„Und jetzt alle!“ Mit grimmigem Blick, oder einfach nur peinlich berührt, starren mich meine Zwölftklässler an, während ich unnachgiebig praktische Tipps unserer Bundeskanzlerin umsetze und sie in der fünften Stunde zum Klatschen und Kniebeugen machen animiere. Realsatire? Ein wenig, aber eigentlich befinden wir uns mittendrin im alternativen Sportunterricht an Deutschlands Schulen zu Zeiten von Corona. Angela Merkels Ratschlag ist sicherlich gut gemeint, aber wenn mir meine schulische Reputation innerhalb der Schülerschaft wichtig ist, muss ich eine andere Umsetzung finden.

Aber wie sehen echte Alternativen aus? „Gut!“, denke ich mir, „dann bleiben die Masken eben auf und wir halten Abstand!“, beschließe ich. Erinnerungen an die Wochen vor Weihnachten kommen wieder auf, in denen Sportunterricht mit Masken erst sehr spät verboten war.

Die siebte Klasse freut sich – noch! Denn sie dürfen Basketball spielen. Schnell wird mir klar, Basketball ist zwar offiziell ein kontaktloses Spiel, aber eben nur offiziell. Heftig unter der Maske schnaufend blockt Magdalena Fatima engagiert und wischt ihr dabei aus Versehen die Maske vom Gesicht. Fatima stellt die bockige Magdalena daraufhin lautstark zur Rede – natürlich ohne Maske, die in der Zwischenzeit von einer anderen Schülerin händisch auf Schäden untersucht wird.