Anfang September fand die Athletikkonferenz in der Sportschule Hennef statt. Vor schätzungsweise 300 Teilnehmern referierten Dozenten zu den Themen Training, Prävention, Ernährung, Schmerz und Businessmanagement. Wir haben für euch eine Auswahl an Vorträgen zusammengefasst.

Athletiktraining? Die Athletikkonferenz widmete sich – wie der Name schon sagt – im Kern dem Athletiktraining. Dabei ist die Beantwortung der Frage „Was ist Athletiktraining?“ nicht so leicht. Eine eindeutige und endgültige Definition ist nicht in Stein gemeißelt. Der Begriff wird sehr unterschiedlich verstanden und hat sich auch als Terminus in der Sportwissenschaft noch nicht durchgesetzt.

Christian Wittmann

Schaute man auf die Vortragsinhalte der Veranstaltung, wird schnell klar, dass Athletiktraining viele Komponenten beinhaltet. Das sportartspezifische Anforderungsprofil, die Verletzungsprävention und sogar die Ernährung spielen eine Rolle. Mit diesem Verständnis fanden über 15 Vorträge in zwei Parallelsträngen statt. Unter anderem waren folgende Vereine und Institutionen vertreten: DHB (Deutscher Handball Bund), Borussia Dortmund, FSV Zwickau, Fortuna Düsseldorf, SC Freiburg, Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt, FC Ingolstadt, BVDG (Bundesverband Deutscher Gewichtheber e.V.), VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, TSV Dormagen (Handball). Die Leistungslust war als Medienpartner vor Ort.

Verletzungsprävention im Fußball. Es gab einige Vorträge zu den Sportarten Eishockey und Fußball. So waren im Eishockey etwa Betreuer der Nürnberger Ice Tigers vertreten. Und auch im Bereich Fußball wurden interessante Ansätze zur Verletzungsprävention vorgestellt.

1.FC Köln

Dennis Morschel und Max Weuthen sprachen über die Struktur und Prinzipien in der Verletzungsprävention beim Bundesligisten 1. FC Köln. Max ist Sportwissenschaftler und als Athletiktrainer für das Nachwuchsleistungszentrum tätig. Dennis ist Sportphysiotherapeut und innerhalb des Trainerteams des 1. FC Köln für die Bereiche Rehabilitation und Prävention zuständig. Während ihres Vortrages ließen sie uns hinter die Kulissen des Vereins blicken. So wird zwischen Kompetenzen und Kapazitäten unterschieden.

Zur Kompetenzerhebung werden ein Neuroscreening, das Dynamic Eye (Visualtraining), Prehab Tests, Selective Functional Movement Assessment (SFMA) und dem Bewegungslabor IFD Cologne eingesetzt. Die Kapazität wird mittels Yoyo Intermittent Recovery Test Level 1, GPS Daten und Laktat ermittelt. In einem Spielerprofil werden unter anderem die Ergebnisse einer Präventions- und Leistungsdiagnostik festgehalten. Dazu finden umfangreiche Testbatterien statt (siehe Hintergrundkasten Präventionsdiagnostik), welche in einem Anamnesebogen festgehalten werden. Auch die Schnelligkeit und weitere Parameter werden dokumentiert.

Bei all diesen Erhebungen steht dennoch der Mensch als Individuum im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang findet eine regelmäßige Befindlichkeitsabfrage der Spieler per App statt. Das war auch das, was die Referenten am Ende mit auf den Weg gaben: „bei allen objektiven Daten zur Optimierung von Potenzialen, geht es am Ende um den Menschen“.

Präventionsdiagnostik

Tests: Deep Squat, Hurdle Step, Inline Lunge, Shoulder Mobility, Active Straight Leg Raise, Trunk Stability Push Up und Rotatory Stability, Front Hop, Y-Balance, Bunkie Test.

Kompetenzen: Mobilität, statische motorische Kontrolle, dynamische motorische Kontrolle, Absprung- & Landefunktion, neuromuskuläre Kontrolle.

