Digitales Training begegnet uns im Fitnessbereich heutzutage überall. Die Bandbreite reicht von der klassischen Pulsuhr und der Trainings-App auf dem Smartphone bis hin zu virtuellen Kursen in einem Fitnessstudio. Verbreitet sind zunehmend auch elektronische Fitnessgeräte, die dem Kunden selbst die „Range of Motion“ und die „Time under Tension“ vorgeben und so ein gesundes und fitnessorientiertes Krafttraining ermöglichen. Die Fitnessbranche hat diesen Bedarf erkannt und passt sich an. Digital unterstütztes Training ist dabei eine spannende Option.

Ist digitale Trainingsunterstützung für jeden Sportler geeignet? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Jeder Sportler trainiert individuell und jedem Sportler macht etwas anderes Spaß. Wer allein trainieren möchte, jedoch Unterstützung in Form eines vorgegebenen Workouts wünscht, für den sind Online-Angebote und Trainings-Apps eine sehr gute Lösung. Allerdings fehlt hierbei das geschulte Auge eines Trainers für die richtige Ausführung der jeweiligen Übungen – dadurch besteht unter Umständen ein erhöhtes Risiko für Verletzungen und Übertraining. Dennoch können diese Möglichkeiten bei richtiger Ausführung sehr wohl zum Erfolg führen.

Ich bin seit 15 Jahren als Indoor-Cycling-Instructor in verschiedenen Fitnessstudios in Deutschland tätig und habe mich natürlich auch privat dem Sport verschrieben. Seit etwas mehr als fünf Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der digitalen Trainingssteuerung. Angefangen hat alles mit meiner ersten Profi-Sportuhr von Polar. Zunächst beschränkte sich die Anwendung nur auf mein persönliches Training und hier insbesondere auf das Lauftraining zur Vorbereitung auf die Marathonteilnahme in Hamburg und Köln.

Durch meine positiven Erfahrungen mit der Pulsuhr und meine Trainertätigkeit wuchs mein Interesse an einer fachlich kompetenten Weiterbildung im Bereich Herz-Kreislauf-Training. In diesem Zusammenhang habe ich mich zur „Cardio-Expertin“ weitergebildet. Innerhalb des Kurses wurden eine App zur Trainingssteuerung und die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt. Ich hatte ausführlich die Gelegenheit, sie in der Theorie kennenzulernen und in der Praxis zu testen. Ich war begeistert und wollte beides unbedingt einsetzen! Das Studio, in dem ich heute als Indoor-Cycling-Instructor arbeite, hatte ebenfalls diese Vision. Und so arbeite ich seit Mitte letzten Jahren in meinen Einsteigerkursen nur noch mit der digitalen Trainingssteuerung mittels App. Für den privaten Gebrauch und in meiner Tätigkeit als Personal Trainer nutze ich die zusätzlichen Coaching-Funktionen.

Die Möglichkeiten im Bereich der digitalen Trainingsunterstützung entwickeln sich rasant. Betrachte ich die letzten Jahre im Indoor-Cycling, so stand am Anfang weniger das gesundheitsorientierte, pulsgesteuerte Training im Fokus, sondern mehr der Spaßfaktor. Das änderte sich, als die ersten Pulsuhren aufkamen: Wer wirklich gesundheitsorientiert Sport treiben wollte, der trainierte mit Uhr. Trotz alledem wurde immer noch meist über die persönlichen Leistungsgrenzen hinaus trainiert. Die dabei erreichten Pulsfrequenzen waren viel zu hoch und der Sportler hatte keinen oder keinen optimalen Trainingserfolg. Der Trainer kann die Teilnehmer im laufenden Kurs jedoch nur bedingt unterstützen. Mit der Visualisierung durch die App ergeben sich allerdings neue Möglichkeiten.

Wie funktioniert das? Der Teilnehmer loggt sich zu Kursbeginn mit der entsprechenden Pulsuhr gleicher Marke in die App ein. Sobald das Training startet, sehen die Sportler ihre momentane Herzfrequenz auf einer großen Leinwand. Ich als Trainerin gebe die gewünschten Herzfrequenzen im Rahmen des Setups vor. Meine Erfahrung mit der Visualisierung ist, dass der Teilnehmer dazu animiert wird, nicht über seine persönlichen Leistungsgrenzen zu gehen, sondern sich an die Vorgaben des Trainers zu halten. So ergeben sich optimale Rahmenbedingungen für den gewünschten Trainingseffekt. Über eine längere Zeit lernen die Kursteilnehmer so ihren Körper und ihre Leistungsfähigkeit deutlich besser kennen. Der Ist-Zustand und die Entwicklung über den gesamten Trainingszeitraum wird ihnen vor Augen geführt.

