falte der Achselhöhle

hinterer Oberarm (Trizeps)

Bauch (seitlich drei Zentimeter neben dem Nabel)

suprailiakale Hautfalte (Hüfte)

Oberschenkelvorderseite (über dem Knie)

Richtlinien für eine korrekte Körperfettmessung:

  • Bei jeder Messung müssen die beschriebenen Messpunkte eingehalten werden.
  • Man fasst die Haut etwa zwei bis drei Daumenbreit und zieht sie mit Daumen und Zeigefinger zusammen. Man darf die Hautfalte beim Messen nicht loslassen, da sich sonst die Zange aufzieht und das Ergebnis verfälschen kann.
  • Die Faltenrichtung sollte stets eingehalten werden.
  • Die Fettmesszange etwa einen Zentimeter neben den Fingern anlegen.
  • Nicht unmittelbar nach dem Training messen, da die Muskulatur dann zu hart sein kann und die Falten schlechter messbar sind.
  • Rechtshänder werden immer an der rechten Körperseite gemessen, Linkshänder an der linken.
  • Die Messung sollte immer von derselben Person durchgeführt werden. Routine und Erfahrung garantieren optimale Messergebnisse.

Bei beiden Messungen wird die Hautfaltendicke in Millimetern am Caliper abgelesen, während das Gerät die Hautfalte wie eine Zange festhält. Es sollte beachtet werden, dass die Haut nicht zu sehr (erkennbar anhand des kleinen Pfeils an der Seite des Calipers) und zu lange zusammengedrückt wird, da sich dadurch die Faltendicke immer weiter verringert (Wassereinlagerungen). Die Summe aller Werte wird anhand einer Formel addiert und so kann der prozentuale Körperfettanteil im Nomogramm abgelesen werden. Meine Empfehlung ist eine Software, die den Körperfettwert eigenständig errechnet.

Wie unspektakulär diese Messung auch erscheinen mag, so plausibel und nachvollziehbar ist sie für Trainer und Kunde. Konntest du in der Vergangenheit deinem Kunden erklären, wieso bei der letzten Messung mit der Körperfettpersonenwaage Wert x herauskam und heute x + 5 auf dem Display erscheint, wenn du doch selbst erkennst, dass dein Kunde abgenommen hat? Womöglich versuchst du in solchen Fällen, mit Spekulationen und Entschuldigungen den Kunden oder aber die Messmethode in Schutz zu nehmen. Wäre es nicht einfacher, eine nachvollziehbare und zielgerichtete Alternative zu wählen?

Praxistipps

  • Miss deine Kunden erst nach einer angemessenen Zeit und genügend Abnehmerfolg.
  • Übe das Messen, sodass jede Faltenmessung gleich und sicher erfolgt.
  • Für eine exakte Reproduktion und Neumessung sollten deine Kunden nur von dir gemessen werden.
  • Betrachte die genaue Fettverteilung und entscheide dann über die Messmethode.