Thomas Myers, einer der großen Vorreiter auf dem Gebiet der Faszienforschung, stellt in seinem Meisterwerk Anatomy Trains klar: „Unser biomechanisches Regulationssystem ist sehr komplex und noch nicht voll erforscht. Es ist wichtig, Faszien zu verstehen, um den Ausgleich zwischen Stabilität und Bewegung zu finden. Dies ist wichtig für hohe Leistung, Rehabilitation von Verletzungen und zur Optimierung von Bewegungsmustern.“ Somit sind nur funktionelles Anatomieverständnis und Kenntnisse zur richtigen Anwendung des Faszientrainings erfolgsbringend.

Aufbau der Faszien. Der wesentliche Bestandteil einer Faszie ist Kollagen und einige wenige Elastin-Fasern, die aus einer Grundsubstanz von Wasser bzw. Zucker-Eiweiß-Verbindungen aufgebaut sind. Sie durchziehen den ganzen Körper in unterschiedliche Richtungen und besitzen eine hohe Anpassungsfähigkeit.

Bei jüngeren Menschen sind die umhüllenden Faszien häufig scherengitterartig und weisen eine bidirektionale Netzstruktur bzw. eine ausgeprägte Wellenstruktur auf. Im Laufe des Alterungsprozesses und bei Bewegungsmangel geht die Wellenstruktur verloren. In diesem Fall kommt es zu Bildung von ungeordneten, planlosen Querverbindungen im Gewebe. Bei älteren Menschen herrschen oft multidirektionale Faserstrukturen vor, die einem Filzgewebe gleichen. Die Elastizität geht verloren, es kommt zu Verklebungen und Verfilzungen (Abb. 1).