Die visuelle Wahrnehmung spielt eine übergeordnete Rolle in nahezu allen Sportarten, denn bis zu 95 Prozent der Umwelteindrücke werden im Sport über das Auge aufgenommen (1). Die drei grundlegenden Aufgaben des optischen Sinnessystems sind die Erstellung einer Orientierungsgrundlage für den Sportler, die Kontrolle von Eigenbewegung sowie die Antizipation von Fremdbewegung (2). Des Weiteren ermöglicht die visuelle Wahrnehmung eine Bewegungsbeurteilung. Gerade in Ball- und Rückspielsportarten mit Gegnerbeteiligung zeigt sich die Bedeutung des dynamischen Sehens: Die Spieler müssen nicht nur ihre eigene Lage und die des Schlägers (Tennis, Tischtennis, Hockey) auf dem Spielfeld beurteilen, sondern auch die Position, Richtung und Geschwindigkeit des Balles und des Gegenspielers in ihre Berechnungen und den daraus resultierenden Handlungsplan einbeziehen.

Die Bedeutung des dynamischen Sehens im Sport lässt sich am Beispiel Tennis sehr gut veranschaulichen: Die visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ist auf die Bewegung des Gegenspielers und anschließend auf die Flugkurve des Balles gerichtet. Erfahrenen Spielern reicht es dabei aus, nur einen Teil der Ballflugkurve zu beobachten – es gelingt ihnen, die gesamte Flugbahn aufgrund von Erfahrungswerten zu berechnen, ohne dass sie den Weg des Balls bis zum Ende beobachten müssen. Dies resultiert in einer Zeitersparnis, die wiederum von den Spielern genutzt wird, um sich am errechneten Landepunkt des Balles in eine optimale Position zu bringen. Der Spieler stellt sich darauf ein, den Ball anzunehmen und möglichst platziert zurückzuspielen: Das Treffen des Balles im richtigen Moment an der richtigen Stelle im Raum wird mit dem weiteren Ziel des angestrebten Auftreffpunkts im gegnerischen Feld und dem dabei als Hindernis zu überwindenden Netz gekoppelt (2).