CBD-Öl ist quasi in aller Munde. Es hilft vielen Sportlern bei der Regeneration, hat aber auch schon zur Sperrung von Topathleten geführt. Breitensportler, Spitzensportler und auch ambitionierte Hobbyathleten nehmen CBD ein. Doch nur wer weiß, was er wie einnimmt, kann CBD sinnvoll nutzen. 

Schmerz lass nach. Der MMA-Fighter Niklas Stolze berichtet von einer positiven Wirkung nach der Einnahme von CBD. Im April 2019 kämpfte er gegen den Spanier Omar Santana und ging als Sieger aus dem Ring. Durch ein paar harte Gesichtstreffer in der zweiten Runden erlitt Niklas allerdings einen Bruch des linken Jochbeines und eine angebrochene Nase. Infolge der Verletzungen war das Gesicht extrem angeschwollen, die Behandlung war schwerfällig. Nach dreieineinhalb Wochen konnte eine Operation ausgeschlossen werden. Während dieser Phase nahm der MMA-Kämpfer mehrmals täglich ein mit 20 Prozent hochdosiertes CBD-Öl  zu sich: „Die Schwellungen wurden besser und der Schmerz war dadurch erträglich“, sagt der Leistungssportler.

CBD ist sowohl im Profisport als auch in der Gesellschaft angekommen. Es entsteht der Eindruck, der Wirkstoff sei eine Wunderwaffe. Ihm werden unter anderem entspannende, schmerzlindernde und regenerartionsfördernde Wirkung nachgesagt.

Körpereigenes Cannabioid. Was viele nicht wissen: Der Körper hat ein eigenes endogenes Cannabinoid-System. Dieses System ist unter anderem an der Gehirnentwicklung, der motorischen Kontrolle, der immunologischen Regulierung oder auch der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Körpereigene Stoffe, wie beispielsweise der Neurotransmitter Anandamid, wirken auf dieses System ein. Dazu arbeitet der Körper mit verschiedenen Rezeptoren. Der CB 1-Rezeptor ist für neuronale Vorgänge zuständig. Dieser wird beispielsweise durch THC (Tetrahydrocannabinol) aktiviert und ist an der psychoaktiven Wirkung beteiligt. Der CB 2-Rezeptor sitzt in den Immunzellen und beeinflusst unter anderem die Regeneration der Knochen. CBD wirkt eher auf den CB 2- als den CB 1-Rezeptor. Wenn Niklas also sagt, die Tropfen haben ihm geholfen, dann kann das durchaus sein.

Unterscheidung THC und CBD. Gefühlt kam kaum jemand im Jahr 2019 an dem Hype vorbei. Eine Befragung zum Konsum von CBD-Produkten bestätigt: Die Hanfpflanze liegt wieder voll im Trend (Abb.1) (1). Diesmal allerdings nicht wegen ihres psychoaktiven Wirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC), sondern dem Bestandteil Cannabidiol (CBD).

Abbildung 1:  1.000 Personen wurden zum Konsum von CBD in Deutschland befragt (1)AuraArt / shutterstock.com
Abbildung 1: 1.000 Personen wurden zum Konsum von CBD in Deutschland befragt (1)

CBD gilt aktuell als Nahrungsergänzung und ist kein Medizinprodukt. Es kann rezeptfrei in Drogerien, Supermärkten, Apotheken und online erworben werden.

THC und CBD müssen voneinander differenziert werden, obwohl beides in der Hanfpflanze steckt. THC ist beispielsweise für das Gefühl beim Marihuanakonsum verantwortlich. Der psychoaktive Wirkstoff ist in Deutschland verboten und unterliegt den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. CBD wirkt nicht psychoaktiv. Die World Health Organisation (WHO) stuft es als unbedenklich ein (2): CBD mache nicht abhängig und habe keine signifikanten Nebenwirkungen. Neben THC und CBD gibt es noch weitere Cannabinoide. Diese sind in Tabelle 1 aufgeführt.