Ein weiterer Grund, warum ich die Trainings-App gerne nutze, sind gruppendynamische Prozesse in Bezug auf die Motivation. So ermöglicht die App eine Visualisierung der Erreichung von Gruppenzielen. Wenn alle Kursteilnehmer zum Beispiel im gleichen Pulsbereich sind, so erscheint das auf der Leinwand in einer entsprechenden Animation. Die Anwendung zeichnet die Gruppenleistung in Form von Zeit auf. Neben der individuellen Leistung pro Kursteilnehmer wird auch die Performance der Gruppe zum Abschluss in Form von Achievements honoriert. Ich beobachte, dass es dabei eine deutlich intensivere Kommunikation innerhalb der Gruppe gibt – wobei weniger der „Kaffeeklatsch“ zwischen einzelnen Teilnehmern gemeint ist, sondern vielmehr ein gegenseitiges Anfeuern und Motivieren von Leistungsschwächeren. Der Wettkampfaspekt hat weniger die Leistung Einzelner im Fokus; mein Eindruck ist, dass die Gruppe eher versucht, die gemeinsame Leistung Kurs um Kurs zu steigern. Die Teilnehmer sind jedes Mal hochmotiviert und haben Spaß daran, den Kurs zu besuchen.

Abbildung 1: Live-Trainingssteuerung im SpinningPolar
Abbildung 1: Live-Trainingssteuerung im Spinning

Im Bereich des Personal Trainings bieten sich beste Möglichkeit zur digitalen Trainingssteuerung. Dies ist ein Tool innerhalb der Weboberfläche meiner Trainings-App. Erforderlich ist hierfür nur die entsprechende Pulsuhr. Der Personal Trainer kann die Trainingseinheiten des Kunden hinsichtlich Herzfrequenz, Dauer, Intensität et cetera bewerten. Die Anwendung bietet diverse Möglichkeiten, den Trainingsverlauf für den Kunden und den Trainer zu visualisieren.

Ich nutze diese Funktion gerne zusammen mit Kunden, die nicht immer direkt vor Ort sein können, aber trotzdem eine professionelle Betreuung wünschen. So ist eine Kontinuität in der Betreuung möglich und der Trainingserfolg wird nicht gefährdet.

Auch können im Vorfeld Trainingseinheiten im Bereich des Herz-Kreislauf-Trainings durch den Personal Trainer im Kalender des Kunden eingetragen werden. Der Kunde kann seinen Trainingsplan mit der Uhr synchronisieren. Nach absolvierter Einheit und nochmaliger Synchronisation über den PC oder das Smartphone sind die Daten für den Trainer online verfügbar. Mit einer Nachrichtenfunktion kann ein direktes Feedback an den Kunden erfolgen. Der direkte Austausch zwischen Sportler und Trainer ist somit zeitnah auch ohne persönliches Treffen möglich. Zudem können gewünschte Anpassungen am Trainingsplan ausgetauscht und schnell umsetzt werden. Der Funktionsumfang lässt heutzutage meiner Meinung nach keine Wünsche offen – von der Schlafanalyse über die Erfassung täglicher Aktivitäten bis hin zu detaillierten Trainingsplänen ist alles möglich. Hinzu kommen verschiedene Auswertungsoptionen.

Meine persönlichen Favoriten sind auch die Warnfunktion für Übertraining (Cardio Load) und die Funktion „Saisonplan“: Hier kann ein mehrmonatiger Trainingsplan zur Vorbereitung von Wettkämpfen aufgebaut werden. Ich habe mir vorgenommen, im Jahr 2020 einen Halbmarathon mit dieser Funktion vorzubereiten und zu laufen. Ich bin mir sicher, so meine Bestzeit zu steigern.

Abbildung 2: Online-TrainingsssteuerungPolar
Abbildung 2: Online-Trainingsssteuerung

Digitale Trainingssteuerung ist in meinen Augen eine Bereicherung für Kunden und Personal Trainer. Grundsätzlich erhalten beide einen Überblick über den Trainingsverlauf mit quantitativen und qualitativen Informationen, die schnell verfügbar und austauschbar sind. Etwaige Probleme können unter Umständen schneller erkannt und der Trainingsplan angepasst werden, bevor sich der Körper bemerkbar macht. Die Transparenz lässt dabei ein gesundes Training in den Fokus rücken. Der Trainingserfolg wird durch eine Visualisierung leichter verständlich, vergleichbar und greifbar – was zu guter Letzt der Motivation zugute kommt, denn der Weg ist das Ziel!

Praxistipps

  • Lass dich in der Nutzung einer Trainingssoftware vom Hersteller weiterbilden.
  • Nutze selbst diese Software, um im Kursbetrieb Herr der Technik zu sein.
  • Kenne das Anforderungsprofil und den Leistungsstand deines Kurses, um das Training optimal zu steuern.
  • Sorge dafür, dass alle Teilnehmer das erforderliche Equipment besitzen.