Die anatomischen, physiologischen sowie mechanischen Adaptationsvorgänge von Muskeln und Sehnen rücken immer mehr in den Fokus von medizin- und sportwissenschaftlicher Forschung. Untersuchungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass sich die Adaptation einer Sehne von der einer Muskelfaser unterscheidet und Sehnen andere Stimuli als Muskelfasern benötigen, um sich zu adaptieren. Strukturelle sowie funktionelle Veränderungen der Muskelfaser könnten einen Einfluss auf die Eigenschaften von Sehnen und Faszien haben, ebenso wie Veränderungen der Merkmale von Sehnen und Faszien die Charakteristika der Muskelfaser beeinflussen könnten.

Theoretische Grundlagen

Im Zusammenhang mit dem Adaptationsmechanismus des Muskel-Sehnen-Komplexes wird aus mechanischer und physiologischer Sicht in der Literatur oft das Hill’sche Modell (Abb. 1) verwendet, um Wechselwirkungen des Muskel-Sehnen-Komplexes zu verdeutlichen.

Beim Muskel-Sehnen-Komplex unterscheidet man das kontraktile Element (KE), das die kontraktilen Proteine Aktin, Myosin und Titin beinhaltet, und ein passiv-elastisches Element, welches in Serie zum KE geschaltet ist. Die seriell-elastische Komponente (SEK) oder auch das serielle Bindegewebe stellt den Übergang vom Muskel auf die Sehne sowie von der Sehne auf den Knochen und die Sehne selbst dar (Abb. 1a). Ihr werden die passiv elastischen Materialeigenschaften des Muskel-Sehnen-Komplexes zugeordnet und sie kann mit einer Spiralfeder verglichen werden. Ein drittes Element (Abb. 1b) ist die parallel-elastische Komponente (PEK), auch paralleles Bindegewebe genannt. Sie beinhaltet die kollagenen Fasern des Endomysiums, des Perimysiums, des Epimysiums sowie die Faszien, aber auch die Blut- und Lymphgefäße und die Nervenfasern.