Cannabinoid

Wirkung

Im Sport

CBC

entzündungshemmend und schmerzlindernd

verboten

CBD

schmerzhemmend

erlaubt

CBDA (Vorstufe von CBD)

gegen Übelkeit

erlaubt

CBG

antibakteriell

verboten

CBN (Oxidationsprodukt von THC)

angstlindernd

verboten

THC

berauschend

verboten

Dopingsubstanzen. Laut Wada-Vorgabe müssen zwei von drei Kriterien erfüllt werden, damit Substanzen auf der Verbotsliste landen (3). Die Substanz muss:

  • Tatsächliche oder potenzielle Leistungssteigerung haben. Dies muss messbar sein und sich deutlich von leichten Leistungssteigerungen abheben.
  • Gefahr für die Gesundheit und/oder den Körper darstellen.
  • Gegen den Geist des Sports verstoßen.

Zudem sind Substanzen illegal, die verbotene Substanzen verschleiern können.

Die Hanfpflanze enthält insgesamt über einhundert bekannte Cannabinoide. Das einzig legale Cannabinoid im Sport ist CBD. Die Wada hat sich über die Gründe zur Akzeptanz von CBD nicht explizit geäußert. Es lässt jedoch vermuten, dass Kriterien, die für die Verbotsliste herangezogen werden, bei CBD in Anbetracht des aktuellen Kenntnisstandes nicht zutreffen. Allerdings weist die Nada explizit auf die Möglichkeit hin, dass CBD-Produkte auch THC beinhalten können. Auf THC positiv getestete Sportler werden sanktioniert (4).

Wie entsteht die Verbotsliste

Eine internationale Expertengruppe der Weltdopingagentur verfolgt Trends, wissenschaftliche Erkenntnisse und berät sich dazu. So entsteht ein Entwurf für die Liste der verbotenen Substanzen. Anschließend gibt es eine sogenannte Stakeholder-Konsultation. Alle Interessensgruppen der WADA können dann Vorschläge zur Ergänzung der Liste einreichen. Dies beinhaltet weitere Aufnahmen von Substanzen oder die Streichung einer Substanz, welche bereits auf der Liste steht.

Das Extrakt. Hersteller von Produkten extrahieren das CBD aus der Hanfpflanze heraus. Das ist ein kompliziertes chemisches Verfahren. Das CBD-Molekül ist strukturell dem des THC sehr ähnlich, eine genaue Differenzierung ist unter anderem deshalb aufwendig und kompliziert.

Das CBD-Molekül in seiner chemischen StrukturStudioMolekuul / shutterstock.com
Das CBD-Molekül in seiner chemischen Struktur

Viele freiverkäufliche Produkte auf dem Markt enthalten trotz CBD-Bezeichnung einen THC-Anteil. 2017 untersuchten Forscher den Gehalt von CBD und THC bei Waren, welche in Onlineshops vertrieben wurden. Unter anderem stellten die Wissenschaftler bei 18 Produkten einen viel zu hohen THC-Gehalt fest (5). Teilweise war der angegebene CBD-Gehalt auch falsch: Getestete Handelsgüter schienen zum Teil unterdosiert.

Ein weiterer Indikator für eine niedrige Qualität bei den Produkten ist der CBDA-Wert. Das Molekül ist lediglich eine Vorstufe des CBDs. CBDA in einer hohen Konzentration spricht für ein unzureichend extrahiertes Produkt.

Andreas Wünscher kennt die Problematik und ärgert sich über die schwarzen Schafe auf dem Markt. Der aktive Triathlet und frühere Entwickler von Nutraceuticals gründete daher sein eigenes Unternehmen. Ein herausragendes Merkmal von CBD ist für ihn die erhöhte muskuläre Belastbarkeit. Er möchte hochwertige Produkte für Sportler auf dem Markt etablieren. Wünscher schätzt an CBD die lockernde Wirkung: „Durch CBD wird die Schutzspannung der Muskulatur reduziert. Die reine analgetische Wirkung erreicht CBD erst in höheren Dosierungen und bei einer regelmäßigen Einnahme. Allerdings kann man bei einer niedrigeren Dosierung die muskuläre Spannung reduzieren und damit die Durchblutung verbessern“.

