Aus den Verbänden
Leistungslust Februar 2022

Arbeitest du wirtschaftlich?

Die letzten beiden Jahre waren wirtschaftlich nicht einfach für viele Selbstständige und auch 2022 ist Corona nicht vorbei. Auch ohne diese erschwerten Bedingungen müssen sich Selbstständige oder zukünftige Unternehmer in der Fitnessbranche fragen, ob sich ihre Tätigkeit rechnet und eine finanziell gesunde Basis gegeben ist. Gerade im Bereich der Trainer, wie zum Beispiel Personal Trainer, Yogalehrer und vielen mehr, stellt sich immer wieder die Frage nach dem Stundensatz, der verlangt werden kann.

Ein Beitrag von Claudia Schimmelfeder
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So einfach ist es nicht. Social-Media-Gruppen quellen über vor Fragen und Antworten, die mit Vorsicht zu genießen sind. Mancher wirft mit Zahlen um sich, die er kaum selbst generieren wird. Hohe Stundensätze sind wünschenswert und wirtschaftlich unbedingt zu befürworten. Die Realität holt viele allerdings schnell ein. Das eine ist es, einen adäquaten Stundensatz zu verlangen, das andere, ihn durchzusetzen. Neben Ausbildung, Standort und Angebot spielen viele Faktoren eine Rolle. Welche Kunden hast du? Wie viele Personen pro Stunde (Einzelpersonen oder mehrere parallel)? Arbeitest du für Privatpersonen oder in Firmen? Wie einzigartig ist dein Angebot?

Honorarkalkulation. Du solltest unbedingt vor Beginn deiner Selbstständigkeit genau durchrechnen, was du im Monat verdienen musst, um davon regelmäßig 12 Monate im Jahr leben zu können (plus Bildung von Rücklagen und solider Altersvorsorge). Wie viele Kunden benötigst du? Wie viele Stunden oder andere Dienstleistungen oder Produkte musst du verkaufen? Wie sieht es mit deinem Verdienst im Urlaub aus? Was passiert, wenn du krank wirst? Hast du Kosten wie Krankenkasse, Versicherungen, Fortbildungen, Fitnessequipment, Steuerberater und Büroausstattung sowie IT-Ausstattung einberechnet? Wie viele Stunden kannst du pro Woche überhaupt arbeiten, auch in körperlicher Hinsicht – und nicht die Fahrtzeiten vergessen.

Die eine Aussage, was Trainer (ich werfe jetzt einmal alle zusammen) pro Stunde verlangen sollten beziehungsweise tatsächlich bezahlt bekommen, gibt es nämlich nicht. Von 20 Euro bis 150 Euro ist so ziemlich alles dabei, was bezahlt wird (es geht auch höher, wenngleich die Gruppe derer, die mehr verlangen und es auch bezahlt bekommen, leider nicht sehr groß ist). Du bist nebenberuflich selbstständig? Vielleicht um erst einmal in die Selbstständigkeit reinzuschnuppern? Auch da sollte es sich rechnen und nicht mehr Kosten verursachen, als Einnahmen reinkommen. Gerne vergessen werden die Stunden für Vorbereitung, Anfahrt zum Kunden oder Videodrehs, die auch in die Kalkulation einfließen müssen. Mancher wird jetzt sagen, wenn ich das alles berechne, lohnt es sich ja nie! Kein Grund aufzugeben oder gar nicht erst zu starten, aber ein Grund, Kalkulation und Angebot zu überdenken und die Kosten anzupassen. Dann steht einer erfolgreichen Zukunft als Trainer nichts im Wege.

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