Hannover 96

Ebenfalls der Prävention widmete sich Dominik Suslik, Athletiktrainer bei Hannover 96. Ein Aspekt, den Dominik ansprach, war die Kommunikation. Zum Team rund um den Spieler zählen Ärzte, Therapeuten, Trainer, Sportwissenschaftler, Psychologen und Ernährungsberater. Grundvoraussetzung, um eine erfolgreiche Vermeidung von Verletzung zu bewerkstelligen, ist eine gemeinsame Sprache. Bei Hannover 96 wird mit einem digitalen Präventions-Management-Tool gearbeitet. Dieses System wertet einen Score aus, indem das System mit objektiven und subjektiven Daten gefüttert wird. Verschiedene Kategorien spielen dabei eine Rolle, wie etwa externer und interner Load, Wohlbefinden oder die Kategorie „muskulär“. Insgesamt stehen über 30 Optionen zur Verfügung. Auf dem Teamdashboard werden dann die einzelnen Spieler in einer Tabelle dargestellt. Kritische Scores werden rot markiert.

Dominik Suslik geht auf den Aspekt Load Management näher ein.Christian Wittmann
Dominik Suslik geht auf den Aspekt Load Management näher ein.

Ernährung im Sport und in der Gesellschaft. Der Sportwissenschaftler Harald Swatosch stellte die individuelle Ernährungssteuerung im Leistungssport vor. Im Mittelpunkt standen verschiedenen Einflussfaktoren. Eine große Rolle spielte dabei der Stoffwechsel. Dieser wird beeinflusst durch genetische, innere (etwa Hormonumstellungen, Alter oder Physische Belastung) und äußere Faktoren (etwa Nahrungsmittel, Medikamente, Aufenthaltsort). Er wies darauf hin, dass die Ernährungswissenschaft noch nicht so weit entwickelt ist, um alle Faktoren wissenschaftlich fundiert miteinfließen zu lassen. Empfehlungsableitungen aus Studien sind als allgemeine Empfehlungen zu betrachten, die nicht für jedes Individuum gelten.

Schmerzforschung im Fokus. Diplomsportwissenschaftler Patrick Preilowski von der Deutschen Sporthochschule Köln sprach über die Schmerzforschung. Dabei gab er den Besuchern auf Grundlagen von Studienergebnissen sieben wichtige Updates mit auf den Weg.

  1. Schmerzen sind immer real, egal wodurch sie hervorgerufen werden
  2. Die Kausalität zwischen Schmerzen und physiologischen Schäden ist nicht immer vorhanden
  3. Schmerzen sind Ausgangssignale und nicht Eingangssignale des Gehirns (Schmerzen sind ein Schutzmechanismus des Körpers)
  4. Die Lokalisation des Schmerzes ist nicht gleichzusetzen mit dem Ursprung des Schmerzes
  5. Schmerzen können durch Wiederholung trainiert werden (Schmerzmodulation)
  6. Schmerzen sin ein multidimensionales, komplexes Phänomen
  7. Schmerzen setzen sich aus kognitiven, motorischen und nozizeptiven Anteilen zusammen (bio-psycho-soziales Modell)

Diese Erkenntnisse beeinflussen das übergeordnete Trainingsziel insbesondere bei wiederkehrenden Schmerzen. Trainer können zum Beispiel versuchen, einen neuen Kontext zu schaffen, und das Gefahrenlevel des Inputs heruntersetzen. Wichtig im Umgang mit Schmerzpatienten ist eine positive Kommunikation und die Aufklärung über den Schmerz. Außerdem sollte nach und nach an die Schmerzgrenze herangeführt werden. Ein direktes „in den Schmerz trainieren“ wird nicht empfohlen.

Fazit. Die zweitägige Konferenz zeigte, dass ein guter Trainer in vielen Bereichen aufgestellt sein sollte. Egal ob im Breitensport, oder auf Leistungs- und Profiniveau: Um einen Sportler erfolgreich zum Ziel zu führen, benötigt es Kompetenzen in der Kommunikation, der Anatomie und Physiologie, Ernährung, sowie eine Ahnung von analogen und digitalen Monitoring-Tools. Über alldem steht darüber hinaus ein Blick auf das Individuum. [sh]