Dass es an Langzeitstudien fehlt, ist dem Unternehmer klar. Er begrüßt die steigende Anzahl der Studien, wünscht sich allerdings eine tiefergehende Forschung. „Da CBD erst am 1. Januar 2018 von der Dopingliste genommen wurde, war der Zeitraum für Langzeitstudien mit Sportlern schlichtweg zu kurz.“ Inzwischen wird in der eigenen Firma viel mit Beobachtungsstudien gearbeitet. Die Einschätzung der Sportler wird durch regelmäßige Fragebögen eingeholt und dokumentiert.

Prozentangabe und Haltbarkeit

Die Prozentangabe zeigt an, wie viel Wirkstoff sich im Produkt befindet. Diese Angabe ist insbesondere für den Verwendungszweck des Cannabinoids entscheidend. Produkte mit niedriger CBD-Dosierung, wie etwa fünf Prozent, können im Rahmen der Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden. Das entspricht einer Flasche mit zehn Milliliter Öl und 500 Milligramm CBD. Andreas Wünsche experimentierte viel herum. Er benutzt zum Beispiel Kürbiskernöl als Trägerstoff, um den Eigengeschmack der Inhaltsstoffe auszugleichen und erhält damit eine Produktstabilität von zwei Jahren. Eine angebrochene Flasche ist bis zu sechs Wochen haltbar, insbesondere deshalb, da  das Öl mit der Zeit ranzig wird.

Hochdosierte CBD-Produkte können mit einem Rezept in der Apotheke erworben werden, obwohl sie offiziell nicht als Medikament deklariert sind. Ab wann ein Produkt als hochprozentig gilt, ist Auslegungssache. Laut Wünsche hat „ein 25-prozentiges Produkt im freien Verkauf nichts mehr verloren.“

Nahrungsergänzungsmittel. Produkte wie Kreatin- oder Proteinpulver werden den Nahrungsergänzungsmitteln zugeordnet. CBD bisher ebenfalls. Ob das so bleibt, ist noch unklar, denn aktuell tut sich einiges auf dem Markt.

In den USA und der EU ist ein Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) zur Behandlung bestimmter Formen der Epilepsie zugelassen. Dr. Anja Scheiff leitet das Ressort Medizin bei der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA). Sie hat die Zulassung des Medikaments mit Spannung verfolgt: „Es gibt somit in jedem Fall eine eng begrenzte therapeutische Indikation für die Anwendung von CBD in bestimmten Dosierungen. Wenn Athleten CBD-Produkte anwenden, muss klar sein, dass dies ein Wirkstoff gegen Epilepsie ist.“

Davon abgesehen müssen sich Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen von Medizinprodukten differenzieren. So ist Händlern in Deutschland beispielsweise eine Dosierungsangabe und -empfehlung nicht gestattet. Es gibt eine Stellungnahme des Bundesinstitutes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (6). Darin wird darauf hingewiesen, CBD müsste eine Zulassung eines Arzneimittels oder der Novel Food Verordnung unterliegen. Diese Verordnung besagt, dass Erzeugnisse, welche vor 1997 noch nicht im europäischen Verkehr zum Verzehr waren, eine Risikobewertung durch die Europäische Union (EU) durchlaufen und eine gesonderte Zulassung erhalten. Bis zum Redaktionsschluss war die Risikobewertung durch die EU noch nicht abgeschlossen. Eine Entscheidung wird allerdings im ersten Halbjahr 2020 erwartet.

