Er war ein erfolgreicher Triathlet auf dem Weg zur Weltmeisterschaft, besaß eine florierende Laufberatung und zahlreiche Sponsoren. Dann kam der Kontakt mit Anthropologie und Evolutionsbiologie, die das Verständnis des brasilianischen Sportwissenschaftlers von Bewegung grundlegend veränderten. Ein Gespräch über Generalismus und den Sinn von Bewegung.

Vitor, du hast vor einigen Jahren wortwörtlich die Turnschuhe ausgezogen, den Rucksack liegengelassen und bist weiter barfuß durchs Leben. Gab es einen besonderen Vorfall, der dazu geführt hat?

Diese Haltungsänderung geschah nicht plötzlich, es war ein allmählicher Übergang. Aber in dieser Zeit war ich auch mit einem Freund auf einem Trekking über den Berg Salkantay in Peru. Mich haben die traditionellen Völker beeindruckt, die im Gebirge eine ganz natürliche Beziehung mit ihrem Habitat führen. Ich sah die „mamitas“ auf den Wanderwegen, in einfachen Sandalen, oft mit einem Holzscheit und Kindern auf dem Arm unterwegs. Und es schockierte mich jedes Mal, wenn ich auf „spezialisierte“Wanderer stieß, die Reiseführer, Rucksackträger, Trekkingstöcke und viel Technologie dabei hatten. Ich verglich die Kompetenz in beiden Realitäten. Die flachen und offenen Schuhe, die ständige Auseinandersetzung mit steilem und unregelmäßigem Terrain, die vielen Aktivitäten auf Bodenniveau, all das hatte direkte Auswirkungen auf die bessere Performance der lokalen Bewohner am Berg. Währenddessen nutzte den fremden Bergsteigern ihr Lebensstil und sogar das Training kaum.