Maurice Calmano ist Personal Trainer und Sportwissenschaftler (Bachelor of Arts). Aus seiner Trainertätigkeit heraus hat er ein Unternehmen gegründet, welches zum einen Trainingstools für das Faszientraining anbietet und zum anderen für Unternehmen Konzepte verfasst, mit dem Ziel, die betriebliche Gesundheitsförderung zu modernisieren.

Hallo Maurice, erzähle uns doch kurz, wer du bist, und was du machst?

Gerne, mein Name ist Maurice Calmano. Ich bin 30 Jahre alt und Geschäftsführer der Mocica GmbH. Ich habe meinen Joint-Bachelor in Sportwissenschaften und Anglistik gemacht. Mein Unternehmen gründete ich im Sommer 2018 mit einem Produkt, auf das wir sicherlich noch zu sprechen kommen. Ein Kerngeschäft von uns ist mittlerweile die betriebliche Gesundheitsförderung. Hier bringe ich jetzt mein Wissen und meine Erfahrungen als Personal Trainer in Unternehmen und verbinde diese mit digitalen Produkten und Angeboten. Zudem verfasse ich Krankenkassen-Konzepte, welche teilweise im Rahmen des §20 SGB V zur betrieblichen Gesundheitsförderung schon zertifiziert sind.

Was sind dein persönlicher sportlicher Hintergrund und deine Ausbildungen im Bereich Fitness?

Von Leichtathletik über Turnen hin zu Fußball habe ich fast alles gemacht. Fußball habe ich in der Jugend in der Hessenliga gespielt. Meine Fußballkarriere beendete ich dann bei meiner Heimmannschaft in der Kreisliga. 2011 bin ich dann mit 21 Jahren zum Studium nach Darmstadt gegangen. Zusätzlich habe ich dann 2013 noch eine Fitnesstrainer-A-Lizenz gemacht. 2014 bin ich für ein Praktikum nach Berlin zu Nike gegangen, um dort Einblicke in das Event- und Athleten-Management zu bekommen.

Kommen wir zu deinem Unternehmen. Wie ist dieses entstanden?

Im Personal Training habe ich mich sehr stark auf das Thema Schulter konzentriert. Ich hatte viel mit Problematiken wie dem Impingement-Syndrom zu tun. 2015 kam ich dann auch mit Faszienrollen in Kontakt, war aber von der Rolle nie überzeugt. Was die Schulter betrifft, stellt man schnell fest, dass man mit der Rolle nicht an die Problemstellen herankommt, sondern nur mit manueller Therapie.

Und so entstand die Idee, ein punktuelles Faszienprodukt für meine Kunden zu kreieren. Meine Empfehlung bis dahin war, drückt euch zu Hause an einen Fenstergriff, denn der hatte ungefähr die richtige Form. Dann habe ich meinen jetzigen Geschäftspartner Felix wieder getroffen. Er erzählte mir, dass er 3D-Druck macht. Davon hatte ich keine Ahnung. Ich sagte ihm, drucke mir doch mal so einen Nippel, der muss unten stabil sein. Und vier, fünf, sechs Zentimeter hoch. Den muss man in die Schultern drücken können. Gesagt, getan. Tags darauf bin ich dann ins Studio gegangen, habe das Produkt den Leuten in die Hand gegeben und gesagt probiert es aus. So sind die Triggerdinger entstanden, die wir jetzt im Spritzguss produzieren und vertreiben. 

Welchen Herausforderungen bist du in der Gründungsphase begegnet?

Wir haben uns die ersten anderthalb bis zwei Jahre fast nichts aus der Firma ausgezahlt. Ich als Trainer konnte aber mit nur drei, vier Stunden Coaching die Woche gut meinen Single-Unterhalt bestreiten, sodass ich den vollen Fokus auf das Unternehmen richten konnte. Generell hast du in der Gründung aber durchgehend richtig Action im Kopf.

Auch sind wir einmal eine Kooperation mit Google eingegangen und haben eine für uns damals recht hohe Summe investiert, was sich überhaupt nicht gelohnt hat. So sind wir erstmalig ins Minus gekommen, mit einem vierstelligen Betrag, was für ein Start-up echt viel Geld ist. Zudem war zusätzlich noch Sommerloch. Du merkst auf einmal, dass es sechs Wochen gar nicht läuft und du fragst dich: Machst du überhaupt irgendetwas richtig? Aber es lag nicht an uns.

Was sind deine Ratschläge an andere bezüglich einer Unternehmensgründung?

Ich rate, das Standbein Trainertätigkeit weiterzuführen und seinen Stundenlohn als Coach ganz selbstbewusst hoch- und den Lebensstandard runterzufahren. So kannst du mit geringem Zeitaufwand noch ganz gut verdienen und musst dein junges Unternehmen nicht zusätzlich finanziell belasten.

Ein weiterer Tipp wären Co-Working-Spaces, welche die meisten Städte anbieten. Und mit diesen kann man auch ehrlich sprechen und sagen „Hört zu, ich gründe hier aus dem Nichts heraus und habe kein großes Kapital, wie sieht es aus? Kann ich erst einmal nur für drei Monate anmieten? Können wir mit 100 Euro starten statt 250 Euro?“ Eine offene Kommunikation ist der beste Weg in der Gründung. Denn man muss sich als Gründer nicht verstecken, das ist nichts Negatives! Im Gegenteil, es ist mutig. Auch trifft man hier spannende Unternehmen und kann sich austauschen. 

Wie bedeutsam ist für dich Faszientraining im Sport?

Grundlegend geht es ja um die Ausprägung der motorischen Fähigkeiten, Kraft, Stabilität und Ausdauer. Faszientraining ist dann eine ergänzende Eigenbehandlung, die die Beweglichkeit und die Mobilität verbessert. Ich sehe aber Faszientraining und die Triggerdinger nicht als den heiligen Gral an. Sondern die Kombination mit Kräftigung und Beweglichkeit bringt den Erfolg. In unserem Krankenkassen-Konzept haben wir 70 bis 75 Prozent Beweglichkeit und Kräftigung und der Rest beinhaltet Faszienarbeit, jeweils mit dem passenden Tool.  

Was auch schön ist: Wir haben Kooperationspartner, für die wir die Triggerdinger gebrandet haben. Und die benutzen diese im Unternehmen tatsächlich als Trigger, was ein witziges Wortspiel ist. So ein Triggerding steht also bei denen auf dem Schreibtisch und triggert die Mitarbeiter, abends auf die Matte zu gehen. Das macht mich happy, wenn mein Tool dafür sorgt, dass Menschen sich bewegen.

Was sind deine weiteren Zukunftspläne und Ziele?

Unser Ziel ist es, digitale Gesundheitsplattformen in vielen Unternehmen mit unseren Dienstleistungen und Produkten zu integrieren. Die Triggerdinger für das Faszientraining, BGM-Konzepte, auch digital, für Homeoffice-Training und Office-Mobility-Training. Wir möchten Gesundheitsförderung modern machen, jetzt und in Zukunft.

Das Gespräch führte Florian Münch