Schlafqualität. Abgesehen von seiner Verletzungsphase konsumiert der MMA-Kämpfer Niklas Stolze regelmäßig CBD-Öl und -Kapseln in einer geringeren Dosierung, um nach einem harten Sparringstraining oder einer intensiven Kardio-Ausdauereinheit runterzukommen. Der 27-Jährige sagt, seine Schlafqualität sei besser, seitdem er CBD nehme. Andreas Wünsche hat von Sportlern schon des Öfteren Ähnliches erfahren. Dass CBD pauschal sedierend wirkt, ist aber nicht gesagt. „Das ist wahrscheinlich individuell“, sagt der Triathlet. „Bei mir wirkt es eher anregend. Es kann sein, dass es in niedrigen Dosen anregend, in hohen Dosen eher sedierend wirkt“.

Eine retroperspektive Studie aus 2019 wertete den Effekt von CBD bei 103 Patienten mit Angst- und Schlafproblemen aus und kam zu dem Schluss, dass ein positiver Effekt auf die Schlafqualität möglich ist (7). Es gibt noch weitere Untersuchungen zum Thema Schlaf in Zusammenhang mit CBD und THC. Die bisherigen Publikationen sind in der Aussagekraft allerdings sehr limitiert, da die Gruppen unter anderem sehr klein waren oder auch der Schlafeffekt nicht zur Hauptfragestellung zählte.

Knochenbau. Andreas Wünsche glaubt an den positiven Effekt von CBD in Bezug auf die Knochenheilung. Ein prägendes Erlebnis war, als er sich die große Zehe brach. Laut Krankenhauspersonal würde er den Fuß fünf bis sechs Wochen nicht belasten können. In dieser Phase hat er CBD eingenommen und konnte laut eigener Aussage nach 15 Tagen ein relativ schmerzfreies Lauftraining absolvieren.

In einem Tierversuch wurde der Einfluss von CBD auf die Regeneration von Knochenzellen untersucht (8). Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sich CBD positiv auf die sogenannten mesenchymalen Stammzellen auswirkt. Aus diesen Zellen entstehen verschiedene Zellarten, zum Beispiel Osteoblasten. Diese wiederum sind am Knochenaufbau beteiligt. Weitere Tierversuche lieferten ebenfalls erfolgsversprechende Beobachtungen im Hinblick auf den Knochenabbau. Bisher liegen allerdings keine signifikanten Ergebnisse vor.

Weitere Indikationen. Unter anderem soll die Einnahme von CBD bei Magen-Darm-Problemen, Schlafstörungen, chronischen Erkrankungen, Multipler Sklerose und Morbus Parkinson helfen; zudem wird ein Einsatz bei Krebserkrankungen diskutiert. CBD soll eine entzündungshemmende, schmerzlindernde oder auch antibakterielle Wirkung haben.

Bei den meisten Krankheitsbildern liegt noch keine klinische Wirksamkeit vor. Zell- und Tierversuche dürfen nicht überbewertet werden. Positive Resultate bedeuten nicht automatisch, dass es beim Menschen ebenfalls wirkt. Dr. Anja Scheiff gibt zu bedenken: „In der Pharmazie sucht man nach möglichst zielgerichteten Wirkstoffen. Denn jede nicht erwünschte Wirkung wäre praktisch eine Nebenwirkung für den Patienten.“

Eigenverantwortung. CBD unterstützt scheinbar ein intensives Training. Dennoch müssen sich Personen bewusst sein, dass man auch mit CBD den Körper überfordern kann.

CBD-Produkte sind frei verkäuflich, wenn der THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt. Wichtig zu wissen ist, dass THC im Körper gespeichert werden kann. Im Urin ist das Molekül vier bis sechs Wochen nachweisbar. Personen, die regelmäßig CBD-Produkte zu sich nehmen, welche einen geringen THC-Gehalt beinhalten, laufen damit immer Gefahr, letztendlich doch positiv getestet zu werden.

In der Dopinganalytik wird das im Körper entstehende Hauptabbauprodukt des THC, das sogenannte Carboxy-THC, analysiert: „Der Grenzwert für Carboxy-THC, der innerhalb von Wettkämpfen nicht überschritten werden darf, liegt seit Mai 2013 bei 150 Nanogramm Carboxy-THC pro Milliliter Urin“, informiert die Apothekerin Dr. Anja Scheiff. „Das entspricht 150 Milliardstel von einem Gramm Carboxy-THC“.

Im Sport kam es schon zu Sperren, da die verbotene Substanz THC nachgewiesen werden konnte. Die Argumentation, dass lediglich CBD-Produkte konsumiert wurden, half nicht. Der Sportler Niklas Stolze denkt an Nick Diaz, einen MMA Kämpfer, der in der US-amerikanischen UFC-Liga kämpft. Er wurde 2012 von der US- Dopingagentur (USADA) für fünf Jahre gesperrt. Niklas sieht solch ein Strafmaß im Vergleich zu anderen Verstößen als unverhältnismäßig an. Warum dieser Zeitraum für einen Sperre gewählt wurde, ist allerdings unklar. Mutmaßlich spielten mehrere Faktoren rein.

Die Verbotsliste der NADA unterscheidet zwischen spezifischen und nicht-spezifischen Substanzen. Im Grundsatz gehören die Cannabinoide zu den spezifischen Substanzen, die tendenziell mit mildernden Sanktionen belegt werden. Allerdings muss immer der Gesamtkontext betrachtet werden. Der NADA-Code bezieht auch Aspekte wie Erstverschuldung oder Wiederholungstat mit ein. Vor einem Sportschiedsgericht spielen also viele Aspekte eine Rolle. 

Die NADA warnt grundsätzlich vor der Einnahme bzw. Anwendung CBD-haltiger Produkte. Die Gefahr der unbewussten THC-Aufnahme betrifft übrigens nicht nur Leistungs- und Profisportler. Berufsgruppen wie Piloten oder Krankenschwestern und auch jeder Autofahrer kann betroffen sein. Denn auch hier können Drogenkontrollen stattfinden. „Wir hatten zu Beginn unserer Testungen viele positive Drogenteststreifen, bevor wir das richtige Verfahren fanden, welches den THC-Gehalt eliminiert“, bestätigt Wünsche.

Das Thema CBD ist komplex. „Wer CBD nehmen möchte, sollte sich vorab informieren und nicht irgendetwas nehmen. Ich werde manchmal von Trainierenden auf das Thema angesprochen und helfe gern weiter. Mir ist es sehr wichtig, dass die Leute informiert sind. Das Vorurteil, dass CBD mit Kiffen gleichzusetzen ist, ist einfach falsch“. Bisher fehlt es an umfassenden Richtlinien und Konsumenten tragen eine große Eigenverantwortung.

Praxistipps

  • Informiere dich über die Inhaltsstoffe des Produkts.
  • Sei dir bewusst, das CBD auch THC enthalten kann.
  • Überprüfe regelmäßig, ob CBD auf einer Verbotsliste steht.

Drei Fragen an Andreas Wünsche

Andreas Wünsche ist 1980 geboren und betreibt seit seinem 26. Lebensjahr Wettkampfsport. Der Sportjournalist gründete 2001 seinen ersten Vertrieb für Sportnahrung. 2018 hat er sich mit der Firma Cannasport auf CBD- Produkte spezialisiert.Andreas Wünscher
Andreas Wünsche ist 1980 geboren und betreibt seit seinem 26. Lebensjahr Wettkampfsport. Der Sportjournalist gründete 2001 seinen ersten Vertrieb für Sportnahrung. 2018 hat er sich mit der Firma Cannasport auf CBD- Produkte spezialisiert.

Wie wird CBD aus der Hanfpflanze gewonnen?

Jedes Cannabinoid hat eine eigene Temperatur bei der Bearbeitung. Bei CBD sind es 120 Grad. Durch diese Temperatur wird das CBD erst aktiviert. Aus der minderwertigen Vorstufe CBDA wird CBD. Der Vorgang der Decarboxylierung ist teuer und bei einem hohen Anteil CBDA hat man sich diesen quasi erspart. Es gibt gegebenenfalls medizinische Indikationen für die CBDA-Gewinnung, aber im Grund genommen ist es eine relativ wertneutrale Substanz.

Was ist dir besonders wichtig im Umgang mit CBD?

Alle Cannabinoide – mit Ausnahme von CBD – stehen auf der Liste der verbotenen Substanzen der WADA. Sportler sollen wirklich genau darauf achten, was sie zu sich nehmen. Das ist der Grund für mich, CBD-Produkte selbst auf den Markt zu bringen und hier eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Sprichst du dich für strengere Richtlinien bei CBD aus?

Die momentane rechtliche Einordnung bei CBD ist schwierig. Den CBD-Gehalt auf der Packung auszuweisen, ist gesetzlich nicht erlaubt. Viele Öle werden als Aromaöl vertrieben, dazu reicht der Hinweis „nicht zum Verzehr geeignet“. Nutzhanf darf laut Gesetz 0,3 Prozent THC enthalten. Die Branche hat immer angenommen, dass dies auch für das Lebensmittelrecht gilt. Hier ist die Grenze aber um ein Vielfaches niedriger. Gleichzeitig wird über die Einordnung als sogenanntes Novel Food diskutiert. Mir wäre es im allgemeinen recht, wenn die Qualitätskriterien höher gehängt werden, um einen Wildwuchs auf dem Markt zu verhindern.

Drei Fragen an NADA ( Frau Dr. Anja Scheiff)

Dr. Anja Scheiff studierte Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und wurde 2010 im Fach Pharmazeutische Chemie promoviert. Seit September 2010 ist sie bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) in Bonn angestellt und leitet dort seit September 2017 das Ressort Medizin.Anja Scheiff/ Nada
Dr. Anja Scheiff studierte Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und wurde 2010 im Fach Pharmazeutische Chemie promoviert. Seit September 2010 ist sie bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) in Bonn angestellt und leitet dort seit September 2017 das Ressort Medizin.

Bemerken Sie eine steigende Relevanz zum Thema CBD?

In der Tat. Das begann mit der Publikation der Verbotsliste 2018. Im Ressort Medizin der NADA treten seitdem vermehrt Anfragen von Trainern, Athleten, Eltern, Managern, Ärzten oder auch Apothekern zu CBD auf. Meist wird erfragt, wie Cannabidiol-Produkte im Hinblick auf die Verbotsliste einzustufen sind.

Wie beeinflusst THC die sportliche Leistungsfähigkeit?

Es ist natürlich wie bei allen pharmakologischen Substanzen davon abhängig, wieviel THC man zu sich nimmt. THC wirkt auf den menschlichen Organismus entspannend und stimmungsaufhellend. Es kann eine innere Distanzierung von der augenblicklichen Situation eintreten. Dieser Effekt kann Athleten bei Sportarten, die mit einer Risikobereitschaft verbunden sind, beeinflussen, zum Beispiel beim Motor- oder Skisport. Die höhere Risikobereitschaft kann auch zu einer Gefahr bei Kontaktsportarten werden.

Wie können Konsumenten den THC-Gehalt eines Produktes einschätzen?

Cannabidiol-Produkte, die in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika erhältlich sind, unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz. Das heißt, es gibt keine gesetzliche Überprüfung solcher Produkte auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Man sieht Cannabidiol-Produkten, die keine Arzneimittelzulassung besitzen, also nicht an, ob und wieviel THC in Ölen, Kapseln und so weiter enthalten ist. Man kann sich nur auf die Selbstauskunft der Hersteller beziehen.

Drei Fragen an Niklas Stolze

Niklas Stolze gehört zu den besten deutschen Sportlern im Bereich der gemischten Kampfkünste. Seit seinem sechzehnten Lebensjahr betreibt er Kampfsport und unterrichtet aktuell in der La Onda Sportakademie in Magdeburg. Neben dem Kampfsport interessiert er sich für Basketball und verbringt viel Zeit mit seinem Irish Setter Ole.Tim Leidecker / Control Master Management
Niklas Stolze gehört zu den besten deutschen Sportlern im Bereich der gemischten Kampfkünste. Seit seinem sechzehnten Lebensjahr betreibt er Kampfsport und unterrichtet aktuell in der La Onda Sportakademie in Magdeburg. Neben dem Kampfsport interessiert er sich für Basketball und verbringt viel Zeit mit seinem Irish Setter Ole.

Wann bist du mit CBD in Berührung gekommen?

Ich bin kein Freund von Shakes und Tabletten, daher versuche ich alles über meine natürliche Ernährung zu mir zu nehmen. Im Trainingslager vor drei Jahren in Dublin kam ich damit in Kontakt. Dort war das damals schon viel weiter verbreitet. Ich bemerkte relativ schnell, dass mir das guttut und bin dabeigeblieben.

Du sagst, CBD hilft dir nach dem Training, schneller runterzufahren. Du könntest alternativ doch noch eine halbe Stunde Entspannung an das Training anhängen, wie etwa eine Yogaeinheit.

Ich bin ein Fan von Yoga, das Ding ist einfach, sowas mache ich separat. Wenn ich nach dem Training noch eine Yogaeinheit dranhänge, wird das zeitlich einfach zu viel. Ich verbringe schon so viel Zeit im Gym. CBD ist für mich eine gute Alternative.

Was würdest du Leuten raten, die sich für CBD interessieren?

CBD-Öl ist nicht gleich CBD-Öl. Jeder sollte sich vorab informieren, es gibt keinen Leitfaden für eine Dosierung oder ähnliches. Auf keinen Fall sollte bedenkenlos irgendein Öl gekauft werden. Und auch der Geschmack ist nicht zu unterschätzen. Firmen setzen verschiedene Grundöle, wie etwa Traubenkernöl oder ähnliches zu. Ich persönlich empfehle eine Basis auf MCT-Öl, da es geschmacksneutral ist.

Literatur

  1. Statista. 2019. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Cannabidiol für bestimmte Anwendungen einsetzen würden? https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1042038/umfrage/nutzungsbereitschaft-von-cbd-in-deutschland-nach-alter/ Zugriff am 03.01.2020
  2. WHO.v2017. Canndibiol. Zugriff am 12.12.2019: ttps://www.who.int/medicines/access/controlled-substances/5.2_CBD.pdf
  3. Nada. Verbotene Substanzen und Methoden. Zugriff am 18.12.2019: https://www.nada.de/medizin/im-krankheitsfall/verbotene-substanzen-und-methoden/
  4. Nada. 2018. Wada veröffentlicht Verbotsliste für 2020. https://www.nada.de/nada/aktuelles/news/newsdetail/news/detail/News/wada-veroeffentlicht-verbotsliste-fuer-2020/,Zugriff am 13.12.2019
  5. Bonn-Miller M et al. 2017. Labeling Accuracyof cannabidiol Extracts sold online. Zugriff am 12.12.2019: https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2661569
  6. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 2019. Cannabidiol (CBD) in Lebensmitteln. Zugriff am 12.12.2019: https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fokusmeldungen/01_lebensmittel/2019/2019_03_20_Cannabidiol.html
  7. Shannon S. et al. 2019. Cannabidiol in Anxiety and Sleep: A Large Case Series. The Permanent journal
  8. Kamali A. et al. 2019. Cannabidiol-loaded microspheres incorporated into osteoconductive scaffold enhance mesenchymal stem cell recruitement and regeneration of critical-sized bone defects. Material science & engineering